Review

Found-Footage, wie es sein sollte – mit einer Hauptdarstellerin, die alles andere in den Schatten spielt.

Also, wenn man über Found-Footage redet und nicht The Taking of Deborah Logan nennt, dann hat man das Genre nicht wirklich durchdrungen. Der Film ist nämlich – trotz Schwächen – einer der besten Vertreter dieser Art. Und das liegt zu 90 % an Deborah selbst, also an Jill Larson, die hier wirklich alles zerreißt, was man an Schauspiel erwarten kann.

Ob krank, verwirrt, besessen oder einfach nur kaputt – diese Frau ist die Rolle.

Die Optik, die Körpersprache, das Schauspiel – krank stark. Währenddessen stehen alle anderen Darsteller wie beliebig auswechselbare Doku-Praktikanten daneben. Man hätte da wirklich jeden hinstellen können – egal.

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Die Synchro? Boah… einfach nur frech

Und jetzt mal ehrlich:

Dass dieser Film über zehn Jahre gebraucht hat, um eine deutsche Synchronisation zu bekommen – und dann klingt die, als wär sie aus dem schlechtesten 80er-Porno, den man je gesehen hat – das ist einfach unfassbar.

Dialoge völlig neben dem Timing, Betonungen wie aus’m Volkshochschulkurs „Sprechen wie Menschen“ – das zieht das Niveau richtig runter.

Zum Glück ist der Film stark genug, um das auszuhalten. Trotzdem: Das ist peinlich für alle Beteiligten.

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Mutter-Tochter-Beziehung: Mehr Tiefe hätte gutgetan

Was mir außerdem aufgefallen ist: Die Beziehung zwischen Deborah und ihrer Tochter wird viel zu wenig beleuchtet.

Von Anfang an wirkt das nicht wie die Beziehung einer liebevollen Mutter zu ihrer Tochter. Man versucht am Anfang zwar, das noch so darzustellen, als wäre da alles „tutti die Banane“ – aber wenn das Kamerateam eintrifft, spürt man deutlich, dass das längst nicht stimmt.

Das bleibt leider zu oberflächlich, dabei wäre gerade das eine spannende emotionale Ebene gewesen, die noch mehr Drama und Konflikt ins Geschehen gebracht hätte.

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Harry, der Gärtner: Mehr Hintergrund hätte der Figur gutgetan

Auch die Rolle von Harry, dem Gärtner und engsten Vertrauten von Deborah, hätte mehr Beleuchtung verdient.

Zwischen den beiden schwingt eine Art Liebe oder zumindest ein beschützendes Verhältnis mit – auch wenn das in der Form wahrscheinlich nicht ganz realistisch ist.

Harry reagiert extrem emotional, sogar aggressiv – etwa als er mit einer Waffe auf das Auto schießt, was seine Verzweiflung und Verwirrung zeigt, aber auch für den Zuschauer schwer nachvollziehbar ist.

Dass die Vergangenheit der beiden nur angekratzt wird, macht es schwer, die Tiefe dieser Verbindung wirklich zu erfassen. Da hätte man mehr draus machen können.

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 Was der Film richtig macht:

Er zieht dich rein.

Schon nach 30 Minuten denkst du: Jetzt kommt gleich das Finale.

Aber nein – der Film steigert sich immer weiter, ohne sich leerzulaufen. Das Tempo ist stark, die Spannung bleibt konstant hoch.

Der Alzheimer-Ansatz ist clever, um psychologische und übernatürliche Elemente verschwimmen zu lassen.

Man fragt sich ständig: Ist das Krankheit? Oder dämonischer Horror? Und genau das macht’s spannend.

Die Atmosphäre ist dicht, wirklich unangenehm stellenweise – ohne auf plumpe Jumpscares zu setzen.

Ja, die CGI ist nicht perfekt, aber sie ist dosiert. Da verzeiht man’s eher als bei den ganzen Blumhouse-Dauerbrennern mit Plastikdämonen und Nebelmaschinen.

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Was hätte besser sein können?

Die Beziehung zwischen Deborah und Desjardins bleibt leider schwammig.

Man hätte da viel mehr Hintergrund schaffen können – was war da wirklich zwischen den beiden? Das bleibt etwas flach.

Das Ende ist okay, aber der Switch zum kleinen Mädchen als neues Ziel fühlt sich etwas zu konstruiert an.

Es ergibt Sinn, ja – aber es hätte einen stärkeren Payoff gebraucht, damit man emotional da wirklich mitgeht.

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Fazit:


Einer der wenigen Horrorfilme, bei denen man sagt:

„Ey, das hat Hand und Fuß. Das war nicht nur Geistergeräusch und Gekreische.“

Die Hauptdarstellerin trägt das komplette Ding – und das mit einer Überzeugung, dass du ihr jede Sekunde glaubst.

Klar, nicht perfekt, aber was Found Footage angeht, Top Tier. Und vor allem: Der Film fühlt sich nicht wie 90 Minuten an – der rauscht durch, weil er klug aufgebaut ist.

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Für Leute, die auf Found-Footage und Geistergeschichten stehen, ist das hier definitiv ein Tipp.

Wer mit dem Genre generell nichts anfangen kann, wird hier auch nicht plötzlich umdenken.

Aber für Fans: Gönnt euch das ruhig mal.

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