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Auch unter dem Alternativtitel Hunting Enemies oder Imminent geführtes Rachedrama, welches vor allem auch von den Produktionsbedingungen her seltsam isoliert, in dieser Isolation auch gefangen und verkümmert, und sonderbar als gestreckter Kurzfilm zu dem Thema Schuld und Sühne und Vergebung oder eher nicht wirkt. In das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt, wenn überhaupt, ist man höchstens durch die Besetzung mit (den jetzt auch nicht der breiten Masse zugehörigen) Francis Ng, Fan Siu-wong und Lam Suet, die unterstützend aus Hong Kong die ansonsten chinesische Hauptbeteiligung komplettieren. Ein knappes Marketing, dass auf die Zeichen von Gewalt auch im Verband mit Action und Sex Wert legt und in grellen Farben schwelgt, diese Umsetzung zwar auch bemüht, aber Mühe allein noch lange nicht den Erfolg garantiert:

Nach der Massenvergewaltigung und dem anschließenden Selbstmord seiner Tochter Yuan Yuan [ Lin Xiaoyuan ] sinnt Yang Yan [ Francis Ng ] nach erster todessehnsüchtiger Verzweiflung nun vermehrt auf Rache aus, was ihn auf die Spur des für das Verbrechen eingesessenen Kriminellen Zhang Jin [ Fan Siu-wong ] führt. Als scheinbarer Taxifahrer von diesem für mehrere Tage engagiert, muss Yang allerdings bald lernen, dass der frisch aus dem Gefängnis entlassene Zhang nur den Sündenbock für seinen Gangsterkollegen Brother Hai Ge [ Cheng Deng ] und den Bandenführer Da Lao [ Lam Suet ] gespielt hat und seinerseits von den ehemaligen Genossen gesucht und bedroht wird. Währenddessen gerät der ehemals glückliche, nun alles verloren habende Familienmensch in die Aufmerksamkeit von Zhangs Jins Vater, Professor Zhang [ Cui Kefa ], der angesichts dessen merkwürdigen Verhaltens auch bald die Polizei informiert; außerdem wird Yangs neue Bekanntschaft He Li [ Deng Ziyi ] von den Verbrechern entführt.

Eine Handlung, die vielleicht für 30min, eventuell für die Hälfte der hier angegebenen Laufzeit reicht und entsprechend mit wiederkäuenden Rückblenden und scheinbarer Aufdeckung anderer Perspektiven und neuer Wahrheiten gestreckt wird. Wer nun was war in der Geschichte und wer eher nicht, und wie der späte Feldzug umständlich in die Wege geleitet wird, wird hier trotz bereits schnell bestehender Vermutungen noch einmal und dann auch vermehrt erneut ausgedrückt. Ohne weitere Impressionen als die der schlichten Wiederholung und vermehrte Erklärung eigentlich bereits Bekannten wird in der Zeit vor und zurück und so gar nicht richtig vom eigentlichen Fleck weg sich bewegt. Nicht bloß die Emotionen sind müde und karg, auch die Positionen und die Wechsel innerhalb dieser Struktur, die eventuelle Translokation bleibt trotz koscheren Aussehen in zuweilen gleißenden Licht – Produzent und als Director of Photography subsidiär ist Arthur Wong, der seit den späten Siebzigern mit als einer der Kameragötter gilt – im Wesentlichen stehen.

Als Stichwortgeber wird die Bibel zurate genommen, die Sätze vom 'Auge für Auge' aus dem Alten Testament, welches in seiner finalen Bedeutung dem 'Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein' entgegengestellt wird, ohne daß tatsächlich ein moralischer und ethischer Diskurs darüber abgehalten wird. So richtig passieren tut sowieso nichts, die Rückschau auf zwei verkorkste Seelen, bei der die Eine eigentlich noch Hoffnung auf eine zweite Chance hat, wenn sie ihm denn die Umstände und vor allem auch der Andere in dem Drama gibt. Darstellerisch eher noch genügend ausgedrückt, ist in Momenten immerhin die Einsamkeit beider, auch das Suchen nach Hilfe, wohl aber längst zu spät, und auch eine Paranoia, eine Abgeschottetsein inmitten der Großstadt zu spüren, welches diesen beiden Fixpunkten inne sitzt.

Richtig Nähe und Bezug zum Film, der sich darüber hinaus etwas unfein, aber auch etwas zu gutaussehend für vielleicht besseres direct to video - Material, immer noch äußerst geldgierig gedreht gibt, wird dadurch allein aber nicht und wenn dann nur für Sekundenbruchteile erreicht. Ob es nun am mangelnden Geschick vom nun mal unbekannten, unerfahrenen Fu Xi in seiner Doppelrolle als Autor und Regisseur liegt, an den allgegenwärtigen Sparmaßnahmen im Budget oder der präsenten Chinesischen Zensur, die neben dem Genre des Horror auch penetrant auf die Gattung Crime blickt, ist zu erörtern ohne Hintergrundwissen weder spannend noch rettend im Augenblick. Hier etwas Frivolität, ein (angedeuteter) Quickie im Auto im schattigen Nachmittagsplatz, eine milde Bondageeinheit mit der Gespielin als Zeichen von Anziehungs- und Überzeugungskraft, Dominanz und Potenz, ein nebensächliches Flanieren im kurzen Weißen, daß so richtig weder die Anwesenden noch das Publikum gefangen nimmt. Dort mal eine kleine Flucht vor den Gangstern hinweg, in denen Fan Siu-wong andeutungsweise mal zeigen darf, dass er eigentlich Actiondarsteller mit Martial Arts Expertise und vielerlei b-pictures im Hintergrund, hier dessen aber ungeachtet dieser Fähigkeiten und diese jederzeit herunterspielend besetzt ist. Zum Trotz vieler Möglichkeiten und Talente also, ein Film, der mit einer gewissen Solistenaufgabe geprägt, aber stetig nichts Halbes und nichts Ganzes, immer nur die Allusion, nie richtig Fisch oder richtig Fleisch und so im Grunde doch recht verschwendet ist.

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