Review

Als in der Sneak "brasilianisches Independent-Kino" angekündigt wurde, hielt sich meine Begeisterung durchaus in Grenzen. Aber frau lässt sich ja gern immer wieder eines Besseren belehren! Ein Thriller soll "Trash" sein - das ist er auch: und dazu noch spannender, vielseitiger sowie um einiges interessanter als so manch anderes Machwerk, das sich diesem Genre zuordnen lässt. Gleichzeitig ist "Trash" aber noch mehr, etwa ein oft realitätsnahes Drama, das ein Brasilien jenseits von Fußball-WM-Glamour und Zuckerhut-Spaß zeigt.

Der Film erzählt die Geschichte eines Regimekritikers, der einem einflussreichen Politiker sehr nahe kommt und diesem gefährlich wird. Seinen "Einsatz" bezahlt er mit dem Tod. Noch rechtzeitig, bevor er das Zeitliche segnet, kann er eine Brieftasche mit entscheidenden Hinweisen auf die Machenschaften seines ehemaligen Arbeitgebers "wegwerfen" - sie landet auf einem Müllauto und schließlich auf einer Halde mitten in einer Favela, wo sie Gardo, einem minderjährigen Jungen, in die Hände fällt. Dieser erzählt seinen Freunden Raphael und Ratte von seinem Fund und alle drei sind ab diesem Zeitpunkt ihres Lebens nicht mehr sicher. Unterstützung erhalten sie von Pater Juilliard (Martin Sheen), einem vom oft desillusionierenden Alltag zwischen den Armen und Rechtlosen gezeichneten Alkoholiker, sowie von Olivia (Rooney Mara), einer NGO-Aktivistin (die noch nicht ganz so desillusioniert ist wie der Pater).
Die knapp zwei Stunden Laufzeit vergehen wie im Flug, ich war die ganze Zeit über gebannt von der an Tempo nicht nachlassenden Handlung, man fühlt mit den Protagonisten und wartet gespannt auf die Auflösung. Selbige bietet sicher Anlass für Diskussionen und passt nicht jedem - mir hat sie ausgesprochen gut gefallen. Aber bitte, das darf wie immer jeder selbst entscheiden - Voraussetzung ist nur, dass man ins Kino geht, was ich hiermit wärmstens empfehlen möchte!

Fazit: "Trash" mag nicht an die Radikalität und Konsequenz anderer Filme mit diesem Hintergrund (wie etwa "City of God") heranreichen. Das muss er aus meiner Sicht aber auch nicht, da der Film nicht den Anspruch erhebt, ein knallhartes Reality-Movie zu sein. Seine Wirkung verfehlt er aber dennoch nicht.

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