Horrorfilme aus Deutschland sind nicht gerade der Exportschlager und diverse Versuche, bekannte amerikanische Vorbilder zu kopieren, gingen fast durch die Bank in die Hose.
Found Footage scheint zwar per se reichlich ausgereizt, aber mit pfiffigen Einlagen ließe sich immer noch Spannung erzeugen. Regisseur Daniele Grieco geht jedoch auf Nummer Sicher und kopiert lediglich allseits bekannte Vorbilder.
Anthropologiestudent Markus will seine Freundin Becky überraschen, weshalb sein Kumpel Lukas das Paar begleitet und plant, zehn Tage in der Burg Hohnau zu verbringen, welche einsam am Waldesrand steht und seit Jahren verwaist ist. Beckys Ängste scheinen sich während ihres Aufenthaltes zu bewahrheiten, denn nicht nur sie leidet unter Alpträumen und nimmt vermehrt merkwürdige Geräusche wahr...
Natürlich benötigen Handkameraaufnahmen weniger Produktionskosten und selbstverständlich ist es leichter, mit nur einer Kamera unterwegs zu sein, als den technischen Aufwand teurer Profikameras mit Stativ und dergleichen zu betreiben. Insofern ist die Wahl von Found Footage nachvollziehbar und die ersten Minuten der Figureneinführung geht soweit in Ordnung, zumal das Schloss und das Drumherum durchaus was hermachen.
Doch auf Dauer sind die jungen Mimen zu sehr um Glaubwürdigkeit bemüht, die hölzernen Dialoge wirken zuweilen arg aufgesetzt und auch das Zwischenmenschliche kommt mitunter auffallend konstruiert daher. Dennoch funktionieren die ersten Gruseleinlagen halbwegs, da undefinierbare Geräusche aus der Stille heraus eigentlich immer aufschrecken lassen und das unbekannte Terrain erst einmal erforscht werden muss.
Warum aus den angesetzten zehn Tagen nicht bloß zwei werden, erschließt sich indes nicht, denn ab einem bestimmten Punkt lässt sich die Gefahr der titelgebenden Präsenz nicht mehr abschätzen und da das Auto offenbar funktionstüchtig ist und niemand zum Bleiben gezwungen wird, geraten Verhaltensweisen zunehmend irrationaler.
Allerdings bleibt die Präsenz in ihrer Gesamtheit schwach. Lautes Poltern kommt zwar seit den Sechzigern immer wieder gut, doch darüber hinaus wird kaum etwas kreatives geliefert, was auch nur ansatzweise für Suspense sorgen könnte.
Verzerrte Aufnahmen während des Schlafens, Tonausfälle, Verfremdungen und Unschärfen, Nachtsichtmodus und Nahaufnahmen kennen wir seit "Blair Witch Projekt" und "Paranormal Activity", wodurch die wenigen Jump Scares beinahe schon altbacken daher kommen.
Uninspiriert und ohne nennenswerte Höhepunkte oder gar Gewalteinlagen zieht sich das Treiben im Gebäude und im angrenzenden Wald und trotz kleiner Hintergrundgeschichten zündet die Atmosphäre des Schauplatzes nur bedingt.
Einzig soundtechnisch wird überdurchschnittliches Niveau geliefert, was sich immerhin in kurzen Momenten im letzten Drittel positiv bemerkbar macht.
Ansonsten liefert "Die Präsenz" altbekannte Motive, lahme Charaktere und eine nur in Ansätzen nervige Kameraführung. Immerhin. Doch der Rest langweilt aufgrund akuter Ideenlosigkeit, denn Schlafwandeln und von selbst zuschlagende Türen müssen schon verdammt versiert eingefangen werden, um so richtig Gänsehaut zu erzeugen.
Davon ist im vorliegenden Werk herzlich wenig zu registrieren.
Knapp
4 von 10