Review

Es gibt diese Filme bei denen du nach wenigen Sekunden spürst, dass sich nun alles ändern wird, was du vorher mal für richtig gehalten hast. Filme, die eine Zäsur im eigenen Leben darstellen, die alte Horizonte erweitern und neue ermöglichen.
Genauso ein Film war "Für eine Handvoll Dollar" für mich: Obwohl mich die amerikanische Geschichte und ihre Mystik schon immer faszinierte, fehlte mir wirklich jeder Zugang zum Westerngenre. Der Begriff Italowestern war für mich eine reine Worthülse, Clint Eastwood einer dieser vergessenen alten Helden und Namen wir Morricone oder Leone bloße Lexikoneinträge. Doch in dem Moment, in dem sich der Fremde nach einem unglaublichen Vorspann auf seinem Pferd dem Wüstenstädtchen San Miguel in brennender Hitze nähert, war es um mich geschehen. Wortkarg, unrasiert, mit Zigarillo im Mund, ein smarter Blick hier, ein trockener Spruch dort, dabei das prägnante Pfeifen vor atmosphärischen Gitarrenklängen auf den Ohren - genau für solche Momente geht man doch ins Kino.
Das hier ist Film pur, mehr Film geht nicht.

Es mag sein, dass Leone das Genre und das Storytelling erst etwas später mit "Zwei glorreiche Halunken" und "Spiel mir das Lied vom Tod" perfektionieren konnte - es mag sein, dass Morricones Filmmusik erst ein wenig später die Prägnanz entwickeln konnte, für die er unter anderem den Ehrenoscar erhielt - das alles mag sein, aber im Bezug auf Atmosphäre und Coolness bleibt "Für eine Handvoll Dollar" genauso wie sein meisterhafter Soundtrack absolut unerreicht. Hier legte Sergio Leone den Grundstein für eine Reihe epischer, zynischer, übercooler und gewalttätiger Westernfilme, deren Zusammenspiel aus innovativer Kamera, perfekt auf die Bilder komponierten Soundtracks und bitterböser Düsternis für immer unerreichbar bleiben wird. Dieser europäisch romantisierte Blick auf das große Vorbild Amerika mit seinen überaus maskulinen, charismatischen Antihelden lieferte einen völlig neuen Blick auf das gesamte Genre und kombinierte in künstlerischer Art und Weise die Vorzüge der alten und neuen Welt. Am Anfang stand da der wahnwitzige Traum eines italienischen Regisseurs, am Ende prägte dieser mit seinen Spaghettiwestern-Narrativen das Bild einer ganzen historischen Epoche.

Sergio Leone sorgte dafür, dass selbst amerikanische Regisseure die italienischen Beiträge als Vorbilder nahmen, um dem Westernfilm neue Impulse zu geben und er ermöglichte später so ganz nebenbei einen Quentin Tarantino oder moderne Phänomene wie die Gamingreihe "Red Dead Redemption"
- und mir und vielen anderen einen neuen filmischen Horizont.

10/10

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