Mit „Heat“ remakte Michael Mann seinen „Showdown in L.A.“ und wenn man den Vorläufer sieht, weiß man auch warum – Mann kann seine Ideen hier nur teilweise entfalten.
Patrick McLaren (Alex McArthur) ist Profigangster, doch sein neuester Coup läuft nicht ganz nach Plan: Ein Neuling in seiner Truppe rastet aus und tötet die drei Wachleute des überfallenen Geldtransporters. Der Beginn ist der übliche durchdachte Coup, wie ihn viele Gangsterfilme als Opener nehmen, aber weniger aufwendig als das Pendant in „Heat“ und weniger glaubwürdig (die Wachleute müssen quasi sterben, weil einer von ihnen doof genug ist andauernd zu grinsen).
Man zieht Vincent Hanna (Scott Plank) von der Mordkommission zur Untersuchung des Falles heran, der bald die Professionalität der Bande erkennt. Vincent ist ein echter Spürhund und verbeißt sich in den Fall: Er sammelt Hinweise auf die Verbrecher und kann als einziger der Bande halbwegs nahe kommen – auch wenn sein Privatleben darunter leidet. Im Vergleich zu „Heat“ sind die beiden Kontrahenten auch jünger, weshalb Hanna nur seine junge Ehefrau mit seiner Arbeitswut zur Verzweiflung treibt.
Doch auch Patrick ist kein Anfänger und wird der polizeilichen Überwachung gewahr. Doch ein letzter, ausgeklügelter Coup soll ihm und seiner Gefolgschaft den Ausstieg ermöglichen. Er entscheidet sich dagegen die Sache abzublasen, auch wenn er sich damit einem gewaltigen Risiko aussetzt, denn Vincent ist ihm dicht auf den Fersen…
An sich ist „Showdown in L.A.“ ein solider, mit etwas Action angereicherter Krimi, aber beim Sehen zieht man immer wieder Vergleiche mit „Heat“ und daneben sieht der Erstling blass aus. Denn der hier ist als 90Minüter konzipiert und muss diverse Storykniffe aus Zeitgründen weglassen. Viele Aspekte, wie z.B. der Streit mit dem Auftraggeber, bleiben komplett außen vor, andere Sachen werden hier nur arg verkürzt wiedergegeben. So fällt auch das Ende knapper als in „Heat“ aus, geht aber einen anderen Weg, der recht interessant ist (vor allem im Hinblick auf die Beziehung von Vincent und Patrick zueinander).
Unter den Verkürzungen leidet aber vor allem auch die epische und dramatische Dimension, die Mann dann erst in „Heat“ wirklich ausleben konnte. Patricks Kumpane bleiben Sidekicks ohne wenig Tiefgang und Vincents Eheprobleme besitzen kaum die Tragik des Familienschicksals in „Heat“ (zumal die Gattin hierzulande mit einer grauenvollen Synchronstimme verschandelt wurde). Lediglich die Beziehung Patricks zu der Buchhändlerin ist noch etwas tiefgründiger geraten und zum Ende hin wird es ähnlich dramatisch wie in „Heat“ (Auffinden des Fahrers usw.). Zudem finden sich bereits hier ein paar der kultigen Momente, die den besonderen Reiz des Remakes (z.B. das Gespräch übers Dinger drehen).
Action gibt es wie in den meisten Filmen Michael Manns sehr wenig, an sich nur den Überfall zu Beginn, die recht lange Straßenschießerei sowie den superkurzen Showdown. Die Inszenierung der Action ist ordentlich, aber doch unter Manns gewohntem Niveau, was sich auf den ganzen Film übertragen lässt. Das L.A.-Feeling kommt nur teilweise auf und die Bilder haben oft auch nur TV-Niveau (der Film wurde aber wohl auch fürs Fernsehen gedreht).
Vergleiche zu dem erlesenen „Heat“-Ensemble sollte man eh nicht ziehen, aber selbst davon mal abgesehen hat der Film seine darstellerischen Schwächen. Vor allem Alex McArthur ist als einer der beiden Hauptdarsteller doch überraschend profillos, während Scott Plank immerhin noch den coolen Helden rauskehren kann. Die meisten Nebendarsteller sind recht gut, denn hier sind die wirklich talentierten Leute zu finden: Michael Rooker, Cary-Hiroyuki Tagawa und Juan Fernadez.
„Showdown in L.A.“ ist bloß Durchschnitt trotz einiger guter Ansätze. Vor allem das Fehlen epischer Tiefe und das grelle Styling lassen den Film eher so erscheinen, als habe Michael Mann hier eine überlange „Miami Vice“-Episode in L.A. gedreht.