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"Das war zu erwarten."

Nach schwerer Krankheit verstirbt die Frau von John Wick (Keanu Reeves). Damit ihr Gatte nicht in tiefster Trauer versinkt, hat sie einen Brief vorbereitet, mit dem auch der Welpe Daisy ins Haus kommt. John soll durch den Hund mit dem Verlust besser fertigwerden.
An einer Tankstelle begegnet John Iosef Tarasov (Alfie Allen), der sofort gefallen an dessen Ford Mustang findet. Ein Angebot von Iosef schlägt John aber sofort aus. Iosef steigt daraufhin mit einigen weiteren Gangstern in John's Haus ein, verprügelt ihn, tötet seinen Hund und klaut seinen Mustang. Iosef's Vater Viggo Tarasov (Mikael Nyqvist) gehört zur russischen Mafia und erkennt sofort den Wagen wieder. John hat ihm schließlich geholfen sein jetziges Imperium aufzubauen. Nun stetht er ihm als erbitterter Gegner entgegen.

In den letzten Jahren gelang es Keanu Reeves ("Street Kings", "Matrix"-Reihe) nicht mehr an seine Popularität der 90er Jahre anzusetzen. Zuletzt enttäuschte er in dem Fantasy-Actioner "47 Ronin", wo er nicht nur eine schwachen Film erwischte, sondern auch schauspielerisch ausfiel. Umso überraschender waren die positiven Kritiken zu "John Wick", die geradezu ein Comeback vermittelten.

"John Wick" macht es sich erzählerisch sehr einfach. In seinen Grundzügen ist er ein einfach gestrickter Rachefilm. Mit den vorhersehbaren Ereignissen zu Beginn werden dem Publikum schnell die radikalen Folgen als gerechtfertigt präsentiert. Trotz seines komplexen Fundamentes um Profikiller und deren Kodex, finden sich nur wenige Bezüge in der Geschichte wieder oder werden belanglos nebenbei abgehandelt.

Da der Protagonist fortan annähernd ohne Pause von einem Ort zum nächsten wechselt und mit Tunnelblick seine Kontrahenten erledigt, gibt es weder eine erzählerische noch eine figürliche Weiterentwicklung. Kein Wunder also, dass "John Wick" mit den klassischen Stereotypen auskommen muss.

In der ersten Hälfte funktioniert der Action-Thriller dennoch gut. Mit seiner harten Action, den blutigen Kopfschüssen und dem detailreich zu Bruch gehenden Rauminventar überrascht "John Wick" und bietet ein brachiales Szenario. Die rockigige Musikuntermalung dazu passt.
Diese Kompromisslosigkeit wird auf Dauer jedoch monoton. Zu häufig wiederholen sich die Vorgehensweisen des Protagonisten. Auch der räumliche Wechsel hilft hier nicht weiter. Und dann sind da noch nicht nachvollziehbare Aktionen des Protagonisten, gerade gegenüber Frauen, was die Kompromisslosigkeit dann doch wieder ein wenig aufweicht. So, als wolle man die Hauptfigur unbedingt nicht beflecken.

Keanu Reeves passt zu seiner stoischen Rolle. Mit seiner starken Präsenz sowie einer beängstigenden Spielweise erinnert er nach Jahren endlich wieder an seine besten Zeiten in den 90er Jahren.
Mit Willem Dafoe ("Daybreakers", "Spider-Man"-Reihe), Mikael Nyqvist ("Millennium-Trilogie"), Alfie Allen ("Game of Thrones"), Ian McShane ("Death Race") und Lance Reddick ("Fringe") ist der Film desweiteren ordentlich starbesetzt.

Durch die Handlung aus Rache sowie kompromissloser Tötungen erinnert "John Wick" angenehm an Actionfilm alter Schule. Leider geht dem Film nach der Hälfte seiner Laufzeit die Puste aus und macht nichts aus seinem interessanten Fundament aus Profikillern. Etwas mehr Interaktion der Charaktere und ein ausgespielter Bösewicht hätten hier Wunder gewirkt. So ist "John Wick" nur solide Actionkost mit einer vorhersehbaren Geschichte. Gute ...

6 / 10

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