Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Fassung!


Mit "John Carpenters Vampires" begann der unaufhaltsame Absturz im kreativen Schaffen der einstigen Regie-Legende, die mit Meisterwerken wie "Halloween - Die Nacht des Grauens" oder "The Fog - Nebel des Grauens" den Horrorfilm um zwei bis heute unerreichte Paradebeispiele in punkto Suspense und Atmosphäre bereicherte und das Genre revolutionierte.
Mit "Assault - Anschlag bei Nacht" gelang dem Western-Fan Mitte der 70er Jahre der erste große Coup im Film-Buisness. 
"Assault" war die Hommage an Howard Hawks Westernklassiker "Rio Bravo" und zählt zu Recht zu Carpenters besten Werken.
Über 20 Jahre später ist von der Magie des großen Regie-Künstlers kaum noch etwas zu spüren. Mit der Neuverfilmung von "Das Dorf der Verdammten" gelang ihm noch einmal ein spannender Gruselfilm voll unheimlicher Atmosphäre, doch bereits kurz darauf sollte mit "Vampires" der erste Tiefpunkt in der Karriere John Carpenters erreicht werden.

"Vampires" ist ein Neo-Western im Gewand eines Horrorfilms, der sich der klassischen Vampir-Thematik bedient, gleichzeitig aber mit deren Mythen bricht. 
Während Quentin Tarantino und Robert Rodriguez mit "From Dusk Till Dawn" eine überdrehte Verbeugung vor dem Vampirfilm gelang, in dem die gängigen Klischees des Genre variiert oder mit einem Augenzwinkern überspitzt wurden, geht der Versuch mit "Vampires" einen zeitgemäßen Beitrag im Blutsauger-Genre abzuliefern, gründlich in die Hose.

Das Ergebnis ist ein staubtrockener Western-Abklatsch vor sonnendurchfluteten Panorama-Aufnahmen, mit kernigen Typen und einem rockigen Score. 
Die Idee, Wildwest-Motive und Vampirfilm miteinander zu verbinden, ist innovativ - doch das Konstrukt krankt an der Einfallslosigkeit des Drehbuchs. Potential ist durchaus vorhanden, aber was nutzen einem Horrorfilm gute Ansätze, wenn jeglicher Anflug von Atmosphäre im Wüstensand erstickt wird?

Was einst die Werke Carpenters ausmachte sucht der entsetzte Fan in diesem Machwerk vergeblich. Spannung und Dramatik weichen einer blutrünstigen Splatterorgie, die zum reinen Selbstzweck verkommt. 
Die Special Effects aus der Kurtzman/Berger/Nicotero-Schmiede sind zwar durch die Bank durch handmade und auf höchstem Niveau, aber lieblos in die Handlung gestreut.
Der Versuch, das brachiale Gemetzel auf der Leinwand mit etwas Humor auszugleichen, ist ebenfalls nicht gelungen. Exakt ein Gag sorgte für ein leichtes Schmunzeln, ein weiterer entlockte mir ein kurzes Lachen - ansonsten wirken die primitiven Dialoge auf Gossensprachen-Niveau auf die Dauer nur noch nervtötend.

Insgesamt gesehen kann man an "Vampires" nicht viele gute Worte verlieren. John Carpenters Film ist durchgehend langweilig und wird nur noch von dessen nachfolgenden, desaströsen Werk "Ghosts Of Mars" übertrumpft. 
Letzten Endes beschleicht den Zuschauer nur das Grauen ansehen zu müssen, was aus einem Meisterregisseur geworden ist.

2/10

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