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Joe (Clint Eastwood), ein richtiger Lone Wolf, kommt in ein mexikanisches Kaff, welches derzeit voll auf Geisterstadt macht . Zwei Parteien dominieren die Szenerie und Joe denkt sich nun (reden will er nicht wirklich viel), dass aus einem Ausspielen der Beiden gegeneinander wohl der größte Profit herauszuschlagen sein müsste.

Die Story orientiert sich relativ strikt am japanischen Kurosawa-Klassiker "Yojimbo", was aber niemanden stören dürfte, denn Clint Eastwood stiehlt Toshiro Mifune mehr oder weniger eindeutig die Schau. Doch ist das eher Sergio Leone zu verdanken, der seinen Protagonisten noch eine Spur wortkarger ausfallen lies. Somit wird häufig nicht auf verbaler Ebene Konversation betrieben, sondern, wie auch die tolle Einführungsszene belegt, eben mit Mimik. In Leones späteren Werken sieht man das ja auch immer wieder.

Die Story ist dem Original gemäß etwas minimalistisch, doch verschiedene Figuren wie ein Barkeeper oder eine Tussie, die zu ihrem Mann und Kind zurück will, gewinnen dem Plot mehr Facetten ab. So wird der eiskalte Charakter des Protagonisten auch noch weiter aufgefächert und er entpuppt sich gen Ende hin als wahrer Held. Das hätte der Film nicht wirklich gebraucht, aber es handelt sich ja schließlich auch um Leones Durchbruch im Westerngenre, was jene Kompromisse rechtfertigt.

Um ehrlich zu sein, ist die Essenz des Films nicht die Story, sondern der coole Protagonist. Wie schon erwähnt, ist Eastwood ein dickes Brett. Es wird zwar nicht stringent bis zum Ende des Films auf seine geniale Mimik gesetzt, doch die unterschwellige, extrem spannende Atmosphäre ist zu jeder Zeit omnipotent. Dafür sorgt bereits die gelungene Musik des Ennio Morricone, der später diese Melodien sogar noch in den Schatten stellt.

Kameratechnisch gibt sich der Film wenigstens ambitioniert. Denn einige nette Kamerafahrten sind auf jeden Fall dabei. Und der Schnitt ist besonders förderlich für die vielen Nahaufnahmen von Eastwoods Gulliver. Was mich ansonsten im Plot etwas stört, ist die Offenbarung der Fehlbarkeit des Protagonisten. Natürlich war das dramaturgisch notwendig, doch gerät die Ausführung ein wenig übertrieben, Schön, Eastwood bekommt ordentlich die Fresse poliert, ich bin mir aber sicher, dass man darauf nicht so explizit hätte rumreiten müssen oder eine subtilere Alternative hätte finden können.

"Für eine Handvoll Dollar" bleibt dennoch einer der Vorzeigefilme seines Genres und lässt wirklich gut auf Leones Können schließen. Der Film verliert durchaus bis zum Ende an Faszination, hat aber keine auffälligen Durchhänger, was natürlich vor allem durch den coolen Protagonisten garantiert wird. Äußerst sehenswert...

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