"Du musst keine Angst haben."
Der arbeitslose Eric Bowen (Sam Rockwell) und seine Frau Amy (Rosemarie DeWitt) ziehen mit ihren drei Kindern in eine alte Wohnsiedlung um. Von dem erschwinglichen Haus ist nur die jüngste Tochter Madison (Kennedi Clements) angetan. Ihre Gespräche mit einem Wandschrank beunruhigt ihren älteren Bruder Griffin (Kyle Catlett). In seinem Zimmer erlebt der ängstliche Junge, wie eine Clownspuppe ihn scheinbar anspringt. Griffin sucht das Gespräch mit seinen Eltern wird aber nicht für ernst genommen. Die verstörenden Vorfälle häufen sich, bis Madison plötzlich spurlos verschwindet.
"Poltergeist" aus dem Jahre 1982 gilt als Horrorklassiker. Die handgefertigten Spezialeffekte waren wegweisend und die gruselige Atmosphäre hallte dem Publikum lange nach.
Im Zuge vieler Remakes, die auch die Horrorfilme nicht vernachlässigten und mal besser, mal schlechter ausfielen, ist 2015 "Poltergeist" an der Reihe, modernisiert zu werden. Regisseur Gil Kenan klingt da als garnicht so schlechte Wahl, war er doch schon für den atmosphärischen Animationsfilm "Monster House" zuständig. Dessen Niveau erreicht er diesmal aber bei weitem nicht.
Die Handlung orientiert sich weitestgehend am Vorbild von 1982 mit der Einschränkung, dass sie in einer knapperen Laufzeit unterkommen muss. Dadurch kommt es schon zum ersten Problem: Der Figurenzeichnung. Nur knapp führt "Poltergeist" die Figuren ein und versieht sie mit ausgeprägten Klischees. Mit den daraus entstandenen Stereotypen freundet man sich dann garnicht erst an, denn eine Sympathie wird nicht aufgebaut.
Dies ist nicht das einzige, wobei es beim Spannungsaufbau hakt. Obwohl der Horrorfilm temporeich erzählt ist, handelt er seine Ereignisse genauso oberflächlich ab, wie auch seine Figuren. Besonders holprig ist die Erzählweise. Gerade passierte Geschehnisse sind häufig sogleich auch wieder vergessen, nur um sich anderen Dingen zu widmen. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit und Logik.
Bei Horrorfilmen sind dies selbstverständlich wiederkehrende Randerscheinungen, mit denen das Genre häufig arbeitet. Wie sieht es also mit dem wichtigsten, dem Grusel und dem Schrecken, aus? Kurz ausgedrückt: Mittelmäßig. In der ersten Hälfte baut "Poltergeist" noch eine gruselige Stimmung auf und versucht mit Schreckeffekten zu schocken. In der zweiten Hälfte lässt dies nach bzw. wird zur Lachnummer. Der bewusst eingebundene spöttisch-hysterische Humor zerstört das beklemmende Gefühl und macht die Spannung gänzlich zunichte. Was wollte man damit bezwecken?
Die digitalen Effekte sind solide, jedoch weit entfernt von einer wegweisenden Animation. Häufig harmonieren sie nicht mit den Kulissen, wirken eher anorganisch. Etwas ernüchternd für ein Remake, dessen Original damals optisch beeindruckend war.
Die Möglichkeiten der Darsteller werden nicht ausgeschöpft. Sam Rockwell ("Betty Anne Waters", "Moon") ist noch am ehesten bemüht, seiner eindimensionalen Rolle etwas Leben einzuhauchen. Rosemarie DeWitt ("Company Men"), Jared Harris ("Sherlock Holmes: Spiel im Schatten") sowie die Kinderdarsteller ergeben sich direkt
Manche Remakes würdigen das Original, manche nicht. "Poltergeist" hangelt sich zwar an seinem Vorbild entlang, enthält aber nicht dessen eindruchsvolle Intensität und Liebe zum Detail. Dies beginnt bei den wenig sympathischen Figuren und endet bei generischen Effekten. Mit künstlichem Tempo schreite der Horrorfilm voran und spielt hin und wieder Schreckeffekte aus. Dies generiert aber nicht zwingend Spannung. Tragisch ist es, dass der eingangs aufgebaute Grusel nicht weiterverfolgt wird und stattdessen in der zweiten Hälfte erzwungen lustige Dialoge überhand nehmen. Knappe ...
3 / 10