Review

kurz angerissen*

Klingt erstmal wenig reizvoll, insbesondere, da es sich um ein Remake handelt: Die Geschichte eines Literaturprofessors, der eine Spielsucht als Spiegel seiner Lebensphilosophie vor sich her trägt. Diese besagt, dass man im Leben auf Alles oder Nichts gehen muss. Was sich holzschnittartig anhört, nimmt eine plastische Form an, wenn Rupert Wyatt ein Skript von William Monahan verfilmt. Also der Mann, der die neue „Planet der Affen“-Serie zu intelligenter Mainstreamunterhaltung geformt hat, die geistigen Erzeugnisse des Mannes in Bilder transferiert, der immerhin „Infernal Affairs“ nicht blind kopiert hat, als er das Drehbuch zu „Departed“ schrieb, sondern sich stets um Substanz bemüht hat.

Von dieser Kombination lebt „The Gambler“. Wo man Polarisation im Stil eines seichten Sportdramas erwartet, werden falsche Erwartungen schon schnell aus dem Weg geräumt. Die meisten Szenen atmen durch tiefsinnige Dialoge, die völlig auf vorgegaukelte Intellektualität und die daraus resultierende Konstruktion von Coolness verzichten. Ein gewisses Maß an Dramatik steckt zwar in Mark Wahlbergs Showeinlagen für die Studentenschaft, doch der Reiz seiner aufgestellten Thesen und deren Bedeutungen für die Haupthandlung ist nicht von der Hand zu weisen.

Wyatt inszeniert dabei in einem ungewohnt wirkenden, jedoch zugänglichen Blickwinkel, zählt die Tage bis zur Entscheidung vielleicht im Mittelteil etwas langsam herunter, doch immer fällt ihm etwas ein, um das eher spröde, weil überfilmte Milieu interessant zu gestalten.

Von alldem profitiert auch Mark Wahlberg in der Hauptrolle. Einmal steht ihm eine Garnison an starken Nebendarstellern zur Seite (John Goodman, Jessica Lange, Michael K. Williams; George Kennedy, Brie Larson), dann gelingt ihm aber auch ein ganz spezieller Charakter. Körperlich ohnehin von den aufgepumpten Standard-Darstellungen zu unterscheiden (da sind einige Kilos in sich zusammengefallen), knüpft er endlich mal wieder an die starke „Departed“-Vorstellung an.

Zu einem wirklich großen Werk fehlt etwas, aber „The Gambler“ bietet dennoch deutlich mehr, als man ihm zutrauen würde.

*weitere Informationen: siehe Profil

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