Review

Die Welle von mehr oder minder opulent verfilmten Märchen hält immer noch an, - da macht ein Mischmasch von Grimms Märchen und einem englischen natürlich neugierig, zumal Disney einige bekannte Mimen in den Wald locken konnte.
Das Ergebnis ist jedoch ernüchternd, denn der Hintergrund der Musical-Adaption ist unverkennbar und der finale Akt gleicht einer dramaturgischen Farce.

Ein Bäcker und seine Frau (Emily Blunt) wünschen sich nichts mehr als ein Kind, da kommt ihnen der Deal mit der Hexe (Meryl Streep) gerade recht. Innerhalb von drei Tagen sollen sie vier Utensilien beschaffen, doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht...

Aschenputtel, Rotkäppchen, das weniger bekannte "Hans und die Bohnenranke" und etwas später Rapunzel laufen als parallele Handlungsstränge ab, während die Bäckersleut als Bindeglied zwischen den Ebenen fungieren und zumindest für ein wenig Chaos sorgen.
Wie der schusselige Bäcker an Rotkäppchens Umhang scheitert oder seine zappelige Frau nicht an Aschenputtels goldenen Schuh gelangt, erzeugt durchaus einige Schmunzler, doch insgesamt will der Funke einfach nicht überspringen.

Denn allzu viel Charme geht von dem Ganzen nicht aus, der Singsang setzt binnen weniger Momente ein und unterhält bis auf ein ironisches Prinzenduett kaum. Die Melodien ähneln sich sehr, Wortwitz ist nur selten auszumachen und vor allem nimmt jede Gesangseinlage Fahrt aus dem Geschehen, obgleich die Mimen mit sichtlicher Spielfreude agieren.
Auftritte von Chris Pine als Prinz, Anna Kendrick als Aschenputtel und vor allem Johnny Depp in seinen gefühlten drei Minuten als böser Wolf gehören zu den Höhepunkten, während der oscarnominierte Auftritt von Streep allenfalls mittelmäßig ausfällt.

Ebenso mittelmäßig fallen die Bauten aus, welche teilweise viel zu poliert daherkommen und eben mehr nach Broadway denn nach Zauberwald aussehen, was auch für einige Requisiten wie eine goldene Harfe oder eine Bohnenranke gilt.
Storytechnisch ist bis zum letzten Drittel immerhin noch ein gewisser Unterhaltungswert gegeben und man freut sich für einen Moment über einen versöhnlichen Ausklang, - da geht die Chose noch einmal weiter und scheitert damit auf ganzer Linie.

Zwar geht es final recht düster zu, indem ein beziehungstechnischer Ausrutscher gnadenlos sanktioniert wird und eine Riesin knüppelharte Bedingungen stellt, doch inhaltlich ist das Murks und vermag rein gar nicht mehr zu fesseln, zumal Figurenkonstellationen wild durcheinander geworfen werden und letztlich wenig Sinn ergeben, von tauglichen Botschaften oder Pointen ganz zu schweigen.

Das zieht den ohnehin nur mittelmäßigen Eindruck deutlich nach unten und auch die überlange Laufzeit von 125 Minuten dürfte im Endeffekt vor allem die jüngeren Zuschauer überfordern.
Disney, namhafte Mimen und ein Budget von rund 50 Millionen Dollar, - da hätte man deutlich mehr Schauwerte, Fantasie und Kreativität erwartet.
Knapp
4 von 10

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