Meerjungfrauen bluten besser
„Guinea Pig 6“ schließt das Franchise und den Kreis - und ist mein mit Abstand favorisierter Teil der absurden, freakigen und oft auch ziemlich abstrusen, abartigen Reihe (in der zugegebenermaßen auch viel Schrott zu finden ist). In einer fast schon poetischen Collage aus Blut, Schweiß, Talg, Farbe, Schleim und Tränen findet ein niedergeschlagener, alleinstehender Mann und Maler in der Kanalisation eine kränkelnde Meerjungfrau. Bald schon wuchert ihr Krebsgeschwür am Bauch den kompletten Torso hoch und er nimmt das magische Geschöpf mit in die Badewanne seiner Wohnung - und fängt an sie zu malen. Mit dem Eiter und dem Blut, das aus ihren Pusteln, Wunden und Geschwüren dringt... ! ! !
Wow! Das ist mal ein Ding, dass der sechste Teil der Reihe so klar mein Liebling ist. Das soll nicht heißen, dass ich Hideshi Hinos Werk in den Himmel loben, jedem empfehlen und als einen wirklich guten Film reviewen kann - aber er hat definitiv eine besondere, künstlerisch wertvolle Aura, die allen seinen Vorgängern abgeht. Natürlich haben auch die ersten beiden „Meerschweinchen“ ihre Daseinsberechtigung und können noch immer unangenehm schocken. Und manchen mag auch der hyperaktive Humor der mittleren Teile der Reihe munden. Aber „Mermaid In The Manhole“ ist tragisch, eklig, dunkel. Sehr menschelnd und schweißtreibend. Einfach eine gute Mischung und mit recht auch von der Laufzeit das Flaggschiff der Reihe. Während die anderen Teile oft eher um die 40 Minuten gehen, durchbricht „Mermaid“ fast die Stundenmarke - und das stört einen definitiv nicht. Die ambivalente Auflösung ist das i-Tüpfelchen, die platzenden Krebsgeschwüre sind unfassbar pfui, die Gemälde dagegen unfassbar hübsch. Die leidende Kreatur weckt Mitleid, der Humor wird endlich wieder komplett gedimmt, alles wird überstrahlt und durchdrungen von einer tiefen Traurigkeit. Immer noch ohne Frage „Special Interest“. Aber mit viel Mehrwert - wenn man es denn wagt in dieses trübe Abwasser zu tauchen...
Hier noch mein Franchise-Ranking/die Bewertungen dieses berühmt-berüchtigten Untergrund-Kults auf einen Blick:
GUINEA PIG: Devil's Experiment - 4,5/10
GUINEA PIG 2: Flowers of Flesh and Blood - 4/10
GUINEA PIG 3: He Never Dies - 3,5/10
GUINEA PIG 4: Devil Woman Doctor - 3,5/10
GUINEA PIG 5: Android of Notre Dame - 4/10
GUINEA PIG 6: Mermaid in the Manhole - 6,5/10
6-1-2-5-4-3
Fazit: mit Abstand der beste, künstlerischste „Guinea Pig“. Nicht so brutal und „echt“ wie Teil 1, nicht so „lustig“ und comicartig wie manch ein Sequel - aber als Gesamtpaket am wertvollsten, morbidesten und grausamsten. Kunst trifft Ekel, Schleim trifft Schönheit, Malerei trifft Innerei. Fies und frei. Ein Matschmärchen. Underground und Eleganz. Tragisch, traurig, triefend. The Gore of Water.