Review

Den blöden Wortwitz gleich zu Beginn: Was bleibt nach Ansicht von „The Remaining“?

Von RTL kompetent im Nachtprogramm versteckt, stellt dieser biblische Endzeitgrusler das Publikum vor die Entscheidung, ob wir hier jetzt „for fun“ einfach einen weiteren Found Footage-Film sehen wollen oder man grob genervt sein soll, weil dieser Schinken christlich-fundamentalistisch bibel-wortgläubigem Land- und Stadt nach dem Maul redet.

Worum geht’s? Es ist nicht nur Hochzeitstag in einer amerikanischen Großstadt für eine Gruppe junger Leute, es ist auch „Rapture“-Day! Das weiß natürlich keiner von den anwesenden Jungdarstellern, von denen einer den Offenbarungseid aus der Bibel mit der Kamera aufnimmt und somit ins Reich des Found-Footage rückt, deswegen ist auch erstmal alles zu 86 Prozent happy, von den üblichen Pärchennickligkeiten abgesehen und der Tatsache, dass man anderen Anwesenden bisher erfolglos hinterher geschmachtet hat.

Doch dann, die Party ist noch im vollen Gange, fällt einfach mal ein Großteil der Anwesenden tot um, draußen bollert eine dissonante Himmelposaune, Wolken ziehen auf und dann fallen die ersten Verkehrsmaschinen auf die umliegenden Straßenzüge. Ein gewaltiges Unwetter zieht auf und zerlegt alle habhafte Architektur, weswegen die Hauptdarsteller bald meistens „en groupe“ auf der Flucht sind, immer hübsch im Gewirbel der Kamera gefangen, die das Publikum gekonnt zu Tode nervt.

Zum Glück haben wir hier ein paar helle Kerlchen dabei, die bald darauf kommen, dass Gottvater die Toten alle in den Himmel entrückt hat, weil sie enorm christlich-engagiert-gläubig waren, während der Rest vom Fest die Zweifler und gearschten Atheisten sein müssen (auf die Frage, was mit den Juden, Moslems, Hindus etc ist, geht der Film einfachheitshalber gar nicht ein). Wer aber schon mal im Bibelunterricht Johanns Offenbarung wegen der praktikablen Effektsequenzen durchgeschmökert hat, der weiß, dass der Posaunen mehrere sind und es von nun an immer schlimmer wird.

Alsbald ist es zappenduster, es schüttet wie blöde und weil der Herrgott auch noch geflügelte Dämonen entsandt hat, ist bald allseits Hackepeter.
Wäre schön gewesen, wenn man jetzt mal was zu gucken gehabt hätte, doch die Viecher sind so schnell im Opfer-Raus-Zuppeln, dass ich bin zum Filmende kein brauchbares Bild von ihnen abspeichern konnte, was natürlich günstig ins Budget haut.

Der Rest des Films umschreibt dann gekonnt die erwartete Dezimierung der Überlebenden, inclusive einiger Diskussionen zum Thema persönliche Gläubigkeit, bis der Plot nur noch eine Alternative zulässt, um den eigenen Hintern passabel aus der Nummer rauszubringen.

Ergo: ein, sobald man den Trick kapiert hat, überraschungsfreier Film, der den christlichen Gemeinde von der Hardcore-Bibelauslegungsfraktion vermutlich einen Höhepunkt nach dem Nächsten bescheren wird und „The Passion of the Christ“ als nächster Sonntagsblockbuster ablösen dürfte.
Gemacht ist das alles recht kompetent, vor allem die Panik und der Spaß an der Zerstörung, die Figuren sind mehr so lau gezeichnet, aber auch nicht extremst ärgerlich. Die FF-Tricks setzt man recht geschickt ein, allein die Füge-dich-in-dein-Schicksal-und-Bekenne-Dich-Rhetorik ist jetzt eher kontraproduktiv bei Pizza und Pepsi.
Aber davon abgesehen, kann man ihn schmerzfrei schauen, allerdings zündet da auch nichts meine große Dankeskerze an. (4/10)

Details
Ähnliche Filme