Review

Staffel 1

"Wer wird nun die Bewohner Gotham's beschützen?"

Gotham City wird von der Korruption beherrscht. Die Mafia-Clans von Salvatore Maroni (David Zayas) und Don Carmine Falcone (John Doman) beherrschen die Stadt und schmieren Polizei und Politiker gleichermaßen. Der bisherige unterschwellige Schlagabtausch zwischen den beiden Banden ist am eskalieren. Und die Nachtclubbesitzerin Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) ist ihres Bosses Falcone überdrüssig.
Detective James Gordon (Ben McKenzie) ist neu in der Stadt und muss sich an seinen zynischen Partner Harvey Bullock (Donal Logue) genauso anpassen, wie auf Umstände. Seine Vorstellung, die Unterwelt von Gotham ordentlich aufzumischen, zerspringt direkt an seinem ersten Fall: Dem Mord an der Wayne-Millionärsfamilie auf offener Straße. Nur ihr Sohn Bruce (David Mazouz) hat der Täter am Leben gelassen. Der Bürgermeister Aubrey James (Richard Kind) will den Mordfall so schnell wie möglich als aufgelöst sehen, um die Bewohner der Stadt nicht dauerhaft beunruhigen zu müssen. Bei seinen Ermittlungen stößt Gordon auf Mooney sowie deren Handlanger Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor), der wegen seines merkwürdigen Ganges gern auch als Pinguin bezeichnet wird. Mooney gibt Gordon einen Hinweis auf den Mörder, der schließlich gefasst werden kann. Cobblepot verrät im Anschluss aber, dass es sich bei dem angeblichen Mörder nicht um den wahren Täter handelt, sondern um ein nötiges Opfer, um die Wogen zu glätten. An allen geht zunächst eine Zeugin vorbei: Das agile Straßenmädchen Selina Kyle (Camren Bicondova).

Die Comicfigur Batman ist überaus beliebt. Zahlreiche Kino- und Animationsfilme sowie eine kultige, selbstironische Serie um den dunklen Rächer haben das Publikum bewegt und auch das Zeitgeschehen dokumentiert. "Gotham" ist nun der Versuch das Universum um die Comicfigur herum in den Fokus zu setzen und bindet zahlreiche bekannte Figuren ein. Nur eben nicht Batman, denn zeitlich gesehen spielt die Serie in dessen jungen Jahren.

Erzählerisch erinnert hier einiges an Christopher Nolan's "The Dark Knight"-Saga. Besonders viele Elemente aus dessen wegweisendem zweiten Teil sind hier zu finden: Der enorme Grad an Korruption, die Mafiabosse, die politischen und von James Gordon initiierten Versuche gegen den Sumpf aus Verbrechen vorzugehen und einzuschränken.
Trotz einem komplexen Handlungsrahmen, der sich durch die komplette erste Staffel zieht, sowie eigenständiger Anschläge und Morde in fast jeder Folge, ist die Geschichte aber bei weitem nicht so tiefgängig wie erhofft. Vieles geht hier aus Standardsituationen heraus, die man so schon aus anderen Krimis kennt. Einige Folgen strecken die Handlung einfach nur, ohne sie weiterzuführen.

Das einzig besondere in "Gotham" sind deren Figuren. Neben neu erfundenen skurrilen Charakteren finden sich hier Namen wie Ivy Pepper, Harvey Dent und Selina Kyle. Alles Figuren, die die Superschurken des Batman-Universums darstellen. Diese sind allesamt verjüngt und mehr oder weniger sinnvoll in die Handlung eingebunden. Von Beginn an ist hier offensichtlich, dass sich die Serie nur an das Batman-Universum anlehnen möchte, aber um die Figuren herum etwas Neues erzählt. Dabei geht aber auch so manch interessante Figur unter.

Trotz aller vorgeschobener Düsternis und ordentlicher Inszenierung, ist "Gotham" optisch durchwachsen. Die meisten Charaktere bewegen sich zwischen wandelnden Klischees und durchgestylten Models. Die digitale Herkunft einiger Kulissen ist schnell ersichtlich. Und auch während der Action schwankt die Qualität sehr. Dagegen steht ein sehr willkommener, kompromissloser Umgang mit den Figuren.

Die Schauspieler agieren ordentlich. Besonders hervor heben sich Ben McKenzie ("88 Minuten") und Robin Lord Taylor, die die Züge ihrer Rollen sehr glaubwürdig wiederspiegeln. Donal Logue ("Ghost Rider", "Max Payne") und Jada Pinkett Smith ("Matrix"-Reihe) merkt man ihre bisherige Erfahrung im Filmgeschäft an. Luft nach oben ist dennoch, denn so manche Neulinge im Geschäft neigen zum Overacting.

Ganz zu Beginn und auch zum Finale der ersten Staffel bietet "Gotham" sehr gute Unterhaltung. Die Folgen dazwischen schwanken aber so sehr, dass man sich emotional stets hin und her gerissen fühlt. Zu sehr verlässt sich die Serie auf ihre bekannten Elemente, die Figuren und die Kulisse, ohne sie aber groß in ihre recht generische Geschichte einzubinden. Die Effekte sind qualitativ nicht konkurrenzfähig. Erfreulich dagegen ist der sehr kompromisslose Charakter der Serie. Gäbe es nicht die herausragenden Filme des Batman-Universums und hätte sich die Qualität der Serien nicht auf ein Filmniveau gehoben, würde Gotham besser dastehen. So ist der Druck von außen jedoch höher.

6 / 10

Details
Ähnliche Filme