Wo ich gerade bei Filmen war, die mir ständig durch die Lappen gegangen sind, kann ich ja endlich auch ein paar Worte über Tobe Hoopers „Spontanous Combustion“ aka „Fire Syndrome“ verlieren, der gut 30 Jahre nach Veröffentlichung endlich mal still gehalten hat, um ihn zu begutachten.
Zu Hooper habe ich ja ein zwiespältiges Verhältnis: generell mag ich seinen optischen Stil sehr, zumindest ungefähr bis zu diesem Film, ehe er in die Niederungen des TV und der DTV-Ware abrutschte. In den 80ern war er für ordentlich Spaß zuständig und auch wenn nicht immer alles Gold war, was glänzte (Lifeforce, Invasion from Mars), kann man sich die Film aus optischen Reizen immer wieder anschauen und entdeckt hübsche Filmwelten.
Seine Karriere ist aber auch eine Abfolge von Unglücksarien an Produktionen, die ihm aus den Händen genommen und umgeschnitten wurden. Oder die er selbst zugrunde richtete – ich kann das schlecht differenzieren, aber im Falle von „Fire Syndrome“ haben wohl Dritte dran rumgebastelt, zumindest wenn man Hauptdarsteller Brad Dourif vertrauen darf, der sich ironischerweise darüber beklagt, dass der Film solange gut war, bis das ganze Feuer-Zeug los ging. Nun ja, ein Film namens „Fire Syndrome“, klingt nicht eben nach einer kitschigen Romanze, da darf man schon mal ein paar heiße Brandszenen erwarten.
Tatsächlich sollte der Film wohl aber mal so etwas werden, zumindest wird so etwas angedeutet, eine übernatürliche Romanze, mit Tragödie drin. Vielleicht sollte es auch ein Thriller werden. Oder ein Horrorfilm. Oder man konnte sich nicht recht entscheiden.
Tatsache ist, abgesehen von den ersten 15 Minuten, die noch 1955 im Zeitalter der Wasserstoffbombentests spielen (und die unangenehm an Rückblicke in Akte X erinnern), geht der Film über Bord, sobald er ins Jahr 1989 wechselt – und sinkt dann wie ein Stein.
Ich musste wirklich verblüfft an mich halten, denn was in den restlichen 75 Minuten passiert, ist so formlos und zerfahren, so unausgereift und schwer nachvollziehbar, so nervtötend und unsympathisch, wie es selten präsentiert wurde. Unklar, was an der Angelegenheit schlimmer ist: Drehbuch oder Darsteller? Dass der Film keine Form hat oder kein Ziel? Dass man für die emotional unbeherrschten Pappdeckelcharaktere keine Empathie empfinden kann oder dass sie einem den letzten Nerv rauben.
Fakt ist: Brad Dourif übernimmt nach dem Prolog die nominielle Hauptrolle des latent beziehungsgestörten 34jährigen mit Ex-Frau und beinahe Geliebter und Konzern-Adoptivpapi im Rollstuhl und hetzt in der Folge von einem Date zum nächsten. Worum es dabei geht, ist bald total egal, denn die Beziehungen untereinander sind eh nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Fakt ist, seine Fähigkeiten zur Pyrokinese brechen aus ihm heraus und das sogar „literally“ – sein Körper reißt auf und sondern heftige Flammenstöße ab.
Das kann einen Menschen schon mal nervös machen und dass einige einer engsten Vertrauten in der Folge auch einen heißen Tod sterben (nein, er war es nicht!), macht ihn nur noch nervöser. Und wütender. Und wer wütend ist, produziert nicht nur heiße Luft (davon ist der Film voll), sondern auch mehr Flammen.
Irgendwo in dem Murks rennen dann auch noch ein paar „hilfreiche“ Ärzte rum, die aber weder auf den berühmten Eid eingeschworen zu sein scheinen, noch auch nur das Handbuch für unauffällige Verschwörer gelesen haben.
Wenn ich nämlich einen Patienten habe, dem regelmäßig Fackeln aus Gesicht, Händen und Armen schlage, dann sollte ich möglichst hilfreich und beruhigend wirken und erklären, was man für den hysterisch-wütenden Patienten denn nun tun wird. Stattdessen behandeln Dourif hier alle mit starren Blicken, ominös aufgezogenen Spritzen ("es wird ihnen gleich besser gehen") oder Ankündigungen von nicht näher definierten „Mitteln“. Dazu blicken sie ernst drein, „gehen mal schnell nach nebenan“ und lesen da dann im wirklich nicht gut Verborgenen ominöse, aber gut zu erkennende Geheimakten.
Die Damen der Schöpfung jaulen hier meist rum, sondern aber nur platteste Allgemeinplätze ab und versichern den Psycho lediglich, dass er „doch bitte den Ärzten vertrauen“ soll. Spätestens an der Zweidrittelmarke verliert man als Zuschauer da die Geduld, da helfen auch die feurigen Pyrokinese-Effekte nichts mehr, die aber nach und nach sowieso immer deutlicher als „superimposed“, also visuell darübergelegt ersichtlich sind (um einen Vergleich anzustreben, die Effekte in „Firestarter“ sind überzeugender auf lange Sicht).
Nachdem sich alle also nach Kräften verdächtig gemacht haben und Dourif mit jeder Filmminute angefangene Gespräche nach weniger Sätzen mit irrationalen Wutanfällen und den immer gleich doofen Zwischenfragen unterbricht, kann er am Ende die relativ motivarmen Finstermänner alle einäschern, wobei sich auch dabei alle Bösen sensationell dämlich anstellen gegenüber jemandem mit fehlender Impulskontrolle und der Fähigkeit, dich per Gedanken abzufackeln.
Im Finale kommt dann auch noch sowas wie ein Gag mit seiner avisierten Freundin, aber weder ist das originell, noch findet es eine Lösung, die man nicht beknackt finden muss. Der von purer Atomenergie getriebene Dourif löst sich dann in eine Art leuchtende Flüssigbrennstoffpfütze auf und befreit seine Uschi per Leuchttentakelwischen von ihrem eigenen Pyrokinesefluch…ach, fragt nicht.
Wie überhaupt der Umgang mit bzw. der Zusammenhang zwischen Feuer und Atomkraft (und Elektrizität) ein physikalisch gänzlich ungeklärter und unbeschwerter zu sein scheint – das permanente Hinweisen auf die Eröffnung eines neuen AKW (in unmittelbarer Stadtnähe) scheint hier sogar die Studentenschaft zu energetisch kritiklosen Jubelstürmen zu provozieren.
Aber wie dem auch sei: „Spontaneous Combustion“ war bei Veröffentlichung und ist immer noch ein Wrack von Film, an dem zu viele Köche während und nach der Produktion herumbastelteten, der aber aufgrund seine unübersehbaren Mängel später nie zu einem sensationellen oder kultigen „afterlife“ kommen konnte und abgesehen von ein paar griffigen Effekten liegt das wohl hauptsächlich daran, dass er seinem Publikum mit seinem steten Anfahren und Zurücksetzen in praktisch allen Belangen einfach nur auf den Sack geht. (3/10)