Review

Die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory ist als Blutgräfin in die Geschichte der Serienmörder eingegangen, da manche Quellen von einigen hundert getöteten Kindern ausgehen. Nicht nur Literaten wie Bram Stoker wurden von der Legende inspiriert, auch zahlreiche Filmemacher greifen das Motiv der im Jungfrauenblut badenden Frau gerne auf. So auch Regisseur Andrei Konst, der aus dem Stoff beinahe so etwas wie ein düsteres Märchen gestaltet.

Transsilvanien 1610: Die Geschwister und Waisen Aletta und Mischa ziehen stehlend durch die Lande, bis sie erwischt werden. Um einer harten Strafe zu entgehen, sorgen Bedienstete der Gräfin Báthory dafür, dass die Kinder als Bedienstete im Schloss der Gräfin unterkommen, wo die beiden nach Spuren ihrer verschwundenen Schwester Katja suchen…

Konst inszeniert angenehm schnörkellos und verzichtet (bis auf einige unnötige Inserts) komplett auf visuelle Spielereien, was in einigen Belangen an die russischen Märchenverfilmungen aus den Sechszigern erinnert. Mutige Kinder als Helden, welche zudem Außenseiterpositionen besetzen, eine hexenartige böse Gestalt als Gegenspielerin und dazu einige Sidekicks der Bösen als auch der Guten wie Gesandte des Königs oder der überaus kräftige Handlanger eines Richters.

Hinzu kommt eine phasenweise recht dichte Atmosphäre, resultierend aus einigen Naturaufnahmen, den gewaltigen Mauern des gräflichen Anwesens und der hervorragenden Auswahl an Kostümen und teils aufwendigen Frisuren. Der gut abgestimmte Score hält sich eher zurück, was leider auch für einige Mimen gilt, da einige etwas steif performen. Den Jungmimen ist indes nichts anzukreiden, besonders Isabelle Allen überzeugt als Aletta. Das Singen sollte sie allerdings besser anderen überlassen, wie das Geträller während des Abspanns veranschaulicht.

Leider kommt die Erzählung phasenweise nur schwer in Gang. Einige Passagen fallen deutlich zu dialoglastig aus, während das letzte Drittel nur eine geringfügige Spannungssteigerung aufweist. Die schlichte Story verläuft überraschungsfrei und verzichtet nahezu komplett auf Humor, mal abgesehen von den gelegentlichen Entfesslungstricks Mischas.
Auch in Sachen Gewalt halten sich die Darstellungen merklich zurück, vielmehr arbeitet Konst mit manchen Andeutungen, statt deutlicher Blutmomente.

Nach 102 Minuten Laufzeit erntet der Zuschauer zwar kaum etwas Lehrreiches, doch immerhin hält man sich weitgehend an die historischen Fakten und dichtet nur an einigen Stellen etwas hinzu. Phasenweise recht unterhaltsam, in Ansätzen kommen Spannung und Atmosphäre auf, nur der märchenhafte Funke will nicht so recht überspringen.
Knapp
6 von 10

Details
Ähnliche Filme