Hin und wieder muss es Männern an die Weichteile gehen, vor allem, wenn sie sich wie in "I Spit on Your Grave" oder "Last House on the Left" im Rudel über unschuldige Frauen hermachen. Autor und Regisseur Matthew A. Brown bedient sich bei seinem Spielfilmdebüt zwar auch der üblichen drei Akte des Rape-and-Revenge-Films, doch der Stoff lädt zu keiner Zeit zum Mitfiebern ein.
Julia (Ashley C. Williams) arbeitet bei einem plastischen Chirurgen als Arzthelferin und wird während des Dates mit einem Studenten von vier Männern vergewaltigt und am Ufer eines Flusses zum Sterben ausgesetzt. Julia überlebt, doch vertraut sich zunächst niemandem an, lernt jedoch über Umwege eine Schwesternschaft kennen, welche einem Psychologen mit unkonventionellen Therapieformen unterliegt. Als Julia mithilfe der Therapie neuen Mut schöpft, trifft sie einen ihrer Peiniger wieder...
In der Regel liefert eine derart gelagerte Thematik ein klar definiertes Feindbild, nämlich die Vergewaltiger. Diesbezüglich geht Brown seinen Stoff leider inkonsequent an, denn nach Verabreichung von K. O. - Tropfen sieht Julia nur noch schemenhaft die Peiniger und erwacht kurz darauf blutverschmiert am Ufer. Was dazwischen geschah ist zunächst nur erahnbar und wird später lediglich durch kleine Flashbacks angereichert. Gesichter der Täter werden nicht gezeigt und so ist man auf weiter Flur allein mit der Titelgebenden.
Und zu der ist von Vornherein eine unüberbrückbare Distanz zu spüren, da Julia eigentlich keine Figureneinführung erhält, die meiste Zeit über auffallend wortkarg auftritt und somit kaum eine Basis für Empathie geschaffen wird. Nicht zwangsläufig muss ein Innenleben nach außen umgekrempelt werden, doch wenn Julia viel Zeit in einer Bar verbringt, zwischenzeitlich unschuldige Männer anlockt und kurz darauf umbringt, um letztlich doch zum Racheengel zu mutieren, wirkt die Sache weniger als halbgar.
Dabei ist Brown auf visueller Ebene nicht viel anzukreiden. Die fast durchweg nächtlichen Flecken in Brooklyn sind effektiv ausgeleuchtet, zuweilen kündigen diverse Farbspiele bestimmte Vorgänge an und auch der gelungene Score unterstreicht die innere Leere der Protagonistin, die von Ashley C. Williams im Übrigen recht glaubhaft verkörpert wird, zumindest soweit es das Drehbuch erlaubt.
Das Drumherum lässt jedoch keine Spannung aufkommen, da sämtliche Nebenfiguren fast schon zu Schattenwesen mutieren, die Hintergründe des dubiosen Psychologen erst im letzten Drittel gelüftet werden und die ominöse Schwesternschaft rein gar keinen Hintergrund erfährt.
In diesem Kontext erscheint es fast schon lächerlich, wie Julia durch eine gewisse Sadie erfährt, wie man sich entsprechend stylt und Männer binnen kurzer Zeit klarmacht, um diese gleich darauf umzunieten.
Die Intention mag wohlwollend gewesen sein, - die Umsetzung des Erstlings von Matthew A. Brown dürfte jedoch kaum etwas für eingefleischte Genrefans sein, obgleich es hier und da auch mal ein wenig blutiger zur Sache geht. Der ruhig erzählte Stoff mit unnötig vielen Zeitlupenaufnahmen gleicht eher einem Drama, bei dem die Rachemotive eine untergeordnete Rolle spielen und trotz ansprechender Optik am Ende eine gewisse Leere und Gleichgültigkeit überwiegt.
4 von 10