Ein Verkehrsstau vor den Toren von Niederkaltenkirchen, ein vom Himmel fallender Schuttcontainer und ein riesiger Matschfleck auf dem Asphalt – schon darf's weitergehen im süddeutschen Mikrokosmos aus der Feder von Rita Falk. Und die hat noch jede Menge bayerische Spezialitäten im Füller.
Was dem Dänen sein Carl Mørck, das wird nun jedenfalls des Deutschen Franz Eberhofer. Auch wenn sich die Romanreihen von Jussi Adler-Olsen und Falk tonal stark unterscheiden, ihre Verfilmungen gingen im gleichen Jahr in Serie und sind beide jeweils noch in Produktion. Nikolaj Lie Kaas frönt als Spezialermittler Mørck ebenso wie Sebastian Bezzel als Polizist Eberhofer der Skepsis gegenüber seinen Mitmenschen, und beide haben einen Partner an ihrer Seite, der sie immer wieder aus der Scheiße reitet. Auch würden sie ihre jeweilige Provinz als ihr Haupteinsatzgebiet bezeichnen. Wo Mørck sich aber durchgestylte Edelthriller zu kämpfen hat und meist gegen die Zeit kämpft, da macht sich Eberhofer erst mal ein Leberkäsbrötchen mit Senf.
Die Identität der deutschen Reihe bildet sich über eine abwechslungsreiche deutsche Küche aus Omas Rezeptbuch (still und heimlich ausgetauscht: Enzi Fuchs ersetzt Ilse Neubauer als „Oma“), über idyllische Ansichten der leeren Straßen des Kaffs und über die skurrilen Gestalten, die Eberhofer seine Bekannten nennt. Wird ein neuer Fall der Woche in den toten Ort gejagt, dann nur des Vergnügens wegen, sie alle wie einen aufgescheuchten Hühnerhaufen in die Luft springen zu sehen.
Es ist aber die Routine, die den Genuss dieser ersten Fortsetzung namens „Winterkartoffelknödel“ ausmacht, nicht etwa die neuen Zutaten. Im Gegenteil; Jeanette Hain spielt die Femme Fatale öde und überraschungslos, wie etwas, das man in einer Bully-Herbig-Klamotte besetzen würde. Und nicht nur das, eine Figur wie Flötzinger (Daniel Christensen) versetzt sie genug in Wallung, dass es zu einer jener peinlichen Szenen kommt, die man nach entsprechenden Andeutungen im ersten Teil befürchtet hat, aber hoffte, sie erspart zu bekommen: Eine schräge Gesangseinlage im Alkoholdunst, die vielleicht ein breiteres, dafür aber weniger erlesenes Publikum abzuholen vermag – was wohl auch auf einen Hund zutreffen muss, der im Auto mit CGI-Unterstützung zum Radio im Takt nickt. Mit einem Zwischenstopp auf Teneriffa wird früher als gedacht schon die Karte ausgespielt, den Provinzmief einmal auszulüften und Abwechslung einzubringen. Eigentlich handelt man sich damit aber nur einen Bruch der urigen Stimmung ein.
Gut, dass wir bei all dem neuen Kram den Eberhofer noch haben. Selbst wenn er sich von Hain laut Drehbuch verführen lassen muss, spielt Sebastian Bezzel seinen Stiefel so unbeeindruckt runter, als fülle er ein Formular aus. Aus seiner Lethargie heraus funktionieren sogar spontane Anwandlungen von totaler Abgeklärtheit, die selbst einen ausgebufften Kriminellen mit Springmesser auf dem falschen Fuß erwischt. Simon Schwarz bekommt als Sidekick Rudi erwartungsgemäß mehr Screentime, die er standesgemäß nutzt, und das Verhältnis zu Ex-Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) wird nochmals verkompliziert, denn so sind's halt, die Frau'n.
Ja, die Eberhofer-Krimis taugen zur Serie, nicht zuletzt dank des famosen Hauptdarstellers. Ed Herzog sollte allerdings Acht geben, dass er die Andeutungen von Ballermann-Humor im Zaum hält und sich weiter auf das urige Treiben im Nirgendwo konzentriert. Da ist dann auch mal ein bisschen Purismus erlaubt.