Robert de Niro spielt einen knallharten Gangster, der bei einem größeren Coup mit seiner Bande drei Wachleute erschießt. Nun ist der wohl ehrgeizigste Cop der Stadt, gespielt von Al Pacino, hinter ihm her und hängt sich an seine Versen. Doch schon plant de Niro einen neuen, großen Coup. Währendessen kämpft Pacino zu Hause um die Anerkennung seiner Stieftochter, gespielt von Natalie Portman, und de Niro bemüht sich die Ehe seines besten Mannes, gespielt von Val Kilmer, zu retten.
"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", ist wohl der Grundsatz von Regisseur Michael Mann, der schon mit "Blutmond" einen relativ gut bebilderten Film in die Kinos brachte und auch später zeigte er vor allem in "Collateral" und "Miami Vice", dass er optisch brilliante Werke liefern kann und auch bei "Heat" ist die Bildsprache überragend. Mit dutzenden Szenen von enormer Ausdruckskraft revolutioniert er ein ganzes Genre und liefert einen der besten Gangster-Filme aller Zeiten, der erst mit Martin Scorseses "Departed" wieder erreicht werden sollte. Bei dieser opulenten Optik kommen die hervorragenden Aufnahmen der Großstadt Los Angeles und die guten Action-Sequenzen, die Mann sehr gut inszeniert und dosiert, noch besser. Allein aufgrund dieses enormen Schauwerts ist "Heat" schon sehenswert. Aber, anders als bei "Miami Vice" leistet Mann auch über seine brilliante Optik hinaus überragende Arbeit. Er baut permanent Spannung auf und kreiert zudem durch den pausenlosen Einsatz unruhiger Spannungsmusik eine gespannte Atmosphäre und immer, wenn man als Zuschauer meint, dass es nicht mehr besser werden kann, legt Mann noch einmal zu und spannt den Spannungsbogen bis zum nervenzerreißenden Finale immer weiter und steigert parallel die Dramatik, womit der Film von der ersten Minute an fesselt. Obwohl die Story, die aus der Feder von Michael Mann stammt, recht komplex ist und dutzende Nebenhandlungen bietet, verirrt sich Mann zu keinem Zeitpunkt auf überflüssigen Nebenschauplätzen und behält die ganze Zeit über den roten Faden, sodass sich sein Gangster-Epos nicht in einem langweiligen Episoden-Drama verirrt. Darüber hinaus hält er das Erzähltempo genau richtig, setzt seine überragenden Darsteller perfekt in Szene und liefert damit eine schlicht und einfach perfekte Inszenierung ohne jeden Makel. Schade, dass ihm bis auf "Collateral" keine ähnlich guten Filme mehr geglückt sind.
Auch wenn der Film vor allem durch seine opulente Optik und seine bleihaltige Action sehr positiv auffällt, hat er eine vielschichtige Handlung und geht weit über das Niveau eines normalen Gangster-Thrillers hinaus. Es scheint fast, als hätte sich Mann eine normale Story um einen Gangster und einen Cop genommen und dann langsam angefangen, immer mehr Personen und Handlungsstränge drumerhumszubasteln, von diversen Ehefrauen, Beziehungen, über die Kinder und Feinde der einzelnen Charaktere ist wirklich alles in die Story integriert, was der Charakterkonstrution der beiden Hauptfiguren dienlich ist. Dieses monumentale Handlungskonstrukt ist absolut brilliant und wirklich keine einzige Stelle ist überflüssig. Im Mittelpunkt stehen dabei die ganze Zeit de Niro und Pacino, die ihr gesamtes Leben durch ihre Besessenheit vom Verbrechen verpfuschen und die Personen in ihrem Umkreis vernachlässigen und auch hier ist die Story vielschichtig und eben diese ganzen vielschichtigen Aspekte bringt Mann virtuos mit seiner brillianten Bildsprache auf die Leinwand. Die Wendungen sind zum Teil vorherzusehen, allerdings gibt es auch einige Überraschungen, vor allem, wenn es um gewisse Nebenhandlungen geht. Die Laufzeit bekommt Mann mit dieser brillianten Handlung komplett gefüllt und ich hätte mir das Ganze auch über sechs Stunden ansehen können. Beachtlich ist außerdem, dass jede Nebenhandlung den Film voranbringt, Mann dabei den roten Faden behält und der Film damit überhaupt keinen Leerlauf produziert.
Bei diesen vielen Personen, Nebenhandlungen und Wendungen steht die ganze Zeit über ein ganz bestimmter Handlungsstrang im Vordergrund, nämlich das Duell Gangster gegen Cop und dies gelingt nicht nur durch Manns Inszenierung, sondern auch durch die beiden hervorragenden Hauptdarsteller. Robert de Niro, der spätestens nach "Der Pate - Teil 2", "The Untouchables" und "Goodfellas" der Inbegriff des knallharten Gangsters ist, macht sich gut wie eh und je und beeindruckt durch eine makellose Vorstellung. Obwohl er diesen knallharten und skrupellosen Gangster spielt, ist er durchaus sympathisch, zumal Mann jegliche Gut-Böse-Klischees außen vor lässt und die Grenzen zwischen Recht und Unrecht so verschwimmen lässt, und fesselt so die ganze Zeit über. Dass de Niro mit dieser genialen Vorstellung keine One-Man-Show abliefern kann verhindert Al Pacino dessen Leistung der seines Kollegen in absolut nichts nachsteht. Mit seiner gewohnt starken Darstellung kann auch er die Sympathie des Zuschauers an sich ziehen. Man hätte keine besseren Darsteller für diese beiden Hauptrollen gewinnen können. Der übrige Cast ist gespickt mit mehreren Stars aus der Elite Hollywoods und wirklich alle verkaufen sich gut. Val Kilmer spielt gut, kommt mit seiner Darstellung aber bei weitem nicht an seine beiden brillierenden Kollegen heran, zeigt aber durchaus, dass er mehr kann, als er normalerweise zeigt. Ashley Judd verkauft sich als Frau von Kilmer sehr gut und liefert eine sehr emotionale Darstellung ab und auch Natalie Portman kann in ihrer überaus tragischen Rolle brillieren. Tom Sizemore und Danny Trejo sind ebenfalls auffällig stark und besonders Jon Voight zeigt ebenfalls was er kann und auch der übrige Cast ist wirklich stark.
Fazit:
"Heat" ist in allen Belangen einer der besten Filme aller Zeiten. Al Pacino und Robert de Niro brillieren bei ihrem Zweikampf und laufen noch einmal zur absoluten Hochform auf, Michael Mann bebildert seinen Film absolut opulent und inszeniert Kulisse und Action hervorragend und liefert zudem einen unglaublich hohen Spannungsbogen. Die Story ist ebenfalls brilliant und beeindruckt durch hervorragende Nebenhandlungen und eine unglaublich tiefe Charakterkonstruktion zweier Männer, die vom Verbrechen absolut besessen sind. "Heat" gehört zum Pflichtprogramm jedes Filmfans und ist für absolut jeden empfehlenswert.
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