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Peter Fonda und Dennis Hopper spielen zwei junge Männer, die mit ihren Motorrädern durch den mittleren Westen fahren, um in New Orleans mit Drogenverkauf Geld zu machen. Unterwegs müssen sie allerdings feststellen, dass das Land der Freiheit und der Unbegrenzten Möglichkeiten mittlerweile zu einem bornierten Staat verkommen ist, in dem es die beiden Individualisten sehr schwer haben. Unterwegs nehmen sie einen Fremden, gespielt von Jack Nicholson mit, der sie aus dem Gefängnis holt.

"Easy Rider" wurde zum Kultfilm einer ganzen Generation und leistete wichtige Pionierarbeit. So war er einer der ersten Filme, der aktuelle Hits statt eines eigens komponierten Soundtrack als Filmmusik verwendete und zeigte Amerika als ein engstirniges und verschlossenem Land, in dem Individualismus und Freiheit kaum noch gelebt werden können und auch heute, rund 40 Jahre nachdem Steppenwolf und Roger McGuinn die Charts stürmten, Jahrzehnte nach der Hippie-Bewegung, hat "Easy Rider" seinen Reiz noch nicht eingebüßt.

Wie bei vielen Road-Movies gibt es auch bei "Easy Rider" hervorragende und optisch berauschende Landschaftsaufnahmen zu sehen, die, zusammen mit dem hervorragenden Soundtrack ein Gefühl der Freiheit vermitteln, wie es die Hauptfiguren bei ihrem Trip suchen. Dennis Hopper leistet also bei seinem Regie-Debüt gute Arbeit, so gelingt ihm handwerklich eine nahezu perfekte Inszenierung, ob nun bei der hervorragenden Kameraführung, oder bei der Auswahl der Songs für den Film. Narrativ ist "Easy Rider" leider sehr episodenhaft geworden, so gelingt kein mustergültiger Spannungsbogen, da der Film nicht zielstrebig genug auf sein dramatisches Ende zusteuert und der Spannungsbogen somit mehrere Brüche aufweist, mit diesem Problem hatten in der Vergangenheit aber schon viele Filme des Genres zu kämpfen. Mit einem bisschen Action und einem Schuss Humor rundet Hopper sein Werk ab und liefert damit ein enorm starkes Regie-Debüt, das leider sein bestes Werk bleiben sollte.

Im krassen Gegensatz zu diesen Aufnahmen, die grenzenlose Freiheit vermitteln steht das Bild, dass in "Easy Rider" von der amerikanischen Bevölkerung gezeichnet wird. Auf den einzelnen Stationen der Reise muss das Duo, bzw. zwischenzeitlich das Trio, immer stärker feststellen, dass das aufgeschlossene und freie Amerika Geschichte ist und, dass ihnen die Menschen mit Vorurteilen begegnen. Diese Ambivlanez ist es, die den Film zu etwas Besonderem macht, zumal "Easy Rider" im Rahmen der New-Hollywood-Ära einer der ersten Filme war, der sich mit der Thematik befasste. Die Charakterkonstruktion zeichnet ein ähnliches Bild, die drei Hauptfiguren sind Individualisten, die nach ihren eigenen Gesetzen leben, fahren, wohin sie wollen und am laufenden Band Drogen konsumieren und alle anderen Menschen, denen sie begegnen werden als engstirnige und bornierte Spießer über einen Kamm geschoren. Alles in allem also eine vielschichtige Story, die allerdings den episodenhaften Erzählstil zulässt.

Auch als Darsteller kann Dennis Hopper voll und ganz überzeugen. In seiner Paraderolle, des verfilzten Bikers, macht er sich hervorragend und liefert eine sehr sympathische Vorstellung ab, zumal man ja weiß, dass Hopper im Privatleben ebenfalls ein Exzentriker ist. Und eben wegen dieses Charakterzuges, bekam er in den folgenden Jahren leider nur wenige gute Rollen. Peter Fonda, der den Film produzierte und zusammen mit Hopper das Drehbuch verfasste, spielt den wesentlich ruhigeren Biker, ist in der Rolle ebenfalls sehr sympathisch und ist als einsamer Wolf einfach klasse besetzt. Jack Nicholson darf mal wieder einen sehr bizarren und merkwürdigen Charakter spielen, in dem er sich perfekt zu Recht findet und dafür vollkommen zu Recht seine erste Oscar-Nominierung erhielt. Schon hier, in einer seiner ersten größeren Rollen zeigt Nicholson also schon sein Ausnahmetalent und stiehlt seinen beiden Kollegen damit zwischenzeitlich die Show.

Fazit:
Hoppers hervorragende Inszenierung vermittelt mit dem kultigen Soundtrack und den perfekten Landschaftsaufnahmen ein Gefühl der Freiheit, dass in Ambivalenz zu dem Bild der bornierten Spießbürger steht, dass von der amerikanischen Gesellschaft in "Easy Rider" gezeichnet wird. So gibt Dennis Hoppers Kultfilm sicherlich ein paar Denkanstöße und leistete in Hollywood Pionierarbeit. Aber auch der hervorragende Cast kann nicht verhindern, dass "Easy Rider" wegen seines episodenhaften Erzählstils keinen hohen Spannungsbogen erzeugt und der Unterhaltungswert nicht über ein solides Niveau hinauskommt.

70%

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