Review

Sind Polizisten doch nur Menschen?
Polizeifilme aus Deutschland bewirken nicht selten einen bitteren Beigeschmack, denn meistens sind die Grenzen zwischen Gut und Böse sehr eindeutig gesteckt und aufgrund von Klischees und schablonenartigen Figuren ist die Auflösung vieler Geschichten nur eine Frage der Zeit. Im Streifen von Autor und Regisseur Philipp Leinemann kämpft hingegen Böse gegen Böse in einem Spiel, bei dem es nur Verlierer geben kann.

Nach einem fehlgeschlagenen Einsatz der SEK unter der Leitung von Mendes (Misel Maticevic) und Kevin (Ronald Zehrfeld) steht dieses unter verstärkter Beobachtung, während der dreizehnjährige Nasim (Mohammed Issa) Anerkennung unter rivalisierenden Jugendgangs sucht und damit eine Kette von Verdächtigungen und Intrigen auslöst. Als zwei Mitglieder der SEK tot aufgefunden werden, wird eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt...

Nach dem ungewöhnlich kompromisslosen Einstieg wird schnell klar, dass hier nichts den üblichen Abläufen eines vergleichbaren Krimis folgt. Der verlängerte Arm der Gerechtigkeit ist alles andere als unfehlbar und sobald es in der namenlosen Großstadt zu Prügeleien kommt, mischen einzelne Gesetzeshüter auch mal munter mit oder nehmen es mit der Aufklärungsarbeit nicht so genau, um den guten Ruf der Einheit zu waren. Doch wie der Titel unschwer erraten lässt: Sie waren Könige.

Leider verzettelt sich die Erzählung mit zu vielen Nebenhandlungssträngen: Da gibt es die Typen von der Sondereinheit, dann ein paar durchschnittliche Streifenpolizisten, zwei Gangs mit ihren jeweiligen Anführen und entsprechenden Rivalitäten und Nazim, der in seiner unbedarften Art einige Missverständnisse auslöst. Rund vierzig Minuten wird somit kaum ein roter Faden verfolgt, es findet sich weder eine Identifikationsfigur, noch ist ersichtlich, welcher Aspekt sich als relevant herauskristallisieren könnte.

Erst ab Mitte der Erzählung nimmt die Sache deutlichere Konturen an, obgleich die eine oder andere Figurenzeichnung zu dürftig ausfällt und mancher Nebenhandlungsstrang ins Leere läuft. Bei alledem punktet die latent düstere, hoffnungslos triste Atmosphäre, was der Score mit seinen stillen Klängen wunderbar untermalt. Die wenigen Actioneinlagen bieten zwar keine sonderlichen Schauwerte, doch das solide Handwerk, insbesondere die souveräne Kamera lässt ab und an ordentlich Drive entstehen.

Dass es anbei um einen Türsteherring, um Korruption, Vertuschung und Loyalität geht, offenbart sich erst in der letzten Viertelstunde etwas deutlicher, wobei die letzten Minuten ein wenig von der vorherigen Kompromisslosigkeit abdriften und schon beinahe versöhnlich daherkommen.
Nahezu sämtlich Darsteller tragen zur authentisch wirkenden Stimmung bei und obgleich manche minimal drüber performen, wirkt das Geschehen stets so, als könne es sich in jedem Moloch einer Großstadt ähnlich zutragen.

Im Endeffekt blockiert sich das überambitionierte Drehbuch selbst, da einige Aspekte nur oberflächlich gestreift werden und manchen Figuren der Background fehlt. Mit stärkerer Konzentration auf die SEK und deren Querelen wäre Leinemann wahrscheinlich besser gefahren, dennoch bleiben weitgehend unterhaltsame und stimmungsvolle 107 Minuten deutscher Polizeifilm, welche ein pessimistisches, wenn auch nicht gänzlich unrealistisches Licht auf Spezialeinsatzkommandos werfen.
Knapp
7 von 10

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