kurz angerissen*
Eine US-Produktion, die zur Hälfte japanische Kultur einfließen lässt und seine fiktive Hi-Tech-Glasbaumetropole unverhohlen „San Fransokyo“ tauft, traf ihre Designentscheidungen dieser Tage sicherlich auch aus kommerziellen Beweggründen. Dabei entsprechen die allseits beliebten „Minions“ einer typisch japanischen Niedlichkeitsästhetik eigentlich eher; „Baymax“ ist trotz kindgerechter Charaktere sichtbar darum bemüht, eine Portion Ernst und viel Herz in den Plot zu bringen, wenn auch wieder nicht die Tiefe der einstmaligen Pixar-Hochphase erreicht wird.
Die Welt, in der die Disney-Produktion spielt, ist eine Near-Future-Welt. Sie befasst sich mit realitätsnaher Science Fiction, was den Animatoren ein ums andere Mal die Gelegenheit gibt, bei der Inszenierung von Actionsequenzen zu glänzen, etwa bei der „Bullitt“ streifenden Verfolgungsjagd durch die engen, bergigen Straßen San Fransokyos, aber auch bei der inzwischen zur Perfektion getriebenen Darstellung von Putzigkeit ihrem Wesen nach lebloser Charaktere. So verhält sich Baymax zu Wall-E wie der T-1000 zum T-800, er ist das multifunktionale, moderne Upgrade eines charmanten Schrotthaufens, weiterentwickelt allerdings nicht zum Töten, sondern zum Liebhaben. Auch die junge Hauptfigur ist mit ihren Visual-Kei-Merkmalen das Resultat der Berechnung maximaler Zugänglichkeit, die stachelköpfige Unschuld in Person.
Man kann einen derart gestalteten Film nun in höchsten Tönen loben, ihm mit Skepsis zu begegnen ist aber ebenso gerechtfertigt. Denn „Big Hero 6“, so sein bürgerlicher Name, kann ebenso wenig von der reflexiven Superheldenthematik ab wie andere Filme, in denen jemand über sich hinauswachsen muss. In vielerlei Hinsicht liefert er einfach nur das, was auf dem Markt gerade funktioniert. Richtige Substanz gelingt auf diese Weise trotz makelloser Machart nicht.
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