Gleich vorneweg: Der Titel verspricht nicht zu viel. Ein Episodenhorrorfilm, angesiedelt im Ultra-Low-Budget-Bereich (hauchdünn über der No-Budget-Grenze), bestehend aus vier mehr oder weniger abgefahrenen Geschichten. Und es wird ordentlich geschlockt! Laut Wikipedia, the free encyclopedia, bedeutet Schlock "something cheap, shoddy, or inferior". Yourdictionary definiert Schlock mit "cheap or trashy or of very low quality". All das - allen voran billig & trashig - trifft hier definitiv zu. Und das ist auch durchaus so beabsichtigt. Tatsächlich haben die Filmemacher aus der Not eine Tugend gemacht und das prägnante Schlagwort "Schlock" gleich augenzwinkernd zum Konzept erhoben. Jeder der vier Regisseure steuerte eine Episode zu dieser Anthologie bei, wobei Henrique Couto, die treibende Kraft des Projektes, auch die Rahmenhandlung inszenierte. Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen... Faces of Schlock hat sowohl mit schauspielerischen als auch dramaturgischen Schwächen zu kämpfen, es gibt gravierende Defizite im technischen Bereich, der Look ist billig und die Spezialeffekte können nur sehr selten überzeugen. Damit muß man klarkommen, sonst sollte man diese recht ambitionierte Indie-Produktion gleich völlig ignorieren.
In der ersten Episode, Blood Witch, beschwört das gelangweilte und extrem launische Goth-Babe Lucia (Countess Samela) die dämonische Hexe Isabella (Monica Puller) herauf, damit diese diverse Leute, die ihr gehörig auf die Nerven gehen, aus dem Weg räumt. Wie zum Beispiel ihre strenge Mitbewohnerin, eine nervende Anruferin oder den bescheuerten, ständig "bugman" brabbelnden Kammerjäger. "You're the blood witch, now go get some blood", meint Lucia lapidar. Und die Dämonin befolgt die Anweisungen ohne Murren. Als sie jedoch die Nachbarin töten soll, die ihrer spanischen Ex-Geliebten aus dem 17. Jahrhundert wie aus dem Gesicht geschnitten ist, schaltet sie auf stur. Blood Witch beginnt mit einem schönen, in Schwarzweiß gefilmten Prolog und endet mit einer netten Pointe, die niemanden großartig überraschen sollte. Countess Samela agiert in der Hauptrolle recht ordentlich und kommt wesentlich unsympathischer rüber als die mörderische Bluthexe, die einen ziemlich traurigen und unglücklichen Eindruck macht, weshalb sie einem fast leid tut. Wie an dieser gelungenen Eröffnungsepisode bereits schön ersichtlich ist, kommen die Frauen, die in Faces of Schlock zu sehen sind, aus der alternativen Szene und entsprechen somit nicht dem klassischen Schönheitsideal. Regie bei Blood Witch führte Andrew N. Shearer (Pajama Nightmare).
Weiter geht es mit Mike Wuz Here, in Szene gesetzt von Justin Channell (Die and Let Live). Die Story dreht sich um Derek (Josh Lively), der in einem ziemlich heruntergekommenen Kino seinen Job als Manager antritt. Zu allem Überfluß spukt es in dem Lichtspieltheater auch noch, seit sich der Angestellte Mike im Gebäude erhängt hat. Mike ist frustriert, wird von seinen Ex-Kollegen nicht geschätzt und ist mit seiner Situation überhaupt nicht zufrieden. Das bekommt prompt Derek zu spüren. Mike Wuz Here verärgert mit einer extrem nervenden Nebenfigur, welcher viel zu viel Screentime eingeräumt wird, ebenso wie mit Unmengen an belanglosen Dialogen. Die nette Grundidee (Loser bleibt Loser, egal ob lebendig oder ein Geist), die auf dem Papier wohl noch ziemlich witzig geklungen hat, wurde dröge umgesetzt und kommt erst gegen Ende in Fahrt, wenn sich die Leichen zu stapeln beginnen. Der Schlußgag ist recht fies, kann diese Episode aber nicht mehr retten. Von den Schauspielern sticht niemand hervor, und auch die Handvoll Gore-Effekte reißen niemanden vom Hocker. Immerhin - und das gilt für die gesamte Anthologie - sind die Splattermomente gut in die Story integriert und erscheinen zu keiner Zeit selbstzweckhaft.
Wenn One Foot in the Grave, die nächste Geschichte, bessere Spezialeffekte gehabt hätte, hätte sie ein kleiner Knaller werden können. So aber wird das aufgrund der herrlich schrägen Grundidee durchaus vorhandene Potential leider nie ausgeschöpft. Das Unheil nimmt mit der häßlichen Hexe Agatha (Virginia House) seinen Lauf, die für einen Unsterblichkeitszauber dringend den Fuß einer Jungfrau benötigt. Wie schön, daß Dr. Schoal (George Stover) seiner jungfräulichen Patientin Katie (Sara Cole) gerade eben einen Fuß amputieren mußte. Die Hexe belebt die abgetrennte Extremität, damit sie zu ihr kommt, aber auf dem Weg dorthin richtet das Körperteil so einigen Unsinn an (z. B. verteilt es einen Arschtritt, der sich gewaschen hat). Mit George Stover (Nightbeast, Hairspray) als Arzt, der ein peinliches Wortspiel nach dem anderen raushaut, ist in One Foot in the Grave ein bekannteres Gesicht zu sehen. Der beste Gag wird gleich zu Beginn verschossen. Da schlägt die Hexe einem sitzenden Typen von hinten den Schädel ein, um an dessen Beine zu kommen, nur um danach belämmert festzustellen, daß dieser im Rollstuhl sitzt und gar keine mehr hat. Tja, dumm gelaufen. Diese durchwachsene aber recht spaßige Episode geht auf das Konto von Chris LaMartina (Grave Mistakes).
Wie es sich für eine Anthologie gehört, kommt das Beste zum Schluß. Slay Ride spielt zu Weihnachten und dreht sich um die ungezogene High School-Göre Bianca (Ruby Larocca), die von ihren Eltern bestraft wird und die Feiertage alleine verbringen muß. Nun ja, ganz alleine ist Bianca, die darauf besteht, daß alle sie "Trash" nennen, ja nicht, schließlich soll die nebenan wohnende Debbie (Sandy Behre) - ein Nerd wie aus dem Lehrbuch - mit ihr brav lernen. Allerdings geht in der Gegend ein Killer um, der Jagd auf junge Frauen macht. Und wie nicht anders zu erwarten, schaut er auch bei Bianca... pardon, Trash natürlich... vorbei. Slay Ride ist technisch am besten umgesetzt, hat mit Ruby Larocca (Dr. Jekyll & Mistress Hyde, The Devil's Bloody Playthings, u. v. m.) eine versierte B-Movie-Aktrice am Start, erfreut den Fan mit einigen coolen Twists, ordentlichen Gore-Effekten, schön geformten Titten und einem blankrasierten weiblichen Geschlecht. Des Weiteren ist das ganze knackig, kurzweilig und sehr unterhaltsam. Selbst die überraschende und herrlich absurde Schlußpointe ist ein Knaller und sorgt für ein befriedigendes Ende. Slay Ride stammt von Henrique Couto (Babysitter Massacre), der auch bei der Rahmenhandlung Regie führte.
Ach ja, die Rahmenhandlung. Diese wird von Slutpira (Izzie Harlow) bestritten, welche die Kurzfilme à la Elvira (und wie ihr Vorbild auch mit einem offenherzigen Dekolleté ausgestattet) launig ankündigt. Die Arme ist ziemlich schreckhaft und kämpft außerdem mit dem künstlichen Nebel, aber ihre Monologe (gespickt mit einigen Running Gags) sind ungemein witzig und es macht einfach großen Spaß, ihr zuzusehen. Vampirzähne hin oder her, ich würde dieses sexy Babe bestimmt nicht von der Bettkante stoßen. Insgesamt ist Faces of Schlock eine recht gelungene Produktion aus dem semi-professionellen Bereich, die trotz aller Billigkeit einen gewissen Charme versprüht und überwiegend gut unterhält. Man spürt, daß die Macher mit Herzblut bei der Sache waren, um ihre Visionen umzusetzen, und hin und wieder sieht man sogar etwas Talent aufblitzen. Die wendungsreichen Geschichten stehen klar in der Tradition von Tales from the Crypt, gewürzt mit einigen In-Jokes/Hommagen, einem ordentlichen Schuß Exploitation und ein, zwei Teelöffeln Selbstironie. Und serviert wird die comichaft-überzogene Chose mit einem überraschend sympathischen Augenzwinkern. Der Humor zündet freilich nicht immer, aber einige Lacher entschädigen für so manchen Rohrkrepierer. Fans sowohl von Horror-Anthologien als auch von schlockigen B-Movies werden mit Faces of Schlock jedenfalls gut bedient.