Mit "A Fistful of Dollars" ( = "Für eine Handvoll Dollar" ), seinem in Spanien gefilmten und in den Wilden Westen projizierten Remake des Kurosawa - Klassikers "Yojimbo", läutete Sergio Leone, bis dahin Regisseur einiger Sandalenschinken, die Ära des sogenannten Italo - Westerns ein, einem Untergenre der bekannten Westernwelt, welches nun wesentlich rauer und roher, ironischer und zynischer, schmutziger und blutiger daherkam und die Edelcowboy- und John-Wayne-verwöhnten Zuschauer in eine andere, realer und härter wirkendere Sparte des Westerns entführte.
Und für den bis dato eher unbekannten, bislang höchstens in einigen Nebenrollen und der Wildwest - Fernsehserie "Rawhide" ( "1000 Meilen Staub" ) zu sehenden Clint Eastwood markierte dies den Beginn einer nahezu einzigartigen Karriere; heute zählt er sicher zu den besten und bedeutendsten Darstellern und auch Regisseuren unserer Zeit. Wie auf den Leib geschnitten und immer noch unerreicht spielt Eastwood hier unter Leones bereits vielversprechender, aber noch nicht gänzlich ausgereifter Regie den neuen Typ des Protagonisten, den "Namenlosen Fremden", den "Stranger without a name", der sich nicht nur durch perfekte Schießkünste, sondern im Gegensatz zu den "edlen", tapferen Helden der bisherigen amerikanischen Western auch durch Zynismus, Rohheit, Selbstgefälligkeit, den Trieb nach den Dollars und einigen ironisch-coolen Sprüchen auszeichnete; für Wayne- und Cooper-Typen war dieser Charakter ein Schlag ins Gesicht.
Der Rest ist Film- und Westerngeschichte.
Dazu gehört auch die Musik eines italiensichen Komponisten namens Ennio Morricone, der dem Experiment seines visionären Regisseurs die mittlerweile zu Kultstatus avancierten Themen verpasste, von der innovativen Titelsequenz bis hin zum unvergessenen Showdown, in dem der Fremde nach einigen Explosionen zum finalen Duell aus der Staubwolke heraustritt.
Zugegebenermaßen, die Klasse und handwerkliche Ausgereiftheit der späteren, nun folgenden Leone - Western mit ihrem größeren Hang zum Epischen und den noch überragenderen Morricone - Stücken hat dieser Italowestern-Erstling noch nicht, einiges wirkt noch unausgegoren, grob, unausgereift.
Dennoch:
"Für eine Handvoll Dollar" ist sicherlich ein Klassiker des Genres, wegweisend damals, und auch heute noch aufgrund der Inszenierung, der musikalischen Untermalung und der Idealbesetzung absolut sehenswert.