Review

Zu den eher obskuren Beiträgen zur Slasherwelle aus den güldenen 80ern gehört sicherlich Nico Mastorakis‘ „The Wind“, der sich anno 1986 gedreht, nur in einer Handvoll Ländern (darunter unser schönes Heimatland) in den Kinos verorten konnte und sonst gleich in den Videotheken landete.

Das ist jetzt nicht wirklich eine Überraschung, denn ab der zweiten Jahrzehnthälfte hielten die Slasher immer kürzere Stelldicheins in den Kinocharts ab. Aber vielleicht liegt es auch an der „künstlerischen“ Umsetzung, mit der in diesem Fall an das Thema herangegangen wurde.
Ein anderer Grund könnte sein, dass sich der Film dann doch ein wenig zieht.

Wir haben es hier nicht mit den „Teuflischen von Mykonos“, dem skandalösen Erstlingswerk von Mastorakis, insofern sind die Schafe sicher, dafür haben unsere Protagonisten ein meteorologisches Problem.
Die Mär erzählt nämlich von einer holden Erfolgsautorin, die die letzten Kapitel ihres neuesten Reißers aus nicht näher definierten Gründen auf einer griechischen Halbinselsiedlung runtertexten möchte. Die Örtlichkeit ist sowohl malerisch als auch interessant, da die Häuser praktisch in Schichten übereinander gebaut wurden und man so durch die Etagen turnen kann, wenn man sich mit den Mitmietern einig ist.
Sonst ist es recht charmant, erklärt dann auch der große Robert Morley in einer späten sexistischen Rolle als Vermieter unserer von Meg Foster echsenäugig gespielten Protagonistin Sean, abgesehen von diesem speziellen Wind der über die Halbinsel brettert und die Menschen verrückt macht.

Gesagt, getan: kaum sind die ersten Zeilen in die Tastatur gekloppt, hebt draußen auch schon ein Blasen und Wüten an (die meisten Bewohner sind übrigens, na wo wohl, auf dem Festland, wegen Saison) und wir bekommen Druck: Hausbursche Phil bekommt von Morley die Kündigung und legt den alten Herren um. Anschließend zieht ihm definitiv beim Vergraben zuviel Föhn um die eh schon marode Birne und er setzt nun sichelbewaffnet an, auch der Schriftstellerin zu Leibe zu rücken.
In der Folge wird ein wenig geflohen und ein bissl belagert, kleinere Scharmützel ausgefochten und dem Schatzi in der Heimat (David McCallum in einer netten Nebenrolle am Pool) hinterher telefoniert.
Alles nicht so wahnsinnig interessant oder spannend (außer man ist zart besaitet), weil auch der Bodycount sich nur sehr zahm entwickelt. Irgendwann taucht dann auch noch Steve Railsback als gestrandeter Seemann auf und will die Chose klären, während Phil immer noch um die Häuser schleicht…

Nun ja, 87 Minuten ist ein klein wenig zu lang für diesen dürftigen Stoff, eine 45-Minuten-TV-Episode hätte es auch getan. Leider gelingt die Verbindung zu Opfer und Täter praktisch nie während der Laufzeit, weil Foster meistens kühl und sachlich agiert (man könnte auch emotionslos sagen), während Wings Hauser als Psycho vom Dienst den vollen Nicholas Cage fliegen lässt, was eindeutig zu viel Augenrollen ist.
Optisch bemüht sich die Produktion, den mystischen Wind mit Raucheinschüben zu visualisieren und volle Punktzahl für die einsamen, labyrinthischen Steingassen des Örtchens, aber die Konstellation läuft sich tot, bis Railsback zumindest den Dreh in den Plot bringt, Sean könnte sich das alles nur eingebildet haben, was auch vorher schon angedeutet worden war.
Am Ende haben wir dann wieder mal einen Bösling, der immer wieder aufsteht (und sich vorher nicht geschickt anstellt) und kaum totzukriegen ist, aber bis dahin hat sich auch der schönste Ansatz dann irgendwann totgelaufen, wenn man nicht von der malerischen Isolationsatmosphäre fasziniert ist.

Ergo haben „The Wind“ meistens die in der Vitrine, die auf den etwas anderen Schlitzer stehen oder die mediterrane Slasheratmo zu schätzen wissen, ich für meinen Teil war dann nach gut 40 Minuten schon ziemlich stark mit allem Möglichen beschäftigt, aber nicht mit diesem, übrigens gore-light präsentierten, Slasher.(4/10)

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