Ein blutrünstiger Ripper (Henrique Zanoni) geht um in São Paulo. Sein bevorzugtes Jagdgebiet ist die Augusta Street, seine Beute sind Prostituierte, die er langsam zu Tode quält. Aber er ist nicht das einzige Scheusal, das nachts durch die Straßen und Bars zieht, auf der Suche nach neuen Opfern. Auch eine Vampirin (Monica Mattos) ist unterwegs, welche sich ahnungslose Männer krallt, um sich von ihrem Blut zu ernähren. Nach dem Biß wartet sie geduldig, bis die gefesselten Blutspender ihrerseits als Vampire erwachen, nur um ihnen einen Pfahl durchs Herz zu rammen, sodaß ihre Körper zu Staub zerfallen. In einer Kneipe treffen Vampirin und Ripper aufeinander, unwissend, mit wem sie es zu tun haben. Der Ripper behält schließlich die Oberhand, hat er doch den Drink der Vampirin mit starkem Narkotikum versetzt. Als die Frau aus der Bewußtlosigkeit erwacht, liegt sie auf einem Bett, nackt und gefesselt. Und neben ihr sortiert der Ripper bereits seine zahlreichen Folterinstrumente.
Geschätzte dreitausend US-Dollar hat dieser brasilianische, on location in São Paulo gedrehte Kurzfilm gekostet. Die mir vorliegende (offizielle) Fassung läuft zwanzig Minuten. Es gibt noch einen alternativen Cut, da sich Co-Regisseurin Geisla Fernandes und Co-Regisseur Felipe M. Guerra über die finale Schnittfassung nicht einigen konnten. O Estripador da Rua Augusta ist ein kurzes, knackiges Splatter-Movie im Kammerspielformat, Torture Porn par excellence. Denn der Ripper kann sein Glück kaum fassen, eine Vampirin in seiner Gewalt zu haben, an der er seinen abartigen Gelüsten freien Lauf lassen kann. Denn egal, wie sehr er ihren Körper malträtiert, einige Stunden später ist er wieder heil und das grausame Spiel kann von Neuem beginnen. Für die hilflose Vampirin ist das die Hölle auf Erden, für den Ripper sein feuchtester aller Träume. Da kann er sich so richtig austoben, wochenlang, monatelang, so lange, bis er der Frau respektive des sadistischen Spiels überdrüssig wird.
Machen wir uns nichts vor. Diese explizit zur Schau gestellten Gewaltphantasien, diese genüßlich zelebrierten Folterorgien, sind des Films Raison d'Être, sein alleiniger Existenzzweck. Dabei beweist der Ripper durchaus Kreativität. Mal rückt er der Vampirin mit Hammer und Nägel zu Leibe, mal penetriert er das zarte Fleisch mit Bohrer oder Haken. Auch Schußwaffen, Messer und Stacheldraht kommen in dieser Fleisch-und-Blut-Show zur Anwendung, was für üppiges Blutvergießen sorgt. Hauptdarstellerin Monica Mattos war zuvor eher andere Körperflüssigkeiten gewohnt, die sich über sie ergossen haben, schließlich ist die 1983 geborene Brasilianerin eine der bekanntesten Pornostars des Landes. Im Jahre 2008 wurde sie sogar mit einem AVN Award geadelt, in der Kategorie "Female Foreign Performer of the Year". Den Wechsel ins Horrorfach meisterte sie jedenfalls mit Bravour, obwohl sie ehrlich gesagt nicht sonderlich viel zu tun hat. Eine gute Figur gibt sie allemal ab, nackt liegend und sich windend.
Bei einem Film dieser Art ist es natürlich wichtig, daß die Spezialeffekte überzeugen können. Und in dieser Hinsicht enttäuscht O Estripador da Rua Augusta keineswegs. Was Kapel Furman (Encarnação do Demônio aka Embodiment of Evil) und Rubens Mello da auf die Beine gestellt haben, kann sich in Anbetracht des Mini-Budgets absolut sehen lassen. Die Blut-und-Beuschel-FX sind, soweit ich das beurteilen kann, handgemacht und phasenweise sehr saftig und derbe, sodaß Gorehounds hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Der von einer Story der Comic-Reihe Preacher inspirierte Streifen ist kompetent gemacht und optisch ansprechend inszeniert, wobei durch die Sterilität des Gezeigten allerdings keine rechte Horrorstimmung aufkommen mag. Die Struktur des Filmes mitsamt der coolen Songauswahl erinnert bestimmt nicht zufällig an From Dusk Till Dawn (1996). Unterm Strich bleibt eine nette Grundidee, die nach dem Motto "Minimale Story, exzessives Blutgemansche" knüppelhart und sehr zeigefreudig umgesetzt wurde.