Misel Maticevic spielt den Leiter eines Sondereinsatzkommandos, das bei den Vorgesetzten ohnehin schon unter spezieller Beobachtung steht. Diese wird nach einem missglückten Einsatz, bei dem einer der Beamten schwer verletzt wird und zwei Verdächtige erschossen werden, während der Dritte fliehen kann, weiter erhöht. Als dann zwei seiner Männer tot aufgefunden werden und der Verdacht auf ein Mitglied einer kriminellen Jugendbande fällt, laufen die Geschehnisse rund um das Sondereinsatzkommando endgültig aus dem Ruder.
Cop-Thriller über Polizisten, die in düsteren und brutalen Milieus ermitteln, aufgrund ihrer harten Vorgehensweise jedoch kaum noch von den Verbrechern zu unterscheiden sind, gibt es wie Sand am Meer, wobei die bekanntesten Genrevertreter größtenteils aus den USA stammen. Mit „Wir waren Könige“ wurde nun ein Weiterer in Deutschland gedreht. Nun sind deutsche Thriller, die von Fördergeldern finanziert werden, für gewöhnlich nicht unbedingt für ihre Härte und Konsequenz bekannt, sondern eher als biederer Einheitsbrei. Doch hier haben wir es mit einer rühmlichen Ausnahme zu tun, einem sehenswerten Cop-Thriller und nicht mit einem Durchschnittskrimi.
Als Regisseur und Autor fungierte Philipp Leinemann, der mit seinen vorherigen Werken kaum auf sich aufmerksam machen konnte, hier aber gute Arbeit leistet. Er setzt auf düstere, dreckige Bilder, eine beklemmende Atmosphäre und bettet darin seine durchweg bedrückende Handlung ein. Von Anfang an baut der Film Spannung auf, schon der erste Einsatz des SEK-Teams in einer Wohnung in Sachsen-Anhalt zündet wegen der stimmigen Bilder und der realistischen Inszenierung des Geschehens, wobei mitunter auch die Wackelkamera zum Einsatz kommt.
Es folgt eine Geschichte um ein Sondereinsatzkommando, in dem die ehrlichen Beamten klar in der Minderheit sind und die Mehrheit nach dem Mord an zwei Kollegen rot sieht, eher an Rache als an der Aufklärung des Verbrechens interessiert ist. Dabei gelingt es Leinemann, die unterschiedlichen Polizisten an Profil gewinnen zu lassen. So kämpft der von Ronald Zehrfeld gelungen verkörperte Beamte nach einer anfänglichen Überreaktion schließlich doch für eine Aufklärung der Morde, während der vom charismatischen Misel Maticevic ausgezeichnet verkörperte Kollege vor nichts zurückschreckt, um sein SEK-Team zusammenzuhalten und seine Taten zu verschleiern. Überhaupt bietet „Wir waren Könige“ einen sehr ernüchternden, weil in vielerlei Hinsicht nicht allzu unrealistischen Einblick in den Polizeiapparat. Dazu gehört die ehrliche Straßenpolizistin, die ihren Job riskiert, um einen kriminellen Jugendlichen vor den SEK-Männern zu schützen genauso wie der von Thomas Thieme ausgezeichnet verkörperte opportunistische Vorgesetzte, der die Taten seiner Untergebenen in erster Linie verschleiern will. „Wir waren Könige“ verweilt durchweg in der Grauzone und betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei.
Auch als Milieustudie überzeugt „Wir waren Könige“ durchaus. Der brutale Konflikt zweier Jugendbanden verläuft parallel zu den Ermittlungen der Polizei, wobei der junge Nasim, der es auf die Aufmerksamkeit eines Bandenführers abgesehen hat, der dramaturgische Dreh- und Angelpunkt ist. Der gewaltsame Konflikt, der immer größere Ausmaße annimmt, ist ebenso ernüchternd wie die Geschichte der SEK-Einheit, aber auch ebenso spannend, sodass „Wir waren Könige“ durchweg gelungen unterhält.
Da Leinemann die gespannte, düstere Atmosphäre aufrechterhalten kann und die Gewaltspirale immer weiter auf die Spitze treibt, wobei die nächste Wendung stets unvorhersehbar ist, bleibt „Wir waren Könige“ spannend und stimmt permanent nachdenklich. Kritikpunkte gibt es in handwerklicher Hinsicht keine, da auch die wenigen Action-Szenen gekonnt und realistisch inszeniert sind, wobei auch die übrigen Darsteller Versiertes auf die Leinwand bringen. Ärgerlich sind dagegen einige weitere Subplots, so etwa die Liebensbeziehung zwischen einem der beiden Gangleader und seiner Freundin, die dem Geschehen ein wenig die Fahrt nehmen. Zudem ist die Rahmenhandlung stellenweise arg überkonstruiert, es sind immer wieder Zufälle, die das Geschehen voranbringen, sodass der Plot als solcher zunehmend unrealistischer erscheint. Auch die Handlungen des kleinen Nasim, der ruhig weitergehend konstruiert sein könnte, sind nicht immer nachvollziehbar, obwohl er es doch ist, der die Handlung voranbringt.
Fazit:
„Wir waren Könige“ hat zwar seine Macken, so treibt beispielsweise allzu oft der Zufall die Handlung voran, ein guter Film ist Philipp Leinemann hier dennoch gelungen. Er zeichnet ein düsteres, tristes und nachdenklich stimmendes, weil nicht ganz unrealistisches Bild von einer SEK-Truppe, die jenseits von Recht und Gesetz agiert, von zwei Jugendbanden, die sich in einer folgenschweren Gewaltspirale verstricken. Der Thriller ist dabei atmosphärisch dicht und spannend inszeniert, gut gespielt und damit durchweg unterhaltsam.
73 %