kurz angerissen*
Ob Sherlock Holmes oder Moby Dick, den Zeitgeist scheint es in besonderem Maße zu reizen, alte Mythen in der Gegenwart zu verorten und sie der Prüfung durch die Realität auszusetzen.
Dabei inszeniert Ron Howard nicht gerade wie im Realismus verankert. Seine Bilder gleichen vielmehr der Malerei als der Fotografie, Fischerdörfer werden wie Idyllen im Gegenlicht inszeniert und ein türkisgrüner Stich filtert die letzten Eindrücke, selbst dabei gewesen zu sein, heraus.
Die mythologische Dekonstruktion findet eher bei den Motiven statt; so erfährt der Wal keine wirkliche Diabolisierung, vielmehr wird er als ungewöhnliche Kreatur dargestellt, die allerdings gemeinsam mit ihren Artgenossen gegen die Gefahr an der Wasseroberfläche ankämpfen muss und somit einen natürlichen Grund hat, das Boot zu attackieren.
Umspannt wird der Plot durch einen narrativen Rahmen aus der Zeit, als Melville zu seinem Roman "Moby Dick" inspiriert wurde. Das hat zu Vergleichen mit "Titanic" geführt, was auch insofern richtig ist, als dass sich "Im Herzen der See" genau wie "Titanic" irgendwo zwischen historischer Dokumentation und Legendenbildung befindet.
Für ein wirklich ausgewogenes Survival-Abenteuer allerdings fehlt im letzten Drittel die Ruhe. Der eigentliche Überlebenskampf, der von Hunger und Kraftlosigkeit geprägt war, wird wie im Zeitraffer zusammengefasst und letztlich nur angedeutet. Mit etwas mehr Sorgfalt wäre gerade hier eine größere Wirkung herauszuholen gewesen, auch wenn das bedeutet hätte, dass man ein kinounfreundliches Überlängenformat hätte in Kauf nehmen müssen.
So handelt es sich immerhin um ein edel gefilmtes Abenteuer zur See, dessen Kurzweil darüber hinwegsehen lässt, dass es weder dokumentarischen noch mythologischen Maßstäben genügend entsprechen kann.
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