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Man hat’s nicht leicht als 13-Jähriger im Hamburg der 70er. Uwe und Dschingis beschließen deshalb widrigen familiären Verhältnissen und ihrer Plattenbausiedlung den Rücken zu kehren. Mit einem geklauten Segelboot nehmen die beiden in Richtung Nordsee Reißaus.

Hamburg City Calling! Die Abenteuer der zwei Ausreißer kommen ohne Superkräfte und verbuddeltem Piratenschatz aus, sodass ein relativ hohes Maß an Authentizität erreicht wird. Soziale Problematiken wie Ausländerfeindlichkeit, häusliche Gewalt und Jugendkriminalität werden angeschnitten, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger oder auf die Trändrüsen zu drücken, was diesen heimlichen Klassiker zu einem gediegenen, leicht verdaulichen Erlebnis macht. Den Soundtrack steuerte kein geringerer als Udo Lindenberg bei. Wenn der alte Schlapphut in Bob Dylan-Manier in die Mundharmonika bläst, spürt man beinahe, wie einem der nordische Fahrtwind um die Nase pfeift.
Vor allem als Zeitdokument ist NORDSEE IST MORDSEE einen Blick wert. Jeansjacken, Schlaghosen, Plateauschuhe – Das bunte Portrait vom Deutschland der 70er-Jahre erinnert uns recht anschaulich an die westlich geprägte Mode und die Jugendkultur vor der Wende. Der daraus entstehende nostalgische Scharm macht diese Ode an Hamburg und den Norden – ähnlich wie Klaus Lemkes ROCKER – zu einem Stück Filmgeschichte.

Fazit:
70er-Jahre-Jugendfilm mit der Extraportion Fernweh – Sehr gut!

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