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"(...)Green Dragons are a manifestation of a new, unorganized crime group trying to establish itself. Their expansion is coming. We are witnessing an eventual real menace to the whole society." [ Peter Kwong, 1992, Autor von u.a. den später veröffentlichten Sachbüchern "Chinese America: The Untold Story of America's Oldest New Community", "The New Chinatown" & "Chinese Americans: The Immigrant Experience" ]

Eher still und mit wenig Vorlauf Anfang September in der Endherstellung erschienen, markiert Revenge of the Green Dragons die erste tatsächliche Zusammenarbeit zwischen dem hier als Exekutive Producer auftretenden Martin Scorsese und dem Co-Regisseur Andrew Lau, dessen beider Karrieren zuvor bereits gekreuzt und den jeweiligen Höhepunkt der Laufbahnen waren. Scorseses The Departed (2006) übernahm die Grundidee und trotz wenig Aufhebens darum auch das Re-Imagining von Infernal Affairs (2002), bei dem Lau eigentlich gar nicht die treibende kreative Kraft, aber der Mann mit dem aus langer filmtechnischer Betätigung und vorherigen Werken gründenden Bekanntheitsgrad und auch den Finanzen und somit auch der bis einschließlich heute zumeist populäre Regisseur neben der eigentlich ideellen Note von Alan Mak, der zweiten Doppelspitze war und ist. Die vorliegende Arbeit, die bereits zweite Tätigkeit von Lau in den USA und somit der nächste Versuch der Steigerung der Produktivität, gesellt sich dabei zu den meist im Gangstermilieu spielenden Filmen, wie der kompletten Young & Dangerous Saga (1996 - 2000) des Aktivisten und gleichzeitig auch zu dem alles durchdringenden Durchschnitt im cineastischen Lebenslauf; wobei man im Grunde dessen oft rein visuell kräftige Handschrift – Lau ist ursprünglich und da und auch jetzt noch durchaus geschätzter director of photography – ebenso wenig merkt wie die von Scorsese selber. Ein Flickwerk, dass auf tatsächlichen Geschehnissen basiert und sich daraus und vergangener Abhandlungen bedient, aber trotz dessen Interessen schnell die eigene Anziehungskraft verliert. Nur eine (fremde) Idee, aber kein Stil, und kein Interesse und keine Substanz:

Bereits als Kinder und dort unfreiwillig von den Green Dragons rekrutiert und initiiert, sind die heranwachsenden Sonny [ Justin Chon ] und Steven [ Kevin Wu ] Ende der Achtziger bereits die Karriereleiter in der Gang durch Mord und Totschlag emporgeklettert und gelten als Lieutenants unter dem aufbrausenden Chen I. Chung [ Leonard Wu ] und dem leitenden Paul Wong [ Harry Shum Jr., ] der sich für die insgeheim führende Snake Head [ Eugenia Yuan ] zuvorderst in die Öffentlichkeit begibt. Im Kampf um die Herrschaft in Queens gegen zumeist andere asiatische Banden gelten nur wenige Regeln und kein Gewissen, was Sonny spätestens durch die Liebe mit Tina [ Shuya Chang ], die allerdings in einem Mordprozess gegen seine Freunde aussagen will, erfahren muss. Genauso machtlos scheinen der sich aus eigener Initiative einschaltende FBI Agent Michael Bloom [ Ray Liotta ] und der Straßencop Detective Tang [ Jin Auyeung ] den Umtrieben der Gangster gegenüberzustehen.

Überraschenderweise sieht der Film in seiner Umrandung dabei weder kraftvoll oder inszenatorisch gewillt genug mit dem Spiel um Gangstermythen und der Wiederbelebung von Klischee und Ikonographie, noch wie wissend um die Übereinstimmung davon mit der Geschichte selber aus. Basierend auf Ereignisse ab Mitte der Achtziger bis in die frühen Neunziger und unter der Verwendung tatsächlicher Namen von Tätern und Opfern erscheint man immer wie als Servierkraft von Schablonen und Attrappen und schlimmstenfalls auch viel Vorurteil. In den 95min der Handlung und ihrer Simulation ruft man beim Zuschauer eigentlich nur eine Liste von anderweitigen Filmtiteln und ebenso auch die Bilder aus dessen Bearbeitung, stetig entsprechend eine Referenz bis zu dem nachteiligen Vergleich von Original und Kopie, also beinahe auch das Schicksal von The Departed / Infernal Affairs ab.

Ohne persönliche Originalität oder wenigstens dem Bewusstsein von Falsifikat oder gnädigerweise einer Nachahmung als Ähnlichkeit mit gutem Ausdruck versehen, wird die Geschichte des zu schnellen Heranwachsens in einer fremden und gefährlichen Welt und dem gleichsam raschen Auseinanderleben zweier Freunde von jungen Jahren erzählt. Viel Stoff für Aufregung und Emotionalität, die hier gleich in den ersten Minuten mit einem leicht bemüht und verzweifelt wirkenden Drang nach Gewalt und des Schocks um des Schocks willen, wie eine unbedingte Abgrenzung zum höchst eleganten Infernal Affairs (und dessen Weiterführungen und den Ton und die Harmonie ebenfalls beachtenden Confession of Pain, 2006) suchend und da auch funktioniert. Der Film ist in seinen Bildern hässlich und dem Gezeigten teils defätistisch aggressiv, ohne durch diese aufeinanderfolgenden Aktionen von Prügel und Folter und Mord einen Bezug weder zur Faktenlage noch zu dem Drehbuch selber und seinen Stereotypen und so auch keinen Rhythmus oder eine Aussage herstellen zu können.

Eine knappe Einführung, die das Publikum erst mit Kindern als Prügelknaben allerorten und bald als Ausführende von Attentaten und dann als Herumstreifende im Abschaum mit dem Hang zur hoffnungslosen Poserei und auch die anderen Figuren wie den Mann vom FBI oder den ermittelnden Polizisten als leere Hülsen mit ebensolchen Worten und Taten, jederzeit in einer Kulisse oder gleich auf der Bühne, niemals lebensecht verankert zeigt. Lokalkolorit mag vielleicht noch gegeben sein, die Zeit wird abseits von Frisuren und kurzer historischen Einspielern der Nachrichtenlage durch Bush Senior und Reagan – natürlich sitzt die schmierige Posse auch gemeinsam in dem Augenblick vor dem Fernseher, als am 5. Juni 1989 nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens sich der heranrückenden Panzerkolonne entgegenstellt wird, und wird dies auch noch im Vergleich zum derzeitigen Bund an Männerideal und -zusammenhang kommentiert – vollends vernachlässigt und sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Vergangenheit auch nur etwaig zu reanimieren.

So wird zwar durch die Wiederaufnahme der historischen Ereignisse um die Green Dragons und ihre Mitglieder, der zumindest verbal häufige Eingang mit der Beschäftigung von Immigration als Lösung und Problem und Hoffnung und Befürchtung gleichermaßen und auch die permanent im Hinter- und oft im Vordergrund stehende und so allgegenwärtige Ideologie von Fremd- und Eigenhass, Diskriminierung und selbst dem Sozialdarwinismus und seiner natürlichen Auslese bzw. der natürlichen Zuchtwahl eine Vielzahl an vielversprechenden Themen herangeschafft, aber dadurch eigentlich nur wild und besinnungslos durchgepflügt. Was auch immer die Macher dazu bewogen hat, sich den gleichnamigen Artikel "Annals of Crime: Revenge of the Green Dragons", veröffentlicht im "New Yorker, November 16, 1992, p. 76-99", geschrieben von Frederic Dannen, als Wahl des Stoffes herauszupicken und durchzuarbeiten, wird in dieser Art und Weise leider nicht deutlich und ergibt auch keinen guten oder anderweitig beeindruckenden Film. Dannen, der u.a. 1997 auch "Hong Kong Babylon: An Insider's Guide to the Hollywood of the East" verfasst hat, hätte bei Mitspracherecht allerdings auch sicher gegen die Wahl der Regisseure interveniert. Die Premiere erfolgte beim Toronto International Film Festival mit schon dort wenig schmeichelhaften Empfang.

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