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"Hör auf so zu leben wie ein König."

Moses (Christian Bale) wird von dem Pharao Seti (John Turturro) wie ein Sohn aufgezogen obwohl er nicht leiblichen Ursprungs ist. Auch dessen eigentlicher Sohn Ramses (Joel Edgerton) akzeptiert ihn auf eine brüderliche Art. Im Laufe der Jahre wird Seti klar, dass er lieber Moses als Nachfolger haben würde, anstatt seines leiblichen Sohns.
Als Seti stirbt und Ramses die Nachfolge antritt, wird Moses ihm zum Konkurrenten. Durch Zufall erfährt Ramses, dass Moses hebräischen Ursprungs. Da die Hebräer für ihn einzig als Sklaven gelten, lässt er Moses verbannen.
In der Wüste findet Moses bei einer Gruppe Schafhirten Zuflucht. Er vermählt sich mit Zippora (María Valverde) und zeugt ein Kind. Doch Jahre danach ruft ihn Gott aus, zurück in das Reich von Ramses zu gehen und sein Volk, die unterdrückten Hebräer, zu befreien und in das gelobte Land Kanaan zu führen.

"Exodus: Götter und Könige" geht sehr eigene Wege was eine genaue Umsetzung der Bibel betrifft. Regisseur Ridley Scott ("Alien"-Reihe, "Gladiator", "Robin Hood") nimmt sich eine Menge Freiheiten, um den zwar unverbrauchten, aber nicht ganz jungfräulichen Stoff in einem neuen Licht zu präsentieren. Somit finden sich neben seiner obligatorischen Bombastoptik sperrige Figuren und ein Zwang für wissenschaftliche Erklärungen.

Die Kindheitsgeschichte der beiden Protagonisten lässt "Exodus: Götter und Könige" aus. Der Einstieg beginnt mit einer opulenten Schlacht. Sicherlich nicht die beste Möglichkeit seine Charaktere näher zu bringen, jedoch die einzige, um überhaupt epische Action zu integrieren.
Was darauf folgt kann am ehesten als erzählerisch oberflächlich und gehetzt bezeichnet werden. Häufig sind Vorkenntnisse von Vorteil, denn der Film spricht einige Ereignisse, darunter auch essentielle wie das goldene Kalb, nur kurz an, ohne sie auszuformulieren. Das intrigante Spiel am Hofe Ägyptens, das Ringen um Moses' Herkunft und die Konflikte der Figuren untereinander sind überwiegend blasse Skizzen, was der Spannung schadet. Einerseits wird das Epos zwar nie wirklich langweilig, andererseits fühlt man sich aber auch nicht gefordert.

"Exodus: Götter und Könige" entzieht beinahe sämtliche Mystik, was den religiösen Kern der Geschichte betrifft. Die Begründung, wie sich die Flüsse rot färben sowie die Kettenreaktion physikalischer und biologischer Phänomene ist bereits grenzwertig. Gott als Kind darzustellen ist zwar keine Abwegigkeit, derart zickig allerdings schon beinahe heuchlerisch. Gleichzeitig könnte man die Figur des Moses einfach als Wahnsinnigen abtun. Selbst die berühmt berüchtigte Nacht, in der die Erstgeborenen einem Opfer unterliegen, sowie das Spalten des Meeres ist letztendlich eher enttäuschender Natur und hat mit biblischen Elementen kaum etwas zu tun.

Ganz anders verhält es sich bei der Optik. Ridley Scott zaubert einige Bilder hervor, die einem Epos mehr als gerecht werden. Zahlreiche Massenszenen strotzen nur so von Detailreichtum, beeindruckende Panoramen von weiten Landschaften und ägyptischen Monumentalbauten veranschaulichen die Kultur des Ägyptens zur damaligen Zeit. Der uninspirierten Musikuntermalung dagegen mangelt es an eingängigen Melodien.

Christian Bale ("The Dark Knight"-Reihe, "American Hustle") sowie Joel Edgerton ("Warrior", "The Thing") überzeugen mit einer füllenden Leinwandpräsenz. Beide hatten allerdings bereits eingängigere Rollen, die sie besser ausspielen konnten.
Die schauspielerischen Künste von Nebendarstellern wie Sigourney Weaver ("Red Lights", "Avatar - Aufbruch nach Pandora") und Ben Kingsley ("Schindlers Liste", "Ender's Game - Das große Spiel") werden nicht genutzt.

"Exodus: Götter und Könige" ist optisch ein monumentales Werk. Die digitalen Bilder und Panoramen sehen erstaunlich detailreich aus. Die Plagen sind bombastisch in Szene gesetzt. In allen anderen Bereichen hakt es allerdings. Stets gehetzt eilt die Geschichte voran, lässt Details aus und stellt den Bezug zu den Figuren nur oberflächlich her. Die wissenschaftlichen Eskapaden hinzu, lässt das Epos eindeutig hinter dem gleich gelagerten, veralteten Film "Die zehn Gebote" verweilen.

5 / 10

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