DER RECHTE ARM DER GÖTTER
…war Anfang der 90er Jahre mein erster Jackie Chan-Film überhaupt und machte mich direkt zum Chan- und Eastern-Fan! Heute ist es unmöglich zu sagen, wie oft ich mir den Film in den vergangenen 15 Jahren schon angeschaut habe! Mein Gott: Ich habe bisher bestimmt schon vier verschiedene Fassungen davon besessen…
Der „Asiatische Falke“ (Jackie Chan) ist ein Abenteurer, wie er im Buche steht! Gerade entdeckte er in Afrika ein Schwert, welches Teil der legendären „Rüstung Gottes“ ist. Diese mysteriöse Rüstung wurde während der Kreuzzüge getragen und soll ihrem Träger angeblich übermenschliche Kräfte verleihen. Die kriminelle „Sekte des Materialismus“ will sich die Macht der Rüstung zunutze machen und entführt Jackies Jugendliebe Lora (Rosamund Kwan - Powerman 2), um durch sie die Übergabe der Rüstung zu erpressen. Jackies Jugendkumpel Alan (Alan Tam - The Last Blood), welcher komplizierter Weise gleichzeitig Loras Verlobter ist, bittet Jackie um seine Unterstützung.
Von einem Antiquitäten sammelnden Baron leihen sich die beiden zwei weitere Teile der Rüstung aus. Als Gegenleistung dafür sollen sie des Barons Töchterchen May (Lola Forner - Der Powerman) am Abenteuer teilnehmen lassen und zusätzlich noch die vollständige Rüstung zurückbringen, um sie für seine Sammlung zur Verfügung zu stellen. Das Trio reist nach Jugoslawien, schleicht sich ins Kloster der Sekte ein und kann Lora tatsächlich befreien. Doch dies war nur ein genialer Schachzug des Sektenführers: Die Gerettete steht unter Hypnose, entwendet die eigentlich sicher versteckte Rüstung und kehrt damit ins Hauptquartier der Sekte zurück. Nun muss der „Asiatische Falke“ wohl oder übel noch einmal in die Höhle des Löwen zurückkehren…
Nicht erst mit RUSH HOUR oder SHANG-HIGH NOON verschlug es unseren „Kung Fu-Kasper“ Jackie raus aus heimatlichen Gefilden: Schon in DER POWERMAN (1984) machte er zusammen mit seinen „Brüdern“ Samo Hung und Yuen Biao Spanien unsicher. In DER RECHTE ARM DER GÖTTER (1986) tobt er auf Indiana Jones’ Spuren zuerst durch Afrika und anschließend dann durch Jugoslawien. Die glücklicher Weise glimpflich ausgegangene Geschichte von „schweren Kopfverletzungen“ und „unterschiedlichen Haarlängen“ brauche ich hier sicher nicht noch einmal zu erzählen. Die Location Jugoslawien hingegen kann ich nur wieder und wieder lobend erwähnen: Entgegen der Neuzeit, in der Filmemacher nur des geringen Budgets wegen in den Ostblock reisen, machte das Reiseziel in diesem Fall wirklich Sinn. Mit kleinen, verwinkelten Dörfern und dem an einem Felshang gelegenen Kloster der Sekte konnte die Gegend sinnvoll genutzt und zudem optisch wunderbar eingefangen werden.
Großes Lob verdient auch die Palette der gebotenen Actionszenen: Ein Kampf gegen Eingeborene und ein Shoot-Out zu Beginn, dann eine spektakuläre Hatz zwischen einem „Mad Mission“-inspirierten Wunderauto und einer Horde Mönchen, die mit Jeeps und Motorrädern folgen, um mit spektakulären Crashes, Stürzen oder Explosionen in der Botanik zu enden. Wir werden somit Zeuge der vielleicht besten Verfolgungsjagd, die jemals in einem Chan-Film zu bewundern war! Auch der Kampf zwischen Jackie und den Mönchen im Speisesaal ist durchweg gelungen (John Ladalski donnert nach einem Rückwärtssalto mit beiden Knien auf eine Tischkante - Aua!) und der abschließende Kampf zwischen Jackie und den vier Amazonenweibern gehört sowieso mit ganz nach oben in die Liste meiner absoluten Chan-Lieblingskämpfe! Dass gerade die Verfolgungsjagd ein wenig an MAD MISSION erinnert, ist kein Zufall, denn schließlich hat dessen Regisseur Eric Tsang höchstpersönlich neben Jackie auf dem Regiestuhl gesessen!
Wie der deutsche Verleih aus dem Wort „Armour“ (Originaltitel: Armour of God) einen „rechten Arm“ zu kreieren vermochte, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Ich hingegen frage mich, warum DER RECHTE ARM DER GÖTTER oftmals mit Worten wie wenig gelungen oder langweilig umschrieben wird. Richtig ist, dass der Klassiker weder mit haufenweise Slapstick, noch mit übermäßig viel Action voll gestopft wurde. Trotzdem (oder gerade deshalb) gefällt er mir aber wirklich gut! Er ist eine spaßige, unterhaltsame und kurzweilige Indiana Jones-Alternative geworden… wenn auch nicht ganz so stark wie das 1991 entstandene Sequel MISSION ADLER - DER STARKE ARM DER GÖTTER!
Die neun Minuten längere Neuauflage von Splendid macht den Film dann noch etwas runder, plausibler und bietet zudem ein lustiges „Versteckspielchen“, in dem sich eine unter Hypnose stehende Lora, ein verwirrter Alan, eine eifersüchtige May und ein völlig verzweifelter Jackie durch die verschiedensten Hotelzimmer jagen. Wäre die Neuauflage nicht mit unpassenden Soundeffekten (Schussgeräusche bei Tritten, „Zisch“-Laute bei Sprüngen) verhunzt worden, würde ich sie als optimal bezeichnen und umgehend eine Kaufempfehlung aussprechen. Da die „Masterpiece“-Erstauflage leider dasselbe Manko aufweist, bleibt die Videofassung bis heute die beste deutschsprachige Alternative. Bei der Wertung mache ich keinen Unterschied zwischen alter VHS-Fassung und ungeschnittener DVD-Neuauflage, wogegen ich die Abstufung des Films auf FSK 12 doch für etwas übertrieben halte…
8/10 Punkten, diBu!