Wer nur alle zwei Jahre internationale Fußballturniere verfolgt, sprich, Europa - und Weltmeisterschaft, mag sich in der Sportart vielleicht nicht besonders gut auskennen, doch emotional ist man im Sommer 2014 dann doch mitgegangen, spätestens am 13. Juli, als Deutschland den vierten Stern holte und dieses sogar als erste europäische Mannschaft in Südamerika. Leider wirkt die Dokumentation von Ulrich Voigt (Regie), Martin Christ (Kamera) und Jens Gronheid (Schnitt) eher wie ein glatt gebügelter Werbefilm des DFB.
Sieben Spiele bestritt die deutsche Nationalelf in Brasilien, um am Ende als Weltmeister gefeiert zu werden. Die Macher gehen dabei zwar halbwegs chronologisch vor, doch die Demütigung gegen den Gastgeber beim historischen 7:1 nehmen sie leider vorweg, denn insgeheim bereitete manchen diese Partie am meisten Freude. Unterdessen, und das führt im Verlauf ein wenig zur Ernüchterung, erfährt man rein gar keine analytischen Details und Hintergründe.
Der Streifen setzt auf die Emotionen des Sommers 2014, an noch frische Erinnerungen, garniert das Ganze mit nachträglichen Interviewfetzen von Bierhoff und Löw, Spielern wie Müller, Götze, Schweinsteiger, Khedira und Lahm und zeigt sich ansonsten kaum kritisch.
Glücklicherweise sind Fußballer schlechte Schauspieler, so dass allenfalls im Hintergrund einiger Privataufnahmen auch mal missmutige Gesichter zu erhaschen sind und das erinnerungswürdige Interview mit Mertesacker ("Was wollen sie jetzt von mir?") ruft noch einmal ein Schmunzeln hervor.
Doch dazwischen Urlaubskulissen und vor allem PR, denn der Besuch der Elf bei den Pataxó-Indianern und in einer brasilianischen Schule hat wohl mehr mit dem Ansehen der Titelgebenden zu tun, als dieses etwas über den Teamgeist aussagen würde.
Die Spiele selbst sind dramaturgisch ganz okay zusammengefasst und die Musik von Helmut Zerlett geht auch in Ordnung, doch zwischenzeitlich bauscht diese zahlreiche banale Momentaufnahmen unnötig auf. Denn so emotional ist es nicht, wenn Müller eine Wette verliert und anschließend im Dirndl herumläuft, Christoph Kramer ein ohnehin grausiger Sänger ist und Schnipsel von Trainingseinheiten und Pressekonferenzen wahllos aneinander gereiht werden.
Spätestens bei einigen Ansprachen von DFB-Präsident Niersbach im Tourbus wird auch dem letzten Sportbegeisterten klar werden, wie deutlich der Verband seine Finger im Spiel hatte, während im Grunde keine Szenen gezeigt werden, die nicht schon während der WM auf irgendeinem Videoportal zu sehen waren.
Um die sportlichen Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen ist das ganz nett, es dürfte im Verlauf der Zeit jedoch immer belangloser anmuten, denn wodurch genau die Elf Weltmeister wurde und was eine richtig gut funktionierende Mannschaft ausmacht, erschließt sich durch diese Dokumentation nicht.
Knapp
4 von 10