Review

Don't go breaking her heart…

„Der Fangschuss“ aka „Coup de Grace“ (was meiner Auffassung eher sowas wie „Gnadenschuss“ heißt) erzählt von einer aristokratischen Frau, die sich am Ende des russischen Bürgerkriegs 1919 in einen attraktiven und strengen Soldaten verliebt, der mit seiner Truppe ihr Gehöft besetzt. Und als ihre Liebe nur zögerlich bis gar nicht erwidert wird und sie in eine Spirale der Rebellion gerät, kann das Ganze kein gutes Ende nehmen…

Schneeflöckchen Weissschöckchen

Ein sehr früher und doch schon recht reifer Schlöndorff. Ein Winterfilm. Ein Liebesfilm. Ein Kriegsfilm. Aber alles in einem recht verdrehten und verkappten Licht. Tragisch und böse. Ein bisschen Lagerkoller. Ein bisschen Eifersuchtsepos. Ein ganz bitteres Ende. Schöne Verlagerung auf einen deutlich weiblicheren Blickwinkel im Gegensatz zur literarischen Vorlage. Vieles geschieht im Off und zwischen den Zeilen. Krieg, Enttäuschung, Eifersucht, Tod. Sehr charakterkonzentriert. Blicke sagen mehr als Worte. Sehr intim und sehr universell, trotz doch deutscher Schlagseite. Schlöndorffs französische Schule spürt man ebenfalls sehr. Von Trotta und Habich spielen das komplett ohne Netz, Schutz und doppelten Boden. Und die Figur der bizarren Tante ist creepy und bleibt total im Gedächtnis. Irgendwie ein wahrer Totentanz. Und eine gefährliche Überlappung privater wie politischer, menschlicher wie militärischer Makel. 

Fazit: kriegerisch-menschliches Frühwerk von Volker Schlöndorff zwischen Wahnsinn und Leidenschaft. Kaum etwas ist gefährlicher als ein gebrochenes Frauenherz… Doch. Der Krieg. Und der Mann. Und der Mensch. Real Talk. 

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