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"Zwei Bots treten an, ein Bot tritt ab."

Der Jugendliche Hiro Hamada vertreibt seine Freizeit mit zwielichtigen Roboterkämpfen. Sein großer Bruder Tadashi sieht darin das Talent der Robotik von Hiro verschwendet. Nach einem Ausflug in die Universität ist Hiro so begeistert von dem selbst konstruierten Gesundheitsassistenten Baymax seines Bruders sowie weiteren Robotern von anderen Studenten, dass er ebenfalls unbedingt an die Universität möchte.
Bei einer Präsentation von Hiro's Microbots erringt er die Aufmerksamkeit von Professor Callaghan sowie dem Geschäftsmann Alistair Krei. Krei ist direkt angetan von Hiro's Schwarm aus kleinen Robotern, die beliebige Formen annehmen und somit Fortbewegung und Konstruktion revolutionieren könnten. Verkaufen möchte Hiro seine Erfindung auf den Rat von Professor Callaghan allerdings nicht.
Noch am Abend selbst bricht ein Feuer im Universitätsgebäude aus, welches Professor Callaghan und Tadashi in den Tod reißt. Hiro ist niedergeschlagen und verwirft seine Pläne mit der Universität. Versehentlich aktiviert er Baymax, der sofort versucht das Leid von Hiro zu lindern. Ein einzelner Microbot bringt Hiro und Baymax auf die Fährte von einem maskierten Mann, der viele weitere Microbots produziert hat und die ganze Stadt bedroht.

"Baymax - Riesiges Robowabohu" ist ganz offensichtlich ein Gemeinschaftsprojekt von Marvel und Disney. Der sich langsam entwickelnde Superhelden-Animationsfilm basiert auf der eher unbekannten Marvel-Comic-Reihe Big Hero 6. Disney unterzieht dessen Figuren einer kompletten Neuausrichtung und macht sie familientauglich. Verweichlichung der Charaktere kann man Disney durchaus vorwerfen. Das animierte Abenteuer erweist sich allerdings als durchaus ernst und facettenreich.

Der Einstieg ist ungewohnt. "Baymax" befasst sich zunächst nicht mit seinem titelgebenden Helden sondern den Figuren drumherum. Zu Beginn steht die enge aber nicht unproblematische Beziehung der beiden Brüder im Mittelpunkt. Dies formt die Charaktere und bringt genug Emotion mit sich, um nach dem überraschenden Bruch nach ca. 20 Minuten Laufzeit die Handlung in eine andere Richtung zu leiten.
Ab dann nähert sich der Animationsfilm immer mehr dem Superhelden-Genre an. Tempo und Witz steigern sich, Einflüsse aus "Die Unglaublichen" und dem gesamten Marvel-Universum werden besser erkennbar. Dennoch nimmt sich "Baymax" Zeit, die relevanten Figuren mit Ecken und Kanten zu versehen.

Ganz erstaunlich bindet der Animationsfilm unterschwellig Themen um Tod, emotionalen Schmerz und Rache ein. Das jüngere Publikum übersieht diese schwermütigen Themen, Dank leichtfertigem Umgang damit. Erwachsene erfreuen sich dagegen über die Denkanstöße.

Der titelgebende Protagonist bildet das Zentrum für den Humor. Einige gelungene Slapstick-Sequenzen sowie Wortspielereien ermuntern zum herzhaften lachen. "Baymax" versucht dabei Groß und Klein gleichermaßen zu erheitern.
Bei den Action-Szenen gelingt dies nicht. Diese erweisen sich zwar als furios, aber einzig kindgerecht. Abgesehen vom Finale finden sich somit keine dramaturgischen Höhen. Und Disney's obligatorische konform ein unbedingtes Happy-End zu erzwingen, drückt sich auch hier durch.

Durch annähernd fotorealistische Bilder der fiktiven Stadt San Fransoyko, ist "Baymax" ein richtiges Wunderwerk der Technik. Die amerikanischen und japanischen Einflüsse sind ebenso gelungen, wie Bilder der Golden Gate Bridge oder anderen städtischen Wahrzeichen. Die nicht lebensnahen, comichaften Figuren wirken dagegen schon beinahe wie künstliches Beiwerk.

Trotz einer konstruierten Erzählweise, Schwächen in der Action sowie einem inkonsequenten Ende, muss man "Baymax - Riesiges Robowabohu" die gelungene Mischung aus Ernsthaftigkeit und unterhaltsamen Popkornkino zugestehen. Die wichtigsten Figuren sind sehr transparent, die Animation sehr liebevoll. Der Humor findet ein ausgewogenes Maß für die ganze Familie und die anspruchsvollen Themen werden angemessen behandelt. Wenn sich Disney für offenere Geschichten öffnen würde, könnten sich die als Meisterwerke bezeichneten Filme auch endlich einmal wieder als solche erweisen.

9 / 10

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