Jennifer Lawrence spielt zum dritten Mal die junge Katniss Everdeen, die vom Widerstand in den 13. District gebracht wurde, von wo aus sie als Gesicht der Revolution an verschiedenen Propagandaaktionen gegen die Regierung teilnehmen soll. Nachdem ihr Freund Peeta, gespielt von Josh Hutcherson, dem Präsidenten Snow, gespielt von Donald Sutherland, in die Hände gefallen war, muss sie nun auch noch feststellen, dass ihre Heimat, der 12. Distrikt, in Schutt und Asche gelegt wurde. Dennoch nimmt sie an einigen Aktionen des Widerstands teil, muss aber schnell feststellen, dass darauf die Gegenreaktionen der Regierung folgen.
Bestsellerverfilmungen haben den Vorteil, dass man sich der Eintrittsgelder großer Teile der Leserschaft einigermaßen sicher sein kann, aber den Nachteil, dass jede Reihe irgendwann ihren Abschluss findet und dann auch der Geldregen ein Ende nimmt. Deshalb werden einzelne Bücher zunehmend in gleich mehrere Filme geteilt, die dann zusammen gedreht bei vergleichsweise niedrigen Produktionskosten noch größere Gewinne in Aussicht stellen. Das kann durchaus funktionieren, etwa bei der Aufteilung des dritten „Game of Thrones“-Bandes „A Storm of Swords“ auf gleich zwei Serienstaffeln und auch beim 7. „Harry Potter“ ging die Teilung zumindest nicht mit einem Qualitätsverlust einher. Dem „Hobbit“ nahm die Aufteilung auf gleich drei Filme dagegen stellenweise den Wind aus den Segeln, wenngleich Peter Jackson dennoch gute Filme gelungen sind. Mit „Mockingjay Teil 1“ erreicht die Aufteilung der Buchvorlagen allerdings nun einen neuen Tiefpunkt, der weit hinter dem hervorragenden ersten Teil und dem insgesamt gelungenen zweiten Teil zurückbleibt.
In den Kritiken wurde „Mockingjay Teil 1“ teilweise als ein Trailer für das große Finale bezeichnet. Aber auch das ist der Film nur bedingt, denn wirklich Lust auf den weiteren Verlauf der Revolution macht er nicht, selbst als Appetizer funktioniert das Ganze leider kaum. Das liegt letztlich vor allem daran, dass die Handlung kaum vorankommt, die Ausgangssituation ist nach Ende des Films fast die gleiche wie zu Beginn, es passiert in zwei Stunden weniger als in einzelnen Episoden besserer Serien. Während der Plot also über weite Strecken auf der Stelle tritt wird zumindest inhaltlich ein bisschen was geboten. Der Kampf um Symbole, der Propagandakrieg, der dem tatsächlichen Krieg vorausgeht, wird immer wieder vertieft, die Kraft von Bildern, die die Menschen im Kampf gegen den Präsidenten einen sollen, immer wieder thematisiert, stellenweise aber auch etwas überhöht. Zwar sind die Propagandavideos der Rebellen sehr pathetisch und überstilisiert, die Nachrichtenpolitik der Regierung mindestens ebenso einseitig und durchschaubar, sie finden aber in der realen Welt durchaus ihre Parallelen, wenn man etwa bedenkt, was die Staatsmedien des Kremls so tagtäglich vermelden. Hier ist „Mockingjay Teil 1“, wie schon die Vorgängerfilme, stellenweise durchaus kritisch und vielschichtig, zeigt Ansätze einer Polit- und Mediensatire.
Aber die wenigen guten Ansätze werden größtenteils überdeckt von unnötigen Dialogen und den Versuchen, die innere Zerrissenheit der Protagonistin zu thematisieren. Auf der einen Seite weiß sie, wie grausam das Regime agiert und will ihren Beitrag leisten, um dieses zu stürzen, andererseits kann sie es aber nicht ertragen, dass ihr Freund Peeta als Marionette des Präsidenten, als Druckmittel gegen sie eingesetzt wird. Dies führt aber weniger dazu, dass „Mockingjay Teil 1“ emotional mitreißend gerät, sondern vielmehr dazu, dass die bisher starke, sympathische Heldin zunehmend weinerlich erscheint, stellenweise regelrecht zu nerven beginnt. Zudem bleibt Regisseur Francis Lawrence, der bereits den vorherigen Teil „Catching Fire“, aber auch „Constantine“ und „I Am Legend“ verfilmte, nichts anderes übrig, als die Laufzeit von zwei Stunden gelegentlich mit Banalitäten zu füllen, da ihm ja lediglich ein halbes Buch zur Verfügung stand. Da sich der Film sehr ernst nimmt und auf Humor verzichtet und auch die Actionszenen mehr als rar gesät sind, bleibt der Unterhaltungswert so auf eher mäßigem Niveau, wenngleich handwerklich eigentlich solide Arbeit geleistet wird. Selbiges gilt auch für den mittlerweile enorm prominent besetzten Cast, in dem neben der mittlerweile Oscar-prämierten Jennifer Lawrence einige jüngere, aber durchaus überzeugende Darsteller neben Charaktergrößen wie Woody Harrelson, dem kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Jeffrey Wright, Donald Sutherland und Stanley Tucci agieren. Erst am Ende, wenn der Widerstand angegriffen wird und die Befreiungsaktion von Peeta und anderen Tributen anläuft, nimmt der Film an Fahrt auf, erzeugt eine gespannte Atmosphäre und weckt die Hoffnung, dass der letzte Teil besser werden könnte.
Fazit:
„Mockingjay Teil 1“ sollte wohl ein großes Luftholen vor dem fulminanten Finale werden, herausgekommen ist aber vielmehr ein laues Lüftchen, zum Ende hin vielleicht eine steife Brise. Da inhaltlich wenig passiert, hält man sich immer mal wieder mit Banalitäten auf, die eher mäßig unterhalten. Der Propagandakrieg, der dem tatsächlichen vorausgeht, beinhaltet immerhin einige kritische Ansätze, wobei das Geschehen zumindest zum Ende hin ein wenig an Fahrt aufnimmt und Lust auf den letzten Teil macht. Manche Bücher teilt man dennoch besser nicht.
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