Review

Ausgang der Neunziger Jahre, kurz vor dem Millennium, ein weiteres Werk von Thome, trotz ohne oder selten mit Förderung, hier im Elefant, Tiger & Co., im Tigerentenclub. Im Verleih von Prometheus, wie so oft, ein blonder Wanderer entlang der Landstraße, das Haar hell im Scheinwerferlicht entgegenkommener oder von ihm davon fAHRENDER UND IHN PASSIEREDNER aUTOS; DAS hAAR DAS EINZIG HELLE; DER aNZUG DUNKEL; DER rUCKSACK AUCH; DIE mUSIK ETWAS MELODISCHER ALS ÜBLICH UND GEWOHNT; EIN nEKROLOG FAST; EINE wELLNESSOASE; DIE sCHUHE KNIRSCHEND AUF DEM aSPHALT; VON EINEM pÄRCHEN IM aUTO; EINEM FRISCH VERHEIRATETEN EINGEHOLT: eINGEHOLT UND ÜBERHOLT MÖCHTE MAN meinen, die Frau auf dem Beifahrersitz möchte, dass ihr frisch gebackener Ehemann trotz seiner Müdigkeit und dem Drang nach der Heimfahrt, dem Drang nach dem Ankommen zu Hause anhält, und dies, ob er eher ablehnt, und meinte auch, dass der Spaziergänger ohne 'Haltesignal' weiterläuft und ohne Zeichen und ohne Signal nach Hilfe auch, er gehorcht seiner Frau, mit einem tiefen Stoßseufzer auch:

Frank MacGay [ Herbert Fritsch ], ein Zeitreisender aus dem fünften Jahrtausend, besucht die Schriftstellerin Laura Luna [ Valeska Hanel ] in Berlin, deren Buch „Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan“ er begeistert gelesen hat. Zusammen besuchen sie Louise [ Cora Frost ], die auf dem Land lebt.

Ein "Ich liebe dich" gab es zu Beginn, ein "Können wir Sie ein Stück mitnehmen?", das Alien auf dem Highway hier, frei nach Pyun, Thome ähnlich sparsam, vielleicht ein wenig eleganter im Gefühl und im Umgang, in Italien war man wieder, "Sind Sie abergläubisch", wieder ein komisches Gespräch, eine seltsame Dialogregie, wie mit fremden Wesen geredet, viele Blicke hin und her, man macht eine Rast, man ist durchgefahren, der 'Frank' hier hat zu lange im Ausland gelebt, das Paar kommt aus Berlin, ein einziges riesiges Chaos, dann ein Drive-by, ein Toter plötzlich, noch hinter München, ein Schuss und ein Knall eine Flasche auch zerborsten, die Polizei plötzlich überall, Trost wird gesucht, Hilfe gebraucht, Hilfe angeboten, Hilfe verteilt und empfangen, nach der Aussage bei der Kripo, eine Einladung ausgesprochen, den Rucksack angenommen, ein grauer Mensch mit hellem Haar, wasserstoffblond, leicht abstehend auch, schwer zu bändigen, eine Schlafstatt hergerichtet, im Wohnzimmer auf dem Boden, "Besonders gesprächig sind sie aber nicht, Frank", die Frau umso mehr, sie quasselt wie ein Wasserfall, sie kann noch lächeln, sie gibt ihrem Gast ein Küsschen auf die Wange, er ist ihr so vertraut, der einzige Grund, es soll jetzt keine Gewohnheitssache werden, die Erzählführung wieder eher leise als zu laut, das soll so bleiben, das soll sich nicht ändern.

Ein Küsschen zum Abschied und ein Küsschen zum Zubettgehen, ein Professor ist der Gast, der Tote war ein Russe gewesen, nicht von Belang erstmal für die Geschichte, der nächste Kuss nicht auf die Wange, sondern auf den Mund, ebenso flüchtig, im Hotel eingecheckt, die Minibar gecheckt, die Schränke generell, zur Unterbringung all der Sachen, die man im Rucksack mit sich trägt. Das Hotelzimmer ist normal spartanisch, von der Wohnung des Paares hat man wenig gesehen, wurde nicht viel gezeigt, weder die Lage noch die Aussicht noch die Architektur noch das Interieur, das Hotel selber mehr im Augenschein, die Lobby, der Ausguck, was vor der Straße liegt, der Prof bewegt sich durch die Stadt, er hat Goldbarren anbei, er will damit bezahlen, es wird ihm nicht abgenommen, er bewegt sich durch die Hauptstadt der Baustellen wie ein Mensch vom Mars, nicht wie einer von der Erde, viel in Betracht, in Beobachtung, in Wahrnehmung; der Zuschauer hat Recht; "Klingt merkwürdig, oder? Ist es aber gar nicht."

Eine Buchhandlung wird heimgesucht, Thome seine Filme sind immer etwas schwer zu fassen, wie eine große Bibliothek, wo man quer blättert, die Buchrücken liest und mal von hinten nach vorne und wieder zurück, mehr die Philosophische Abteilung und die der Gedichte, hier ein spezielles Buch gegriffen, an der Spree genossen, das Buch hat den Titel des Filmes, es hätte wahrscheinlich keiner sonst danach gegriffen, ein Ladenhüter, hinten der Klang der Kirche, der Glockenschlag, kurz durchgeblättert, das Buch von Laura Luna, ein Date nicht mehr ihr, aber mit der Luise wird ausgemacht. Luise ist schon betrunken nach wenigen Schlückchen Sprudelwasser, man hat sich zu Zweit eine Flasche bestellt, die Frau noch seltsamer als der Mann, eine große Kunst, ganz selten gesehen. In einen Technoclub will man, sie kann nicht tanzen, er erst recht nicht, auch nicht zu den rhythmischen Klängen, dem Dröhnen und Hämmern, er eher albern, sie vielleicht noch weiblich anziehend, stroboskopische Effekte, Thome hält drauf auf sein Paar, die Frau mit Komplimenten, der Mann soll gut riechen, er hat noch den Anzug an und den Schlips und sein Hemd, das Gleiche wie vorher auch, was will sie da riechen, eine Imagination höchstens, ein Gehopse auf dem Tanzboden, er wie im epileptischen Anfall bewegend, 112 für die Feuerwehr und den Krankenwagen, man unterlässt es hier.

Der Ehemann ist weg, nach Frankfurt geflogen, sie will kurz nach der Heirat schon mit fremden Männern heimgehen, das ist nicht unmoralisch, das ist spinnert, wozu dann die Hochzeit und das Gesäusel von der Liebe, sie ist anstrengend, er hält es für keine so gute Idee, die beste Szene bisher; ausgenommen der tote Russe, da hat man sich erschrocken, da ist etwas passiert. Die Kamera begleitet den Professor, er stellt sich bei der Verlegerin vor, 750 Stück verkauft bisher, das reicht nicht zum Sterben und nicht zum Leben, das ist trotzdem, noch eine hohe Zahl, es müssen 749 andere dafür bezahlt haben, eine unglaubliche Zahl, "Ist Laura wie das Buch?", ein seltsames Prozedere, die Telefonnummer der Autorin nicht erfragt, aber bekommen, zudem soll der Professor von der Presse sein, laut Vermutungen der Verlegerin, ein Presse-Professor, eine unkene Natur, typisch Thome mit seinen offenen Fragen und fehlenden Antworten, mit seinen spinnerten Aussagen, die er den Figuren in den Mund legt und wo sie durch den Text wie Außerirdische auf der Suche nach Halt und der Bedürfnispyramide hindurchspazieren.

Fremde Leute werden hier in Empfang genommen, "Ich liebe dich noch", ein "aber", viele "aber" überhaupt, eine Liebe ohne Zuneigung, ohne Kino, ohne Anrufe, noch Essen, ohne Sex, eine Liebe einseitig, eingleisig, die Blumen in Empfang genommen, ein Stieren und ein Starren, die Kamera still, die Wohnungen hässlich, tut mir leid, nicht wohnlich eingerichtet, funktional vielleicht, die Wohnungen wie die Verkaufserlöse, zu viel zum Leben, zu wenig zum Sterben, dazu Sätze wie das mit dem Rauchen als Laster, "aber wenigstens keines, womit man jemandem wehtut", von Nichtraucherschäden als Begleiterscheinung hier noch nichts gehört, von Verboten des Rauchens in vielerlei Ecken der Gesellschaft, im eigenen Auto, wenn da Minderjährige oder Schwangere mitfahren, aber immerhin ist Rauchen ein positives, nicht-schädliches Laster, laut Thome, bzw. laut seiner Figur, ähnlich merkwürdig wie die weiteren Dialoge von den vielen Männern und den vielen Kurzgeschichten, die Frauen reden viel, die Männer wenig, Reden ist hier nicht nötig, "Wissen Sie eigentlich, was Sie mit ihrem Roman geschrieben haben?", auch hier ist das Bett auf dem Boden, eine Matratze auf dem Laminat nur, ein Kunstwerk gefunden, auch für diese Frau riecht der Mann gut, nun wird man neidisch, was für ein Parfüm trägt der Mann, muss ja ein Aphrodisiakum sein.

Ins Grüne will man, schwimmen, mit der neuen Begleitung, "Das ist mein See", der kommt einem bekannt vor, den hat man in Der Philosoph gesehen, gleiche Stelle, gleiche Welle, auch hier nackert ohne zu Zögern, vor fremden Menschen, eine seltsame Form der Liebe, vielleicht ist auch der Waldsee ein Aphrodisiakum, man weiß ja nie. Die Schwäne suchen schon das Weite, sie flüchten, auf der Rückfahrt erfährt man endlich, was der Mann für eine Professur hat, er ist Archäologe, er trägt seinen Goldbarren immer noch mit sich, zum ersten Mal und überhaupt wird die Frau misstrauisch, ein Goldbarren, sie will ihn anfassen, sie will damit Essengehen, sie will ihn einlösen und umtauschen, 100 % Gold, 4000 DM als Gegenwert, nur gegen Ausweis, er hat bloß einen Reisepass und ist polizeilich nicht gemeldet, dann gibt's nur 3000 DM dafür, eine seltsame Mache, eine seltsame Methode, ein Goldhändler in Kreuzberg mit den Händen in der Hosentasche, er hat geprüft und kopiert; der Professor spricht ohne Akzent oder Dialekt, er spricht Deutsch perfekt, nur mit Aussetzern, eine schlechte Schauspielführung, wie improvisiert, wie untalentiert, wie laienhaft, auch hier wird getanzt, nun mit der nächsten Frau, ein langsamer Rhythmus diesmal, dem Film angemessen, der Sinnlichkeit und der Sprödheit, die er verbreitet, ein fester Blick in die Augen, beim Zuschauer ein Blick auf die Uhr, weiter links hinten tanzt ein Mädchen allein und erotischer, eine Statistin, eine Unbekannte in der Gleichung, man sieht nichts mehr von ihr, man sieht weiter die Autorin und den Professor, diesmal gibt es ein nächtliches Techtelmechtel, eine Art Geschlechtsakt, sie rittlings auf ihm, die Kamera nah und trotzdem entfernt, sie bewegt sich kaum, dennoch höchste Erregung bei ihm.

Tigerstreifenbaby ist die Autorin, Tarzan ist er, "Bist du echt?" wird später gefragt, am nächsten Morgen, das könnte man hier allerlei Figuren fragen, der ersten Frau, der zweiten Frau, den Professor selber, er hat aber schon mit "ja" geantwortet, er hat sich herausgenommen aus der Gleichung, er ist echt, der Rest vielleicht nicht, der Film vielleicht nicht, die Credits nicht, die Stadt nicht, Berlin sowieso ein Trugrausch, nur bestehend aus Baustellen und sonst nicht viel mehr, "Ich glaub's nicht." und "Das ist gegen jede Logik", hier wird wieder neu angefangen, neu aufgebraut, neu aufgebauscht, ein befreiendes Lachen, sie fragt weiter nach den Goldbarren, 99 Stück hat er noch davon, im Hotel zu liegen, in den Schränken versteckt, eine Verfolgung ausgemacht, eine Observation gespürt, rechts ran gefahren und angehalten, wie die "Zeit-Agenten" aus Der Philosoph, dort ein Mann gegen und mit drei Frauen, hier ein Mann als Unikat auf der Welt, dann wieder ein polizeiliches Problem, ein Einbruch in die Wohnung, alles durchwühlt, auch die Blumen auf den Boden geschmissen, "Du bringst mich in Schwierigkeiten.", die Frauenwelt des 20. Jahrhunderts wird hier erforscht und ausgekundschaftet, ein bisschen neidisch und misstrauisch ist man auf die anderen, Laura und Luise miteinander bekannt gemacht, es wird sich versteckt, Science Fiction und Thriller, auf Spannung gegangen, auf der Hinterbank geknutscht und das Adrenalin in die Blutbahn geschossen, Luise lallt schon wieder, obwohl sie am Steuer auf der Autobahn hockt, sie kann nur lächeln, die Trancer und der Dollman hier; der Ehemann forscht nach, "Scheissdreck."

Am Interessantesten noch die Fahrt in die Berliner Umgebung, die brandenburgische Landschaft, die Vororte, eine Flucht und eine Ausflucht, ein Ausflug in das Provinziale, in die Dörfer, in die Natur mit den Riesen-Bowisten, wieder in das Grüne, in eine abgelegene Örtlichkeit, alle Türen wieder weiß, alle Zimmer wieder karg, kein Mitbringsel, das Bett auf dem Boden, erneut, "Platz genug für Drei" – "Das ist mein Frank" – "Ich weiß.", in unverblümte Nacktheit gewagt, gleich- und mischgeschlechtlich, monogam und bigam in den Akt der Liebe, "Meint ihr nicht, es wird ein bisschen eng?", die erste Frage, wieder wird sich in das 'Tanzen' gewagt. Fast eine Minute lang 'darf' man auch zuschauen, wie eine Schlange eine Maus verspeist; "Ich find' das wirklich grausam." - "Elisabeth nicht."










Details
Ähnliche Filme