Nach dem Erfolg von KL Gangster, der 2011 sowohl die Rekorde an den einheimischen Kinokassen noch eine Riege nach oben schob als auch trotz Protesten seitens der Zensurbehörde mit mehreren Preisen beim u.a. Malaysian Film Festival ausgezeichnet wurde, war das Prequel rasch beschlossene Sache und bereits wenige Wochen nach Fertigstellung des Originals im Dreh. Der Gang nach vorne statt die Weiterführung ist dabei ausnahmsweise der tatsächlich interessantere Kniff, werden die schillernden Figuren der Geschichte nicht nur behalten, sondern auch ergänzt und um Optionen in der Konstellation potenziert statt limitiert. Zudem beruft man sich in dem originären Werk schon mehrmals auf die Ereignisse zuvor, die nun bebildert und materiell in ausführlichen Augenschein genommen werden. Eine Ausweitung auf Einstmaliges, Jetzigem und Zukünftigem, die der Gangsterplotte mit Martial Arts Allüren tatsächlich mehr Gewicht beifügt als der Film inhaltlich eigentlich verdient:
Kuala Lumpur, Malaysia.
Um seinen jüngeren und in die Unterwelt abgerutschten Bruder Jai [ Ady Putra ] zu schützen und auch um Geld für eine Operation seiner Mutter heranzuschaffen, lässt sich der kampferfahrene Malek [ Aaron Aziz ] als schlagkräftige Verstärkung für den Gangsterboss King [ Ridzuan Hashim ] anheuern. Dabei gerät er schnell mit dessen Stiefsohn Shark [ Syamsul Yusof ] zusammen, der seine Position als rechte Hand und Nachfolger bedrängt sieht, sowie mit dem konkurrierenden Dragon [ Corrie Lee ], der ebenfalls jegliche Änderungen in der bestehenden Hierarchie und Machtverteilung mit Argwohn betrachtet. Zusätzlich werden die bestehenden Verhältnisse in Aufruhr gebracht, als mit Tailong [ Rosyam Nor ] ein neuer Mann am Horizont auftaucht, der den gesamten Kuchen für sich haben will, keinerlei Skrupel kennt und sich nach diversen Beseitigungen von Hindernissen auch mit Gewalt an Zeti [ Sheera Iskandar ], der kleinen Schwester von Malek und Jai heranmacht.
Im Gegensatz zum bisherigen Geschehen wird hier noch einmal die Schippe an Kompilationen, Konfrontationen, und Aggregation noch einmal erhöht, tatsächlich ein Epos bestrebt, wenn auch nur von der Ausdauer der Geschichte, die zusätzlich über eine halbe Stunde Laufzeit mehr in Anspruch nimmt und der Wahl der Themen selber erreicht. Orientieren tut man sich abermals sichtlich beim früheren Hongkong - Kino und deren Ausschweifungen gerade im Heroic Bloodshed - Milieu, wobei man nun den schlagfertigen Gestus des reinen Actionfilmes mit diesen Grundzügen noch die Palette des allausbrechenden Gangsterkrieges, das Konsortium von natürlicher und selbstgewählter Blutsbrüderschaft und der Familie von Geburt an und der im Streben um die Macht nachträglich anreicht.
Wie auch bei den anderen Arbeiten vom noch jungen, gerade dreißigjährigen Regisseur Syamsul Yusof, der seit 2007 aktiv auch ebenso erfolgreich in unterschiedlichen Genres ist, wird sich hier auffällig an anderen Einflüssen informiert und auch so instruiert. Bekannt geworden einst durch die prägnanten ripoffs Evolusi KL Drift samt Fortsetzung, die den westlichen Markt schröpfte und auf die Heimat übertrug, wird sich hier nun abermals an Traditionen geklammert, die im Grunde nicht die eigenen sind, aber so umgewertet werden und der wenig eigenständigen Behandlung auch widerstehen. Ein Übertrag von Schema und Klischee, welche im Grunde eine gängige Kultur, dafür aber wenig bis gar kein spezielles landestypisches Flair besitzt; eine Fassade bis hin zur Pose, die allerdings von den Filmemachern selber erkannt und popmedial auch angesprochen bis sich verhalten darüber lustig gemacht wird. Denn trotz aller Ernsthaftigkeit, die hier schon angestrebt wird und vorherrscht, und des Ausmaßes der Gewalt, die noch einmal sehr zur Unfreude der PEKIDA Foundation, der muslimischen Missionars- und Fürsorgeorganisation "Pertubuhan Kebajikan dan Dakwah Islamiah Malaysia" gesteigert wird, weiß man wohl selber um die Naivitäten und gleichzeitig Ikonographien, mit denen man spielt und die man theoretisch eigentlich nur nachspielt.
So stehen nicht nur Parodien anderer Filmgesellschaften, sondern auch ein spin-off namens Abang Long Fadil (2014) und dies als Actionkomödie, als überdrehte Fantasie eines der Nebenfiguren hier bereit, der sich tagträumerisch und angeberisch als Held ersehnt und sich mangels Alternativen in der Realität seine eigene Gedankenwelt als Heroe erschafft. Hier wie dort wird name-dropping betrieben, die Nachahmung gesucht und gefunden und aus dem Abarbeiten von Bekannten eine fremd bleibende Identität, wie eine kurze Verkleidung nur erwählt.
Trotz der Vergrößerung des Geschehens vor allem im Bereich der Figuren, nur selten denen der Schauplätze und auch nicht wirklich der Erleuchtungen und Impulse, erreicht man für die fast zwei Stunden der Charade doch sein schmückendes Beiwerk aus vielerlei Schablonen, mehreren Aggressionen und dem gewissen schäbigen Unterhaltungswert. Man bleibt auf der Ebene des B-Filmes, gerade nach westlichen Augen und Geschmack unzweifelhaft stecken, sieht in seiner eher unscharfen, seltsam plastinen Optik und der überbunten Gestaltung auch wie mehrere Jahre älter als tatsächlich produziert aus und verhält sich immer wie ein gockelnder Pfau. Wie gehabt und immer noch nicht daran gewöhnt wird bei Yusof gerade im Bereich der Didaktik, der Monologe und Dialoge immer sofort und von Beginn an und so andauernd auf Angriff gegangen, die Personen sind sich nur am Anschreien und Drohen und auch schnell mit körperlichen Attacken nach den permanenten verbalen zur Hand. Im Rhythmus kennt man scheinbar nur die Anspannung, nicht die Entspannung, wodurch man oft den Eindruck einer Überaktivität und eines Viel Lärm um Nichts erzeugt.
Ein Hin und Her im Druckaustausch erfolgt nicht, auch wenn sich dann spät kurz vor dem Showdown tatsächlich noch so etwas wie eine sukzessive Dramaturgie und das Herbeisehnen des Finales ergibt. Ähnlich weiterhin unsicher, aber auf jeden Fall bemüht und eifrig dabei ist man bei den Actionszenen selber, die immer mal und durchaus häufig in knapper Autorität eingeworfen werden; die wenigstens der Beteiligten in der Choreographie und Montage verstehen ihr Handwerk, werfen sich aber umso engagierter in die Szenerie. Gerade die Abfolgen der hand-to-hand combats sind etwas redundant und ergeben außer eine Einprasseln von Schlägen wenig Sinn. Schlimmer erwischt es die Beinarbeit, die für die Ungeübten und nicht in der Technik Ausgebildeten oder anderweitig Ahnungslosen oftmals so aussieht, als wenn ein Neuling beim Fußball mit der Pike schiesst. Zumindest muss man den Darstellern allerdings Nehmer- und Geberqualitäten erweisen, und weiss man durchaus um so manchen Effekt – Würfe durch Fensterscheiben oder die Balustrade hinab, diversen Autoexplosionen etc. – die entsprechend gefordert werden und auch mit dies zelebrierenden Zeitlupen gefördert sind.