In Sachen Wohnraum, Lebensgesellschaft und Gegenwartsängste der Zivilisation zeigte Pang Ho-cheungs Dream Home 2008 als Variante eines Horrorthriller die derzeitigen Zustände überspitzt, verzogen und dort auch nur als interpretierbaren Rahmen mit böser Pointe ganz am Ende all des Schreckens auf. Der diesjährige Überraschungserfolg Temporary Family der gleichsam noch jungen Regisseurin Vincci Cheung Wan-chi nutzt das selbe Terrain in einer gänzlich anderen, fast gar besser auf die Gegebenheiten anspielenden Geschichte, die die Um- und Zu- und Missstände im Städtemoloch Hong Kong ähnlich eng mit den Figuren verwebt. Diesmal als romantische Komödie, die sich (anfangs) mehr auf den Humor und weniger die Gefühle der Personen interessiert und dadurch auch leichter als die sonstigen Vertreter um die Schwierigkeiten und Dispute vor allem zwischen Mann und Frau wirkt. Gleichzeitig ein Blockbuster mit sicherer Produktion und ebensolchen Marketing, der in Person der Autorin und Regisseurin fast schon die einzige, dafür in dem Fall aber umso erstaunliche Überraschung birgt:
Immobilienmakler Hong Siu-lung [ Nick Cheung ] steht angesichts der gesteigerten Bedürfnisse seiner Freundin, der Stewardess Cheung Yee [ Myolie Wu ] vor einem Problem. Er würde ihr zwar gerne einen Antrag machen, sollte aber auch eine entsprechend große und in der richtigen Lage befindliche Wohnung als quasi Unterpfand mitbringen, was bei seinem Gehalt derzeit so gar nicht möglich ist. Um den Markt und seine Schwierigkeiten und Verlockungen selber auszunutzen, überredet er drei Personen zu einem gemeinsamen Kauf eines Apartments, an das er nicht ganz koscher, aber vergleichsweise günstig aus dem Katalog seines Vorgesetzten erworben hat, und im folgenden Jahr umso gewinnbringender wieder verkaufen will. Zu den anderen Teilhabern zählen sein Protege Very Wong [ Oho Ou ], seine Stieftochter Lui Yuen-ping [ Angela Yeung ] und die frisch Geschiedene Charlotte Fung [ Sammi Cheng ], die mit der Ablöse ihres Mannes hausieren geht. Unterstützt vom Rechtsanwalt George [ Jacky Cheung ] wird die Aufgabe in Angriff gegangen und mit dem Geschäftsmann Tsui Chi-chung [ Dayo Wong ] scheinbar auch bald ein Käufer gefunden.
Vincci Cheung ist von Beruf und Person in ihrer Metropole irgendwie das Dossierbeispiel für die derzeitige Aufmerksamkeitsspanne des Publikums, dass nicht mit einer Sache, sondern erst mit vielen auf einmal und keines davon so richtig zufrieden ist. Alles muss parallel sein und gleichzeitig oder zumindest in rascher Reihenfolge abwechselnd passieren; sonst wird es langweilig und ist nicht mehr in, sondern war dieses vielleicht vor paar Tagen, aber ist nun schon lange nicht mehr up-to-date. Entsprechend dessen macht die junge Frau auch alles, und natürlich alles im Mediengeschäft, in dem die Vielfalt oftmals mehr als Qualität und Spezialität und dazu noch das Quäntchen der Wandelbarkeit und Unbeständigkeit, nicht der Routine, sondern der stetigen Veränderung zählt. So war sie mal DJ, oder erfand und besprach Hörspiele, teilte sich als Kolumnistin die Meinung mit der Öffentlichkeit kund oder führte als Moderatorin durch das Programm, während man mit einem Kunststudium im Ausland liebäugelte und dann doch im Lande und dort stets präsent, in den eigenen Ecken und Grenzen den Hansdampf in allen Gassen und Gastspiele als Schauspielerin in lokalen Angelegenheiten gab.
Im Grunde außerhalb der Sonderverwaltungszone ein Niemand, innen drinnen dafür umso deutlicher oft in den Schlagzeilen, was sich hierdurch, ihr zweiter Langspielfilm nach einer Episode von Heroes in Love und dem (von Kritikern niedergeschmetterten) Genrebastard Kick Ass Girls (2013) auch noch nicht ändern wird; aber das allererste Mal so etwas wie nährende Aufmerksamkeit erregt. Der Film ist am Puls der Zeit, allerdings nicht zu sehr nur auf das Jetzt und Heute festgelegt, sondern könnte - gerade auch in der Verwendung ausdrucksloser Pop- / Fahrstuhlmusik und der (jederzeit anwendbaren) Thematik von Krisen, Moralitäten und persönlicher Freiheiten - auch in paar Jahren Bestand haben und lässt sich auch rückwirkend sehen. Für die Nostalgiker gibt es viel satte Panoramen im Bild, ein bisschen Wehmut und etwaig auch Hoffnung, wobei letzteres auch für die Alleinstehenden und in der Partnerschaft oder gar der Ehe gescheiterten gilt. Speziell auch für die Großstadtisolierten, die Wegrationalisierten, die 'Elite Singles', die keine Eliten und vereinzelt Versprengte, sondern die große anonyme Masse sind, ist dieser Film trotz oder wegen aller narrativen Einfachheit, naiven Kommerzialität und dem Gefühl als Märchen für die auf der Suche und wegen der Suche Verzweifelten gemacht.
Gut besetzt gerade in der Figur des Mannes, der nicht nur die Geschichte mit seinen Worten einleitet, sondern auch durch sie führend und der Aktivpart der Szenerie, der Ideengeber und Beeinflusser der anderen an seiner Seite ist. Selbst Sammi Cheng als Gegen- und Mitspieler, als die Frau an der Seite wirkt anders als üblich hier halbwegs sympathisch, es sei denn, dass es wieder an das Eingemachte, den verschrobenen und verzogenen Auftritt, das Angestrengte und das später Dramatische im Spiel geht. Dies sind leider auch die Schwachpunkte der Inszenierung, in denen auf Befehl der Regisseurin nach ihrem Skript alles auf die Hektik und das möglichst tausend Sachen auf einmal und im Durcheinander ergeht. Nervige Momente und glücklicherweise Ausnahmen einer ansonsten weitgehend angenehm zu folgenden Betrachtung, die sich in den Hintergrund zurücklehnt und nicht eigens störend in den Vordergrund drängt.