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Herausgebildet als die drei hauptsächlich für Komödien zuständigen und im Lichtpegel der Aufmerksamkeit gesetzten Darsteller haben sich in den letzten Jahren Ronald Cheng, Chapman To und Wong Cho-lam. In der Reihenfolge von Talent, der Popularität und Prosperität, was allein durch die Nennung schon viel über den derzeitigen Stand dieses Genres speziell und des kantonesischen Filmgeschäft allgemein aussagt. Das Problem der Schauspieler ist ihr eingeschränktes Tätigkeitsfeld ebenso wie das Können dahinter und das Ausruhen auf bewährten Mechanismen, die von vornherein schon den Ablauf der humoristischen Situationen klar erkennbar, selten mit Überraschungen und noch seltener mit einer wahren Pointe zeichnen, was allerdings auch an den Texten dahinter und den Verantwortlichen für Skript und Regie liegt. Bei Black Comedy spielen zwei der Leute mit, was das Projekt von vornherein als eine Stufe höher, sicher nicht gleich auf das qualitative Podest von dem sowieso höhergestellten Vulgaria (2012, mit Cheng und To), aber zumindest aus der Masse leicht heraus und wenigstens etwas in der Bedeutung hervor hebt:

Laut dem Himmelsbeauftragen und -verwalter Angel Jim [ Jim Chim ] gibt es zwei Sorten von Menschen, deren wahre Gesinnung man ihnen aber nicht immer ansieht, und zwei Orte nach dem Ableben für sie. Während der Himmel als letzte Ruhestätte gerade boomt, muss sich Mrs Devil [ Siu Yam-yam ] um ihre Lokalität gerade wegen gähnender Leere starke Sorgen machen. Ihr eher nichtsnutziger Sohnemann Devil Vincent [ Chapman To ] verspricht da Abhilfe, wozu er sich auf die Erde schicken und lässt und Ausschau nach einem teuflischen Pakt mit einem dafür geeigneten Menschen hält. Dabei fällt ihm schnell der Polizist Johnny Du [ Wong Cho-lam ] auf, der zwar gerade (und mehr zufällig) mehrere Geiselnehmer aus dem Verkehr gezogen hat, aber von seinem Traumjob bei der G4 weiterhin weit entfernt ist, von seinem Vorgesetzten Senior Inspector Wong [ Hui Siu-hung ] um die Anerkennung gebracht, gegängelt und benachteiligt und selbst von seiner Freundin Angel [ Kimmy Tong ] nur schikaniert und monetär ausgenutzt und laut heischerischen Zeitungsnachrichten von dieser auch mit dem reichen Schauspieler Ben Chik [ Gregory Wong ] betrogen wird. Der so zutiefst niedergeschlagene Johnny schlägt in den Deal, der 13 Tage heillosen Spaß und eine Handvoll Wünsche für sein Leben beinhaltet, entspricht schnell ein, muss aber bald feststellen, dass weder die gewünschte Traumfrau noch die Umstände des neues Lebens dem entsprechen, was er sich eigentlich vorgestellt hat. Schnell werden die Wünsche weniger und die verbliebenen Tage auch, und sitzen ihm im neuen Dasein auch der Triaden-Schwiegervater Driller [ Tommy Wong ] und ein thailändischer Drogengangster [ Ken Lo ] im Nacken.

Dass Produzent Wong Jing hier nur für die finanzielle Sicherheit und den Text selber verantwortlich war, merkt man in der Inszenierung, die dem aufstrebenden Wilson Chin übertragen wurde, dabei sicherlich nicht. Wong selber hat kurz vor seinem Jubiläum, der Planung seiner 100. Regiearbeit und dem (damaligen) Karrierehöhepunkt mit dem From Vegas to Macau - Dreiteiler weitaus genug und anderes zu tun, wobei das Drehbuch selber sich sowieso wie einer seiner Schnellschüsse, ohne Belang und Bezug zu seinen anderen filmographischen Werken und als schlichte Masse statt Klasse liest.Großartig merken tut man eine eigene Handschrift dabei nicht, bzw. merkt man nur das, was die letzten Jahre sowieso in der materiellen und formellen Gestaltung seiner Komödien als bevorzugtes, da auch preiswertes und publikumssicheres Genre zu registrieren war. Wong ist der kleine Jedermann, der wegen dem Lausbubengesicht und der Körpergröße schon von vornherein als der Normalmensch aus der Mittelschicht, eher noch darunter und mit Welpenschutz gesetzt ist. To ist der 'Böse' in der Geschichte, bzw. der Umtriebige, der oft nur Frauen und ihre Attraktivität im Kopf hat und das Ausnutzen anderer Leute, was er allerdings mit einem unverhohlenen und gleichzeitig kindischen Charme und einer "alles halb so wild" - Attitüde wieder überspielt.

Beide Darsteller arbeiten vor allem mit ihrem Körper, und dabei mit Mimik und Gestik [Schmollmund, hochgezogene Augenbrauen, Ausdruck von vermeintlicher oder tatsächlicher Verwunderung bzw. einem "Ich war das nicht." usw.] Eine Eindimensionalität, die in den Dialogen und Monologen, zumindest in der englischen Übersetzung nicht unterstützt und nicht durch andere Bedeutungen oder Auslegungen angereichert werden. Die Geschichte selber ist dabei so schlecht gar nicht und verfügt auch in der Produktion über ein durchaus sicheres, finanziell ausreichend fundamentiertes Wesen, wobei man sich deutlich am Bedazzled (1967 & 2000) und damit auch an der Faust - Legende, und ein wenig am It's a Wonderful Life (1946 & 2007) orientiert. Ein feste Basis, die mit der Idee von dem Wunsch nach Veränderung im Leben und der Möglichkeit der Beeinflussung ansonsten nicht oder schlecht beeinflussbarer Umstände wie des gesellschaftlichen Umfeld, des sozialen Status und vor allem des Partner für das Leben spielt.

So wünscht sich die Figur von Wong, der Johnny Du hier in erster Linie immer eine neue Freundin, an die er auch ganz spezielle Vorstellungen, und das den Charakter betreffend und nicht das äußere hat. Äußerlich bleibt seine Traumfrau im Grunde immer gleich, wird nur durch eine andere Aufmachung (mal mit Brille, mal ohne, mal sind die Röcke kürzer und mal die Absätze höher) und im Verhalten offensiver bzw. zurückhaltender in Szene gesetzt. Die Frau ist für Ihn sichtlich das Wichtigste, und im Grunde wird sich dann auch nur darüber und die Interaktion mit ihr definiert, was den Mann noch schwächer als sonst schon und auch leicht nachträglichen Einfluss auf das filmische Geschehen hat.

Denn anstatt weitere Option zu probieren, die sich verstärkt auf das Berufsleben oder den Kontakt zu anderen Menschen erkunden, wird so mehr oder minder nur eine Abart der Romcom, der Romantischen Komödie, vielleicht etwas räudiger als üblich ausgespäht. So legt der Film gerade auf viel Wert auf die entsprechenden Details, auf viel Feierlaune und Wein, Weib und Gesang, auf das Auskundschaften weiblicher Anatomie, was den (Aus- und Ein)Blick dediziert auf das Dekolleté und ansonsten Po und Beine der weiblichen Laufkundschaft betrifft. Regisseur Chin weiß um diese Handhabe, hat er sich doch seit seinem Debüt Summer Love (2011) und anschließend dem rein auf das Nachtclub- und Liebesgeschehen abzielenden Lan Kwai Fong - Dreiteiler (2011 - 2013) reichlich darin bewährt. So übel ist das öffentlich in Szene setzten der Attribute der lauten und grellen Gemütsverfassung hierbei auch nicht, wird sich alle paar Minuten um eine Erregung von (oberflächlichen) Interesse und dies zwar entsprechend sinnleer, aber visuell einnehmend, wie eine Art langer Videoclip bemüht.

Selbst die Andeutung eines ernsten Szenarios wie eingangs eine Geiselnahme in einem Einkaufszentrum und das Heranrücken der Sicherheitskräfte und mittig eine verhinderter Drogendeal am Hafen sind vergleichsweise geschmackvoll und kräftig präsentiert, was eine kleine Hoffnung auf Chins nächsten Werdegang, den im Dreh befindlichen Special Female Force (2016) erweckte und dort (und eventuell auch der angekündigten Fortsetzung dessen) vollzogen ist.

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