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In „Die Puppe des Gangsters“ haben sich mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni zwei der größten Filmstars Italiens zusammengetan, um eine turbulente Krimikomödie zu drehen, dessen Gesamtbild doch eher durchwachsen ist.

Pupa (Sophia Loren) ist im horizontalen Gewerbe tätig und ihr neuer Boss "Stehkragen-Charlie" (Marcello Mastroianni) sieht in ihr seinen Jugendschwarm Rita Hayworth. Aus diesem Grund ziehen die beiden zusammen. Doch die Beziehung entwickelt sich nicht wirklich positiv, denn Charlie behandelt Pupa schlecht. Diese möchte sich deshalb von ihm trennen, doch alle Versuche sind bisher fehlgeschlagen. Als Charlie jedoch einen Mord begeht, sieht Pupa ihre Chance den verhassten Freund endlich loszuwerden und so versucht sie alle Vertuschungsversuche Charlies zu manipulieren...

Auch wenn die Inhaltsangabe auf einen turbulenten Film zurückschliessen lässt, so ist dessen Inszenierung wenig geglückt. Besonders die erste Hälfte vermag nicht so recht in die Gänge kommen und nach der Einführung der Charaktere herrscht sozusagen Windstille. Man bekommt zwar das Zusammenleben der beiden Protagonisten mit und die Montage, in der Pupa von ihren Trennungsversuchen erzählt, ist auch gut gelungen, doch Regisseur Giorgio Capitani greift immer wieder auf dieselben Methoden zurück, die vielleicht ein oder zwei Mal zünden, dann jedoch verpuffen und der Zuschauer beginnt sich angesichts der zähen Darbietung zu langweilen. Mit Charlies Mord wendet sich das Blatt jedoch und es hat den Anschein, als ob man nun versucht hat, all die Versäumnisse der ersten Hälfte aufzuarbeiten, indem man eine aberwitzige Situation an die nächste gehängt hat. Dabei wirken diese Szenen teilweise viel zu aufgedreht und übertrieben, sodass sie mich persönlich wenig fesseln konnten. Dazu kommt wieder Capitanis Fehler nach Schema F zu verfahren, wodurch es einem, z.B. bei der Szene am Tatort, einfach zu viel wird, wenn die Charaktere fast immer den gleichen Fehler machen. Immerhin kommt ab der zweiten Filmhälfte endlich Dynamik auf und man bleibt wach. Ebenfalls steigt die Spannungskurve an, denn man fragt sich als Zuschauer schon nach einiger Zeit, wie einfältig Charlie sein muss, dass er nicht bemerkt, wer ihn da beseitigen möchte. Sicher, wir haben es hier mit einer Verhohnepipelung der Gangsterfilme zu tun und es gehört dazu, dass die Charaktere überzeichnet werden. Trotzdem wäre eine nicht so offensichtliche Präsentation idealer gewesen, denn das Gebotene wirkt oftmals zu sehr gewollt. Immerhin werden jetzt einige Fragen geklärt, die zu Beginn noch im Raum standen, wer z.B. der junge Mann mit der Tante denn nun genau ist, wobei die Beziehung zwischen ihm und Pupa dann doch leicht zu durchschauen ist. Und so albert und irrt man dem Ende entgegen, zündet einige belanglose Witze, die vielleicht dem Zuschauer doch ein Schmunzeln abverlangen, und mündet dann in einer langen Verfolgungsjagd. Wieder ist bemerkbar, dass man zu viel gewollt hat und so will diese Sequenz, deren Beginn durchaus gelungen ist, einfach kein richtiges Ende nehmen und als es dann doch vorbei ist, wird dem Publikum, nachdem es schon auf den Abspann gewartet hat, noch ein Schlussgag präsentiert, bevor dann wirklich das Ende erreicht wurde.

Sicherlich merkt man den Schauspielern an, dass der Dreh Spaß gemacht haben muss, doch, wie ich schon angesprochen habe, wurden die Charaktere zu sehr überzeichnet, sodass die Darbietungen folgerichtig genauso überdreht sind. Allen voran merkt man es an Sophia Loren, die teilweise schon hysterisch übers Set rennt und dabei ein wildes Mimenspiel abliefert. Ihre hektischen und hastigen Bewegungen erfordern vom Publikum gute Nerven und die unpassende Synchronstimme tut ihr Übriges. Auch wenn die inhaltliche Performance nicht zufriedenstellend ist, so kann die gute Pupa immerhin optische Akzente setzen, wenn sie leicht bekleidet auf dem Bildschirm erscheint oder sich in Reizwäsche auf dem Bett räkelt. Marcello Mastroianni hat in der Hinsicht einen klaren Nachteil und muss so natürlich auf anderer Ebene überzeugen. Zum Glück ist seine Verkörperung von „Stehkragen-Charlie“ nicht so überzeichnet, wie die von Pupa, wodurch sein Auftreten doch einige Lacher produzieren kann, denn seine Rolle ist mehr als lächerlich. Erwähnenswert ist sicherlich auch noch, dass der gute Winnetou Pierre Brice ebenfalls eine Rolle inne hat, wenngleich sie nicht ganz so wichtiger Natur ist aber trotzdem ganz akzeptabel rübergebracht wurde.
Die Musik zu dem Film stammt übrigens von Piero Umiliani und kann leider keine allzu positiven Akzente setzen. Oftmals wird das gleiche Thema verwendet, was diesen komödientypischen Rhythmus hat und dadurch bei häufigem Gebrauch doch schnell unangenehm wirkt. Leider gibt es wenige Variationen, was den störenden Charakter nur verstärkt. Ansonsten kann man zur technischen Umsetzung außer der Tatsache, dass sie auf durchschnittlichem Niveau ist, nicht viel mehr sagen.

Leider wurde bei diesem Film viel Potential verschenkt, sei es durch das magere und zähe erste Drittel oder dem total überdrehten zweiten Drittel. Die Grundidee ist ja nicht schlecht und mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni ist auch das schauspielerische Material vorhanden gewesen, doch dieser Punkt kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Inszenierung einfach schlecht ist und die Charaktere zu stark überzeichnet wurden. Es ist zwar kein Totalausfall aber eben auch kein Film, den man sich nun unbedingt angucken muss. Etwas für richtige Fans also.

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