Review

kurz angerissen*

Alle Scheinwerfer auf die Gunfights! Richtig so, denn abseits der Aufräumarbeiten wird konsequent auf Sparflamme gekocht. Hier wurde das Tunnelblickprinzip des Rachethrillers verstanden; die Vorgeschichte muss gerade ausführlich genug sein, damit man die Rotsicht des Verzweifelten nachvollziehen kann. Alles Weitere ist Ballast. Nun mag Autodiebstahl plus Haustiermord manch einem Zuschauer nicht genug Motivation sein, sich mit einer ganzen Verbrecherbande anzulegen, aber erstens ist es doch mal schön, dass der Tod eines Tieres mal ausnahmsweise nicht als Bagatelle abgehandelt, sondern mit 100-facher Münze heimgezahlt wird; weiterhin wird in ausreichendem Maß die Verknüpfung des Tieres mit der verstorbenen Frau erläutert und in der Vergangenheit des Protagonisten ein weiterer Tropfen für das volle Fass gefunden.

Was dann kommt, ist unpersönlicher, emotionsloser, gleichwohl ungemein stylisher und gekonnt inszenierter Kollateralschaden auf dem üblichen Weg an die Spitze. Moralische Fragen sollte man sich hier besser nicht stellen, sondern die Befriedigung beim Ausgleich des universellen Gleichgewichts genießen. Die Heimsuchung beginnt nach etwa 20 bis 30 Minuten und dauert an bis zum Ende. Die Regie-Newcomer Stahelski und Leitch machen ihren Job deswegen gut, weil sie es schaffen, eine volle Stunde Hide and Seek höchst unterhaltsam untergestalten, ohne dass man dazu - wie etwa bei "The Equalizer" - das Augenmerk auf einen Subplot richten müsste. Auch Keanu Reeves ist mit seiner hölzernen Art genau der richtige Mann zur richtigen Zeit, durch einen Club pflügt er ebenso abgeklärt wie durch seine eigene Wohnung. Sogar kleine Humorspitzen entstehen, wenn seine unverhohlene Selbstjustiz in der Öffentlichkeit scheinbar bar jeden Gesetzes erfolgt.

Diese Konsequenz muss logischerweise zu Problemen in gewissen Bereichen führen, zu denen ohne Frage klischeehafte Einstellungen gehören, mit denen Reeves zum Superkiller stilisiert wird, oder der grundsätzliche Aufbau, bei dem in der Prologsequenz das vermeintliche Ende schon mal vorweggenommen wird. Ganz zu schweigen von der moralischen Fragwürdigkeit. Aber das muss man wohl einfach ausblenden, wenn man mal wieder die volle Breitseite Rachegelüste auskosten will.

*weitere Informationen: siehe Profil

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