Review
von Alex Kiensch
Ein Maler findet eines Tages eine Meerjungfrau im Abwasserkanal nahe seines Hauses. Um sie pflegen und malen zu können, nimmt er sie mit nach Hause und setzt sie in die Wanne. Hier jedoch bedeckt sich ihr Körper nach und nach mit blutigen Ekzemen, die aufbrechen und Unmengen an Würmern freisetzen. Langsam und qualvoll zersetzt sich die Meerjungfrau bei lebendigem Leibe.
Der abschließende Teil der "Guinea Pig"-Reihe (danach kamen nur noch ein Best-of und zwei Making-ofs) setzt wie schon der fünfte Film auf düstere Atmosphäre und herbe Ekeleffekte. Die marginale Story, die immerhin am Ende eine garstige Überraschung parat hält, und die dilettantischen Schauspieler bleiben zwar ebenso wie die Schlichtheit der Kulissen dem Billigfilm-Anspruch der Reihe treu, dennoch setzt der sechste Teil ein letztes, sehr finsteres Glanzlicht.
Das liegt vor allem an der formal starken Umsetzung des Horrorfeelings. Schon die ersten Bilder von weggeworfenen Gegenständen, die im Wasser der Kanalisation schwimmen, erzeugen ein starkes Gefühl des Bizarren und Bedrohlichen. Verbunden mit düsterer, nur hintergründig eingesetzter Musik und surrealen Lichteffekten, die viele Szenen in künstliches grünes Licht tauchen, entsteht so die intensive Atmosphäre eines schrecklichen Albtraums. Dazu passt dann auch die Hilflosigkeit des Malers, der tatenlos mit ansehen muss, wie die geliebte Meerjungfrau sich in blutig-schleimigen Fäden zersetzt.
Diese beängstigende Inszenierung wird von den superben Ekeleffekten noch unterstützt. Auch wenn die Ekzeme manchmal als Ganzkörpermaske erkennbar sind und auch die eine oder andere Zeitlupe eher unfreiwillig komisch wirkt, sind die nicht enden wollenden Szenen, in denen die Tumore aufbrechen und Blut, Schleim oder unzählige Würmer aus ihnen hervorquellen, kaum zu ertragen. Grünes Licht und die Farbe Rot dominieren viele Einstellungen, was ein mehr als flaues Gefühl im Magen erzeugt. In grausigen Großaufnahmen zelebriert "Guinea Pig: Mermaid in the manhole" die Dekonstruktion des menschlichen Körpers bis hin zur völligen Auflösung und Zerstörung. Hier wird das japanische Trauma entstellter Körperlichkeit durch die Atombombenabwürfe besonders deutlich symbolisiert (auch wenn die gesamte Reihe eben dieses Trauma, die Veränderung und Zerstörung des Körpers, mitunter durch Wissenschaft, wie in Teil fünf, zur Grundlage hatte) und verleiht dem krassen Ekel, der in aller Ausführlichkeit dargestellt wird, eine gewisse metaphorische Tiefe. So gibt dieser Extremfilm, ebenso wie die gesamte Reihe, einen interessanten Einblick in gesellschaftliche Urängste Japans.
Das alles ist wirklich widerlich und wird in kaum erträglichem Maße ausgeführt - hier sollte man einen starken Magen haben. Im Vergleich zu den meisten Vorgängern beeindruckt "Guinea Pig: Mermaid in the manhole" aber mit wesentlich überzeugenderen Effekten, einer runden, extrem düsteren Atmosphäre und einem Gesamteindruck, der deutlich professioneller wirkt als früher. Der Höhepunkt der Reihe bleibt für mich zwar weiterhin "Guinea Pig: Flowers of Flesh and Blood", aber wer sich vor krassen Ekeleffekten nicht fürchtet, kann auch ruhig hier einen Blick riskieren.