Bestandteil einer gegenseitigen Abmachung der Kooperation zwischen den Darstellern Tony Jaa und Dolph Lundgren, in der der Erste den Zweiten für seine (mittlerweile leider auf Eis gelegte) Eastern-Western-Actionkomödie A Man Will Rise besetzen wollte und der Andere im Umkehrschluss den gleichen Gefallen im Sinn hatte und vom Stapel der Wünsche liess. Obwohl Skin Trade später in die Phase des Drehens selber ging, ist deren Vorbereitung mit einem Schreibprozess seit 2007 wesentlich länger geplant und die Veröffentlichung eher gelungen und auch mit wesentlich mehr Anreiz gerade auch für den westlichen Markt und die Aufmerksamkeit der Kunden auch mit Faktoren abseits seiner beiden Hauptdarsteller besetzt. So wendet sich der Film in seiner b-picture Machart trotz sozialer Schlagworte und Botschaften wesentlich direkter an ein breiteres Publikum und ist zusätzlich in (kleineren) Parts mit den namhaften Peter Weller, Michael Jai White, Ron Perlman oder auch Cary-Hiroyuki Tagawa, also tatsächlich prominent für dergleichen Verhältnisse belegt. Ein wenig unglücklich wurde auch mit der Aktualität des Themas um die Massenentführung nigerianischer Schülerinnen von Terroristen der Gruppe Boko Haram im März 2015 'geworben', was sich im Endprodukt, einem stringenten Actionfilm/pittoresken Abenteuer der Marke Holzhammer und Brecheisen (und gewohnheitsmäßiger Verachtung für die Figuren) zum Glück nicht weiter niederschlägt. "Fuck you care about these girls?"
Auch ansonsten passieren die Ereignisse einfach, halten aber nicht mit den Erwartungshaltungen und auch nicht mit den Talenten, die diese Hoffnungen erst auslösen, mit. Man regt und bewegt sich, oft sogar, von Poipet zu Newark zu Bangkok und wieder zurück, bleibt aber strikt bei der Pflicht und ist an einer Kür so richtig gar nicht fasziniert:
Als New Jersey Detective Nick Cassidy [ Dolph Lundgren ] bei einer Razzia unter Führung seines Vorgesetzten Costello [ Peter Weller ] den jüngsten Sohn des gesuchten serbischen Frauenhändlers Viktor Dragovic [ Ron Perlman ] tötet, zieht er den heiligen Zorn des Mannes auf sich und seine Familie. Ein prompt erwiderter Anschlag auf sein Leben befärdrt den Polizisten schwer verletzt in das Krankehaus, und seine Ehefrau und die Tochter in den Tod. Wieder genesend macht sich Cassidy mithilfe des FBI Kollegen Reed [ Michael Jai White ] nach Thailand auf, wo Dragovic mitsamt seinen weiteren Söhnen ein Subunternehmen führt. Dabei kommt er in die Quere des Royal Thai Police Special Branch Officer Tony Vitayakul [ ansehnlich: Tony Jaa ], der mit seinem Partner Nung [ Maethi Thapthimthong ] und der eingeschleusten Informantin Min [ Celina Jade ] seinerseits den Verbrechern hinterher ist.
Ausgewählt für die Regie des Stückes, einem Herzensprojekt von Lundgren und nun fast ein Jahrzehnt in der Schwebe der Realisierung gepflegt, wurde mit Ekachai Uekrongtham ein eher ungewöhnlicher Artist. Ekachai hat 2004 mit Beautiful Boxer ein allgemein geschätztes Debüt und später mit u.a. dem Dokudrama Pleasure Factory (2007) sich sogar mit der Materie des käuflichen Sex und des Handelns mit Frauen beschäftigt, ist in der Heimat allerdings eher als Mann des Theaters bekannt und dort auch die meiste Zeit involviert. Eine gewisse Fremdheit in der Anlage einer reinen Genrearbeit, die der Film nun einmal eindeutig und dies auch in allen Belangen ist, wirkt dabei durchgängig scheinend durch sämtliches in der Laufzeit, vor allem den Details. Aus anderen Augen als üblich gesehen – als vorheriger Wunschkandidat wurde z.b. John Hyams oder Lundgren ursprünglich selber kolportiert – gestaltet sich das Szenario als gleichzeitig schnörkellos und verspielt, veteranenhaft rouniert bis launenhaft instabil, direkt hinaus bis sprunghaft und kurz darauf schon fast wieder als Märchen, als Phantasie, als Debüt inszeniert. Widersprüche, die wie auch die durchgängigen und zahlreichen Actionszenen selber jeweils das Interesse und die Neugier auf Kommendes anregen, aber trotz eigener aktiver Tüchtigkeit das Wesentliche nicht so richtig treffen und wohl auch gar nicht mit dem simplen und einfachen Krawall zufrieden oder auch für eine Beachtung dessen zu begeistern sind.
Tatsächlich wirken die häufigen Bewegungs- und Konfrontationsformen, die zahlreiche Eile von Schießereien und Verfolgungsjagden, von Kämpfen und Explosionen in der Gesamtheit der Betrachtung von Montage und Dramaturgie nur durchschnittlich, fast wie als nötiger Zusatz, aber nicht als Mittelpunkt gesehen. Hier und da wird durch Plötzlichkeit oder einen Gewaltausbruch – ein finaler Stoß kopfüber voran in Fensterglas, eine verheerende Explosion auf engsten Raum – der Effekt gesetzt, fehlen aber einzelne Höhepunkte, und ist die Gleichmäßigkeit der schnelleren Szenen letztlich scheinbar schon das ultimative Rezept. Immerhin werden hier die Dinge auch sichtbar gemacht, ist der Aufwand trotz des Budgets von nur 9 Mio. USD einigermaßen hoch, die Produktion im Gegensatz zum währenddessen auch an den Start gegangen, aber schmuddelig scheinenden Skin Traffik vergleichsweise edel und in der Größe stabil. Eine bequeme Exkursion, ohne Umwege (oder Raffinessen), farblich etwas zurückhaltend und ebenso wie in der räumlichen Ausdehnung, die auch einiges an äußeren Eindrücken ausspart etwas gedämpft.
Auch die Kamera benimmt sich zurückhaltend in der Distanz und stört und frequentiert man die Bilder, die unmittelbare Kommunikation und ihren gegenseitgen Rhtyhmus nicht zusätzlich mit einem eventuell zu eifrigen Schnitt. Dafür ist die Choreographie zumeist milde belanglos, bestenfalls konventionell und selbst größere Akte wie die Erstürmung eines Verladehafens von seiten der Polizei oder eine ausgedehnte Hetzjagd durch Bangkok per Motorrad sind mehr als Bestandteil der Erzählung, als Narration selber gut und sauber festgehalten denn als ihre Steigerung in Form von wahrhaftigen Ausrufezeichen gesetzt.