Irgendwie muss Skandal-Regisseur Larry Clark ein tief verwurzeltes Trauma in seiner Jugend erlitten haben, denn nach seinem Debüt „Kids“ von 1995 findet er die Jugend immer noch scheiße. Was seinerzeit noch einen gewissen Zeitgeist transportierte, wirkt in „Smell of Us“ arg bemüht und unpointiert.
Paris: Die Skater um Math verbringen ihre Zeit mit Sex, Drogen und Alkohol, als man auf eine Möglichkeit fürs schnelle Geld via Internet aufmerksam wird. Beim Escort-Service bieten die Jungs ihre Dienste an, doch dauerhafte Erniedrigungen und Demütigungen fordern ihren Preis…
Wie beinahe üblich, hält sich Clark nicht mit einer Handlung auf, sondern folgt Stationen der Protagonisten auf der Straße, bei Kunden oder im Club. Auf Figurenzeichnungen wird weitgehend verzichtet, bei kaum jemandem wird das familiäre Umfeld durchleuchtet und so wirkt es geradezu befremdlich, als eine augenscheinlich geistig umnachtete Mutter halbnackt auf ihren völlig zugedröhnten Sohn zu steigen versucht. Provokation der Provokation wegen.
Ähnlich verhält es sich bei den zahlreichen körnigen Aufnahmen via Smartphone, die bei diversen Sexszenen zwar nie direkt draufhalten, beim zigfachen Griff in die Boxershorts jedoch sofort zur Stelle sind. Jugend ohne Perspektive, selbst den eigenen Schwanz finden sie nicht. Demgegenüber gestalten sich einige Tricks der Skater auf ihrem Board tatsächlich ansehnlich und somit ist zumindest in diesem Bereich eine gewisse Realitätsnähe gegeben.
Der Rest bietet ein Sammelsurium an Belanglosigkeiten, was zu keiner Zeit Spannung oder gar Atmosphäre zutage fördert, zumal die Chose überdies ohne ersichtliche Pointe endet.
Der in die Jahre gekommene Clark spendierte sich selbst eine Nebenrolle als Obdachloser, der während einer Jam Session ein paar tiefe Töne anstimmt, während die übrigen Mimen zumindest um Authentizität bemüht sind und entsprechend glaubhaft performen.
Natürlich kann man filmen, wie jemand minutenlang inbrünstig an nicht wirklich sauberen Zehen nuckelt oder jemand unter der Dusche feststellt, dass das letzte Pötern offensichtlich zu tief ging, doch abgesehen von einigen ekeligen Szenen, welche dennoch eine FSK16 erhielten, ist hier nicht viel mitzunehmen. Außer der Vorliebe Clarks für junge, halb entblößte Körper in Nahaufnahme, doch das ist seit „Kids“ ebenfalls nicht neu.
3 von 10