Review

Zum Abschied nochmal Hideo Hino. Wobei das mit dem Abschied ja eventuell schon einige Episoden her sein könnte, da die Reihenfolge der Filme ja scheinbar nach Quelle alterniert. Jedenfalls habe ich jetzt endlich alle Filme der Serie durch und das Gefühl, außerhalb der handwerklichen Aspekte nichts verpasst zu haben.

Wobei: so ganz fair ist das "Mermaid in a Manhole" aka "Das ist jetzt Kunst Teil 2 - Jetzt wird noch mehr gekünstelt!" auch nicht so ganz gerecht, dazu ist tatsächlich das Drehbuch - Jawohl, das Drehbuch! - so kurz es auch sein mag in Teilen zu interessant. Und wenn der Film nicht gerade mit dem Aufplatzen - schneiden von Geschwüren beschäftigt ist weiß er auch durchaus, optisch anzusprechen. Jenseits von Goreleben versteht sich. 

In Hinos Rückkehr zur Reihe(und deren Ende) folgen wir dem Schicksal eines depressiven Kunstlehrers, der seit dem Tod seiner Frau bevorzugt in der Kanalisation seines Heimatortes nach Inspiration sucht, diese in Form von Wohlstandsmüll, ertrunkenen Tieren und toten Barbies ans Ufer zieht und dort zur Weiterverarbeitung im heimischen Atelier skizziert. Gelegentlich philosophiert er dabei über die Vergänglichkeit allen Glückes und findet in den Abwässern ab und an töte Haustiere aus Kindertagen sowie eine im Sterben liegende Meerjungfrau, die sich ein Toten portrait von ihm wünscht 

Die Farben, die er dazu nutzen soll, entnimmt der Künstler auf deren Wunsch nach einem schnellen Tod hin den aufplatzenden Fleischknochen am Leib seines Modells, bis das Portrait vollendet und Maler sowie Muße am Ende sind, der eine mental, die andere körperlich. Dem Zuschauer am Ende noch einen fiesen Twist in die Fresse zu knallen kann Hino sich dann trotzdem nicht ersparen. 

Davon ausgehend, dass die gezeigten Bilder tatsächlich Werke Homos sind muss ich sagen: Hut ab. Wenn man die bunte Splattersuppe hier und da etwas verdünnt und das angekratzte Psychogramm des Künstlers ein wenig tiefer ausgestaltet hätte wäre "Mermaid in a Manhole" glatt ein böses Märchen über Trauerverarbeitung und psychische Kernschmelze im japanischen Lehramt geworden. Ob Hino das beabsichtigte bezweifle ich, aber das Potenzial dazu ist erkennbar. 

Auch als jemand mit geringfügiger Gamingerfahrung erinnerte mich das Ganze doch glatt an den zweiten Ableger der "Silent Hill" - Reihe, der weniger graphisch, aber psychologisch tiefer auf derartige Themen eingeht. Hat sich da wer inspirieren lassen? Wer weiß...

Das einzige, wozu der Film hier inspirierte war, wie bei allen anderen Teilen der Reihe, das Aufsetzen eines Inditierungsantrages. Verständlich. Wobei ich das in dem Fall nur halb unterschreiben kann. 

Fazit:"Das ist Kunst und kann trotzdem weg." Bei aller Liebe, das brauche ich kein weiteres Mal. Für die Gesamtreihe sei gesagt, dass dieser Teil hier noch einer der schauenswerteren Beiträge wäre, wenn das Gezeigte einem nicht den Lebtag lang den Appetit auf Fisch oder erotischen Kontakt mit Meerjungfrauen verderben würde. Wobei ich letzteres eh nicht verstehen kann: sorry Leute, kein Mermaidingfan. 

Den hier, den lustigen Selbstmörder oder die Teufelsärztin aus dem Pulverfass, den Rest der Reihe kann man sich gepflegt an den Hut nageln und selbst der hier ist mit Vorsicht zu genießen. Am besten hält man dazu Sake bereit und verzichtet auf' Sushi. Letzteres tendenziell für immer. 



Details
Ähnliche Filme