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Die New Yorker Chirurgie-Assistentin Julia (Ashley C. Williams), in ihrer Optik und Wortkargheit ein Mauerblümchen, wird zu einem Date eingeladen. Doch in der Wohnung des jungen Mannes wird ihr schummrig - sie bricht zusammen und wacht erst später in einem billigen Schlafsack am Ufer des Hudson auf. Nachdem sie gerade noch 4 Burschen davonlaufen sieht, gelingt es ihr, sich nach Hause zu schleppen. In späteren kurzen Rückblenden wird klar, daß sie mittels K.O.-Tropfen betäubt und von den Burschen vergewaltigt worden ist. Doch die stille Julia zeigt das Verbrechen nicht an, obwohl sie einen der Vergewaltiger erkannt hat. In einer Bar hört sie am Nebentisch eine Gruppe Frauen von einer neuen Therapieform für Vergewaltigungsopfer sprechen und wird schon bald von der klischeehaften Leder-Lesbe Sadie (Tahyna MacManus) in deren elitären Zirkel eingeführt. Unter der Anleitung des ominösen Therapeuten Dr. Sgundud lernen Frauen, gezielt(?) Rache zu nehmen: Opfer anlocken, kastrieren und niedermetzeln. Die emotionslose Julia findet daran schnell großen Gefallen...

Ein weiteres Rape & Revenge-Filmchen aus einer langen Reihe von Variationen des 1978er Klassikers I spit on your grave, wobei die ursächliche Vergewaltigung diesmal fast vollständig ausgeblendet und stattdessen die Reaktion des Opfers thematisiert wird. Kann der Film anfangs noch mit der Neugier auf diese neue Therapieform punkten, deren Teilnehmer sich wie ein Okkultistenverein dunkel kleiden, so läßt diese Neugier spürbar nach, als Julia sich mit Sadies Hilfe aufdackelt (Schminke, Ledermantel, Stiefel etc.) und in irgendwelchen Bars wahllos Typen anbaggert, die sie dann, falls diese Interesse zeigen, niedermacht. Enttäuschend ist dabei, daß die gezeigten Männer samt und sonders entweder testosterongetriebene Burschen oder sonstwie belanglose Figuren sind, von denen keiner irgendein Profil hat. Gemäß dem unterschwellig transportierten Motto "Alle Männer sind Abschaum" müssen dann auch Unschuldige dran glauben: Männer, die einfach nur das tun, was man in Clubs und Bars tut, nämlich nach interessant anmutenden Frauen Ausschau zu halten.

Damit die blutige Rache nicht allzusehr ausufert, läßt Dr. Sgundud seinen Schützlingen gegenüber auch mal den Satz fallen, daß man das Ganze nicht zu persönlich nehmen soll - so als ob die Aufarbeitung einer Vergewaltigung nicht zum Persönlichsten gehört, was einem Menschen widerfahren kann. Aus diesem unverständlichen Therapie-Konzept heraus generiert das Drehbuch dann einen Zwist zwischen der dominant auftretenden Sadie (die Julia in einer Duschszene auch körperlich nahe gekommen ist) und dem immer noch weitgehend emotionslos agierenden Vergewaltigungsopfer, das keinerlei Befriedigung über seine Rachetaten zu empfinden scheint, diese aber mittlerweile auf eigene Faust unternimmt, statt sich wie vereinbart mit Sadie (und damit der Gruppe) abzusprechen.

Was Julia - Blutige Rache deutlich von anderen Filmchen dieses Genres unterscheidet, ist der weitgehende (aber nicht gänzliche) Verzicht auf explizite Szenen, stattdessen beweist Regisseur und Drehbuchautor Matthew A. Brown ein Händchen für schicke Inszenierungen und läßt seine Darstellerinnen - bestens ausgeleuchtet - zu flotten Beats durchs nächtliche New York stolzieren. Wie die lederbemantelte Julia im gleißenden Gegenlicht eine Treppe hinabsteigt, in (öfters verwendeter) Zeitlupe einen Mann niedermetzelt oder die Regie lange Passagen mit nichts anderem als nur den großformatig eingefangenen überschminkten Gesichtern seiner Protagonisten einschiebt - selbstverständlich stets mit einem passenden Score unterlegt - ist als gekonnt stylish zu bezeichnen - nur leider hat dies mit einem Rachefilmchen an sich nichts zu tun. Zwar ist Julia - Blutige Rache allein von der Machart her hochwertiger als beispielsweise der 2010er Torture-Porn I Spit on Your Grave, aber die wirre, weitgehend spannunsfreie Story um eher austauschbare Charaktäre, die einem schnell vollkommen egal werden, kann inhaltlich zu keiner Zeit überzeugen. 2,49 Punkte.

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