Autor und Regisseur Bryan Bertino wollte ganz offensichtlich an seinen Erstling "The Strangers" von 2008 anknüpfen, nur dass er diesmal auf die mittlerweile ausgenudelte Variante von Found Footage zurückgriff. Die verwackelte Mischung aus Terror und Psychospielchen ist schwerpunkttechnisch allerdings ungünstig gewichtet.
Anno 1995 erhalten drei verschiedene Personenkreise eine anonym verschickte Handkamera, welche sich nicht abschalten lässt: Ehepaar Tom und Emmy, die allein lebende Studentin Beth und Loser Leonard, welcher sich mit Aussicht auf ein Preisgeld ein Clownskostüm überstreifen und diverse Aufgaben erledigen soll. Danach erhalten die Personen weitere Anweisungen per VHS, doch die Situation spitzt sich für alle Beteiligten zu...
Es geht regelrecht erschütternd los, als ein Junge in Todesangst beteuert, stets gefilmt zu haben, woraufhin er mit einem Kopfschuss hingerichtet wird. Es bleibt jedoch die einzige grafische Gewaltdarstellung, denn nachfolgend herrscht mehr Terror denn Blutvergießen vor.
Allerdings kommen die drei Instanzen und die entsprechenden parallel ablaufenden Handlungsstränge recht austauschbar daher, lediglich Leonard bringt mit seinen Selbstgesprächen und einigen ausgeführten Anweisungen etwas Leben in die Bude.
Die Homevideo-Optik weist indes einige Unwahrscheinlichkeiten auf, denn stets wird die Kamera so abgestellt, dass die Figuren dennoch zu sehen sind und selbst in lebensbedrohlicher Situation wird immer noch draufgehalten. Zudem kommt mit mehr Bewegung auch eine entsprechende Unruhe ins Spiel, ferner spielt sich das Treiben in einer Gewitternacht ab, was zwar der Atmosphäre, jedoch nicht dem Durchblick zugute kommt.
Das Geschehen nimmt leider nur partiell Fahrt auf, da das Alltägliche der Protagonisten weniger interessiert, als die Psychospielchen der oder des Täters. Stets landen neue rote Geschenkverpackungen vor den Türen, es fliegt auch mal etwas durchs Fenster oder eine anonyme Stimme ist am Telefon zu hören, doch so wirklich lebensbedrohlich fühlt sich die Angelegenheit nur selten an. Fast schon ärgerlich ist das Verhalten von Studentin Beth, welche sich verkriecht und naiv den Anweisungen folgt, obgleich es unzählige Möglichkeiten gäbe, sich auf dem Campus Hilfe zu suchen.
So wartet man trotz der kurzen Laufzeit von knapp 79 Minuten auf die Auflösung, wer mit welchen Motiven hinter den Aktionen steckt, doch diesbezüglich enttäuscht der viel zu kurz geratene Showdown. Besonders während einer finalen Konfrontation wird jede Menge Potential verschenkt, da hier wesentlich mehr Raum für dramatische Wendungen gewesen wäre und auch die Pointe gab es in ähnlicher Form bereits einige Male.
Inhaltlich selten kreativ und visuell oft anstrengend liefert "Mockingbird" eine nicht sonderlich spannende Angelegenheit in Sachen Handkameragedöns. Die Figuren bleiben austauschbar, die Mimen ebenfalls, es fließt bis auf den Einstieg kein Blut und auch der Terror hält sich in Grenzen. Eine Handvoll atmosphärischer Momente ist zwar auszumachen, was unterm Strich jedoch nicht ausreicht, um eine Sichtung zu empfehlen.
Knapp
4 von 10