Review
von Leimbacher-Mario
Moby Schick
Die Geschichte vom riesigen weißen Wal Moby Dick, ist fester Teil unserer Kultur & eigentlich jedem bekannt. Durch Bücher, Dokus & etlichen Verfilmungen. Nun versucht sich Ron Howard an einer Adaption des legendären Stoffes oder besser gesagt an der wahren Geschichte hinter dem Mythos oder dem Fantasy-Buch. Und es entstand ein bildgewaltiges See-Abenteuer, dass vergleichbar mit Ridley Scotts "Exodus", etwas an Seele, Beständigkeit & Emotionen vermissen lässt. Ganz davon abgesehen, dass der Geschichte um den Wal, der das Schiff, die Essex, angreift & sich sozusagen für das grausame Wal-Morden rächt, nicht wirklich neue oder gar einprägsame Facetten abgewonnen werden können, trotz realistischerer Herangehensweise. Manche Stories scheinen einfach schon zu oft erzählt, egal wie beeindruckend, brachial & modern sie optisch wiederbelebt werden...
"Im Herzen der See" ist unvergesslich - zumindest technisch & optisch. Denn egal ob in 3D oder 4K, im Kino oder durch den Beamer zu Hause - der Film ist unglaublich hübsch. Man spürt fast das Salz des Meeres auf der Zunge, man riecht den Gestank eines aufgeschnittenen Wales & man wird geblendet von der Sonne über der Essex. Etwas CGI-heavy, trotzdem wirkt das Ganze manchmal fast wie ein (Öl-)Gemälde. Seit "Master & Commander" wurde die Seefahrt wohl nicht mehr so spürbar & atmosphärisch, düster & gefährlich dargestellt. Besonders Super-Close-Ups mitten im Geschehen & von Details, wirken nach. Leider war's damit dann auch schon fast. Die Darsteller sind Diamanten, von alt bis jung, von Superstars bis weniger bekannt, von Tom Holland bis Brendan Gleeson. Nur Hemsworth wirkt eigentlich bis zum Schluss zu hübsch & makellos für die Umgebung & Geschichte. Jedoch bleibt trotz im Kopf bleibender Optik & großartigem Ensemble wenig Substanz hinter der schillernden Fassade.
Der Hintergedanke "Mensch gegen Natur, der erkennt, wie überlegen & erhaben diese ist", wird klar herausgearbeitet, wirkt jedoch nur aufgewärmt & zu oft gesehen. Am ehesten bleibt da noch die Szenen der Tötung eines Wales in Erinnerung, traurig & befremdlich künstlich "hübsch" zugleich. Ein neuer, düsterer Ansatz ist auch das Vordringen in die dunkelsten Winkel des menschlichen Überlebensdrangs im letzten Teil des Films, dessen positiv unangenehmen Nachgeschmack das unaufhaltsame "Happy End" zum Glück nicht wett macht. Im Endeffekt bleibt ein Effektgewitter, dass den Zuschauer emotional weniger trifft, als es sich die Macher erhofft haben. Einer der inhaltlich schwächeren Howard-Filme. Trotzdem weiß der Mann natürlich, wie man eine Geschichte erzählt, was heutzutage im Hollywood-Morast schon als riesiges Lob & Alleinstellungsmerkmal gelten muss!
Fazit: simples & gleichzeitig bildgewaltiges CGI-See-Abenteuer, dass den Mythos Moby Dick recht Schmuck in die Neuzeit transportiert, einer neuen Generation vorstellt. Die Story oder Charakter bleiben jedoch arg dünn & eigentlich passiert viel zu wenig, alles wirkt oberflächlich & flach.